Workshop: Wie geht das? - Teil 19

Backingtracks und Playbacks können eure Performance in ungeahnte klangliche Sphären bringen und deutlich aufwerten. Wir zeigen euch, wie ihr kreativ mit Backingtracks arbeiten könnt.

Vollklingende Kompositionen, Samples und Drumloops, ausgefeilte Backingchöre, knackige Hornsections: Dank Musikproduktion im Computer sind Albumproduktionen heutzutage häufig reich an Details und Spuren. Hier ein paar Streicher, da ein bisschen Percussion und ein paar Sprachsamples.

Wenn diese Produktionen auf der Bühne umgesetzt werden sollen, stellen sich häufig Probleme ein. Der Platz auf der Bühne ist nämlich genauso begrenzt, wie das Tourneebudget.

Was macht man, wenn man von seinen Songs keine speziellen und reduzierten Live-Versionen machen, aber trotzdem mit wenigen Musikern den vollen Albumsound reproduzieren will?

Man setzt Backing-Tracks, auch Playbacks genannt ein. Wir zeigen euch, wie ihr die Playbacks verwendet.

Halbplackback vs. Vollplayback

Bei Musikern ist es verpönt, aber nicht nur im TV-Bereich häufig anzutreffen: das Vollplayback. Sämtliche Teile der Darbietung (Instrumente und Gesang) kommen nicht live, sondern werden vom Playback geliefert. Die Künstler mimen ihren Auftritt dabei nur. Eventuell hält der Leadsänger noch ein Mikrofon in der Hand, um zwischen den Stücken anzusagen und zu moderieren.

Als Zuspieler können CD-Player, iPods oder Laptops dienen. Technisch ist so eine Konstruktion einfach zu bedienen, ein ausgiebiger Soundcheck damit unnötig und Aufbauzeiten minimal. Wichtig ist, dass die Künstler ihr Playback auf der Bühne gut hören. Schließlich sollen die Lippenbewegungen synchron zur Musik sein, damit es für das Publikum realistisch wirkt.

Interessanter für Musiker sind die Möglichkeiten, die ein Halbplayback bietet. Hierbei spielen oder singen die Künstler zu einem vorgefertigten Playback. Das Playback ergänzt also die Performance. Das können Chorstimmen, Drumloops, Rhythmusgitarren, Bläser, Streicher, und mehr sein. Mit Hilfe dieses Verfahrens können

  • fehlende Instrumentalisten ersetzt
  • Chöre gedoppelt
  • spezielle Effektsounds auf die Bühne gebracht werden

die sonst der Albumversion vorbehalten werden. Sogar verstorbene Künstler können auf diese Art noch live auftreten. So sang die Soul- und Jazzsängerin Natalie Cole zusammen mit ihrem verstorbenem Vater Nat "King" Cole den Hit "Unforgettable" live auf der Bühne.

Synchron bleiben

Wichtig ist, dass die Live-Band immer synchron zum Playback bleibt. In der Regel ist dafür ein Click für den Drummer nötig. Schlagzeuger, die live auf Kopfhörer oder In-Ear-Monitoring setzen, sind bestens gerüstet. So bleibt das Metronom für das Publikum unhörbar und die Band timingstabil zu den zugespielten Spuren.

Man sollte berücksichtigen, dass, sobald der Drummer aussetzt, die Gefahr besteht, dass sich die Live-Band vom Timing des Playbacks löst. Intros oder ruhige Interludes sind meist die problematischen Stellen. Lösung hierfür: Nicht nur der Drummer kriegt einen Klick auf die Ohren. Setzen noch andere Bandmitglieder auf In-Ear-Monitoring, lässt sich das Metronom über die Monitorwege gezielt nach persönlichem Bedarf hinzumischen. Alternativ lässt man für alle Akteure auf der Bühne gut hörbar eine Percussion-Spur mitlaufen, beziehungsweise den Drummer auf der HiHat weiter den Puls andeuten.

Handy, Tablet und Co.

Für alle, die einen günstigen Einstieg in das Thema "Playbacks auf der Bühne" suchen, greifen wir am besten auf Technik zurück, die mit Sicherheit jeder Musiker besitzt: Smartphone, Tablet oder Ipod. Die kleinen Alltagsbegleiter sind beim Gig sowieso dabei, warum diese also nicht als Zuspieler nutzen?

Da diese Geräte eigentlich immer nur über einen Stereo-Kopfhörer-Ausgang im Format Miniklinke verfügen, ist ein wenig Trickserei nötig, um das Signal an die PA zu bekommen. Ein entsprechendes Adapterkabel Miniklinke, Stereo auf zweimal Monoklinke mit DI-Box sorgt für die Übertragung auf die üblichen XLR-Leitungen.

Das eigentliche Playback wird hart auf das Stereofeld verteilt. Die linke Seite besteht nur aus dem Click, die rechte Seite enthält unser Playback. Das Playback ist für das Publikum Mono, der Kanal mit dem Click bleibt dem Drummer vorbehalten.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass man ohne Investitionen (okay, vielleicht braucht ihr noch ein Kabel) die ersten Versuche unternehmen kann. Dieses Setup hat allerdings auch ein paar Tücken, sodass man sich wahrscheinlich schnell nach professionelleren Alternativen umschaut.

Probleme in der Hardware

Ein Problem ist die grundsätzliche Verarbeitung der Hardware:

  • die Kopfhörerbuchsen sind meist nicht roadtauglich
  • Kontaktprobleme sind keine Seltenheit
  • umständliche Adapterkonstruktionen
  • winzige Lautstärkeregler fördern nicht gerade eine zügige Bedienung in einer Bühnensituation

Es ist wichtig, im Betriebssystem ein paar Einstellungen vorzunehmen. Bildschirmschoner oder Sleepmodus müssen ausgeschaltet und die Systemsounds deaktiviert werden. Oder wollt ihr, dass ein Benachrichtigungston über eine neue Email mit 115 dB durch die PA euer Publikum aus den Sitzen hebt? Der aktivierte Flugmodus verhindert, dass die Geräte auf der Bühne nach Updates oder Nachrichten suchen.

Vergesst nicht, den Zuspieler nach einem Track wieder zu stoppen. Sonst rattert die Maschine direkt zum nächsten Track und fällt eurer Moderation oder dem Applaus des Publikums ins Wort. Am besten, man kopiert an das Ende von jedem Track noch ein wenig Stille. In dieser Zeit kann man auf den Stop-Button drücken. Profizuspieler haben für diese Problematik einen sogenannten "Theatermodus". Nach der Wiedergabe eines Tracks wird automatisch der nächste Track angewählt und auf Pause oder Standby geschaltet.

Ein Hauptnachteil bleibt aber ohne extra Hardware immer bestehen: Die Bedienung kann nicht blind erfolgen. Durch die Steuerung mit dem Finger müsst ihr mit den Augen auf dem Display sein. Ihr verliert den Blickkontakt zu eurem Publikum. Gerade für Sänger, die einen solchen Zuspieler bedienen wollen, ist das ein entscheidender Nachteil.

Der Musikmarkt hat dafür natürlich eine Lösung. Es gibt Dockingstationen (beispielsweise SM Pro Audio DI Dock Live), die nicht nur die Anschlüsse in Bühnenqualität bereitstellen, sondern gleich den Akku mit aufladen und über Fußtaster bedient werden können. 

Mehr wertvolle Tipps, wie ihr Backing-Tracks verwendet, gibt es hier.