Workshop: Wie geht das, Teil 8

In diesem Workshop erfahrt ihr, wie man einen Gitarren-Amp richtig mikrofoniert und welche Dinge es zu beachten gibt ... Ausgabe 10/2014

Bei der Abnahme von Gitarrenverstärkern ist das verwendete Equipment vor wie hinter dem mikrofon von Entscheidender Bedeutung. Ein schlecht mikrofonierter Lautsprecher kann eine Aufnahme wertlos machen – egal wie teuer oder professionell das verwendete Equipment ist.

 

Keine Angst, auch wenn viele Produzenten und Tontechniker ein großes Geheimnis darum machen, gibt es doch einige Methoden, die sich durchgesetzt haben. Deshalb soll dieser Workshop einen Überblick verschaffen, was überhaupt alles möglich ist und gleichzeitig hinterfragen, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Außerdem steht die Frage im Raum, ob Amp-Mikrofonierung in Zeiten von Modelling-Technik überhaupt noch zeitgemäß ist. Der Markt scheint nahezu überschwemmt mit Lösungen, bei denen der Gitarrist direkt ins Pult spielt. Warum also noch der ganze Aufwand, wenn es doch viel einfacher sein kann. Geht es denn nicht ganz ohne Mikrofonierung?


Das Grundproblem ist der sogenannte „Arsch mit Ohren“. Ja, richtig gelesen! Denn wer einen Amp so abbilden will, wie wir ihn im Raum wahrnehmen, steht vor genau diesem Phänomen. Wir hören den Amp meist aus einiger Entfernung und außerdem so gut wie niemals in Ohr-Höhe. Der Verstärker ist meistens als Combo oder Halfstack ausgeführt und entsprechend in Knie- bis Gesäßhöhe. Ein Mikrofon dagegen wäre quasi ein angehaltenes Ohr direkt vorm Lautsprecher. Und das ist bekanntlich nicht gerade förderlich für das Gehör. Quintessenz dieser Überlegung ist also, dass sich ein Gitarrenklang gar nicht exakt so abbilden lässt, wie wir ihn aus dem Proberaum kennen.


Es bedarf gerade am Anfang einige Zeit, um sich an den Klang eines mikrofonierten Gitarrenlautsprechers über die Regie-Abhöre zu gewöhnen. Doch was für ungeübte Ohren relativ befremdlich klingt, ist mit entsprechender Erfahrung reine Routine. Betagte Produzenten wissen bereits vor der Aufnahme, was für einen Klang der Song am besten vertragen kann und vor allem, welches Mikrofon und welche Mikrofon-Position für die einzuspielende Spur verwendet werden soll.

 

Vorbereitung ist alles


Bevor überhaupt ein Mikrofon aufgestellt wird, sollte also der Klang des Verstärkers so eingestellt sein, dass der Gitarrist sich wohl fühlt. Und da wären wir schon bei einer weiteren Grundproblematik: Es heißt doch immer, dass Röhren-Amps nur voll aufgerissen so richtig satt klingen. Gitarrenverstärker, oder um es ganz korrekt zu sagen, deren Lautsprecher stehen also während der Aufnahme in einem anderen Raum. So hat es wohl jeder schonmal in einem professionellen Tonstudio gesehen. Die Amps sind mit Mikrofonierung nur durch eine Glasscheibe zu sehen und die Herren Hetfield oder Hammett sitzen lässig mit ihren Gitarren am Mischpult und nageln eine Spur nach der anderen ein ...