Workshop: Wie geht das? - Teil 22

Wo Menschen aufeinander treffen, da entstehen schnell Spannungen. Besonders sensibel sind Künstler, wenn es um ihre Performance geht. Ein Grund, diesem Thema einen eigenen Workshop zu widmen.

 

Als Engineer im Tonstudio muss man sich auskennen: Raumakustik, Mikrofonauswahl, DAW-Bedienung, EQs und Kompressoren einstellen, Plugins auswählen. Alles wichtige Fertig- und Fähigkeiten, in denen man sich durch ständiges Beschäftigen und Weiterbilden verbessert. Wichtig für die eigene Karriere und die Musik. Das zur Arbeit hinter der Studioglassscheibe mehr gehört, wird einem schnell nach den ersten Aufnahmen klar. Also, wie arbeitet man eigentlich mit einem Künstler?

Nicht jeder Mensch ist gleich

Was dieser Workshop nicht ist, sollte klar sein: ein Leitfaden, der immer funktioniert. Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit Menschen. Jeder Künstler und jeder Produzent ist ein Individuum. Vielmehr soll dieser Workshop euch sensibilisieren. Was kann ich machen, um aus der zur Verfügung stehenden Studiozeit das Optimale rauszuholen? Es ist logischerweise ein Unterschied, ob man als Mietstudio seine Zeit mit einer vielleicht unsicheren Nachwuchssängerin verbringt, als Produzent schon lange mit dem Künstler eine Karriere aufbaut oder mit ein paar Kumpels nach Feierabend an Tracks schraubt. Jeweils andere Strategien können zum Ziel führen. Erstaunlicherweise gibt es aber trotzdem viele Parallelen.

Während sich die Musicaldarstellerin über einen hellen, aufgeräumten, sauberen Aufnahmeraum freut, findet die Punkband möglicherweise ein Strauß Blumen in der Gesangskabine irritierend. Hier wären vielleicht ein paar Dosen kühles Bier besser gewesen. (Obwohl ich es auch schon genau anders herum erlebt habe.) Professionelle Studios machen sich auch um die optische Gestaltung ihrer Räumlichkeiten Gedanken. Farben und Lichtverhältnisse wirken direkt auf die Emotionen und sich damit auf die Performance der Künstler aus. Bestimmte Studios haben einen Look, der genauso klassisch ist, wie ihr Sound. Man denke an die legendären Motown-Studios oder die Räumlichkeiten von Avatar in New York. Klar kann man aus einem Proberaum im Luftschutzkeller kein Studio mit Meerblick bauen, aber vielleicht ist eine weitere Lampe, ein heller neuer Teppich oder ein frischer Wandanstrich die bessere Investition als noch ein Plugin für euer Studio. Möglicherweise kann man den sogar finanzieren, indem endlich mal jemand das Leergut wegbringt?

Es kann lohnenswert sein, bei unbekannten Studiogästen fünf Minuten Zeit in ein Telefonvorabgespräch zu investieren.

Vorbereitung


Bevor eine Studiosession für den Künstler losgeht, sind einige Vorarbeiten sinnvoll, die man als Produzent erledigen sollte. Zusammengefasst kann man sich das als die „Fünf P“-Regel merken: Proper preperation prevents poor performance.