Workshop: Survivalguide für Musiker, Teil 25

Wie viel Arbeit hinter einem Crowdfunding-Projekt steckt, unterschätzt man leicht. Diane Weigmann berichtet von ihren Erfahrungen im zweiten Teil des Interviews ... Ausgabe 11/2013

SOUNDCHECK: Was sind deiner Meinung nach die Vor- und Nachteile von Crowdfunding?


Diane Weigmann: Vorteil ist, dass du es schaffst, ein Sümmchen Geld zusammen zu bekommen, dass es dir ermöglicht, nach deinem Ermessen weiter zu arbeiten. Nachteil ist, dass es seine Zeit dauert und viel Kraft und Arbeit erfordert. Du musst dran bleiben, immer wieder Lebenszeichen von dir geben und am Ende Sachen versenden, pünktlich zu sein, mit dem, was du versprochen hast. Das war ein Punkt, an dem ich wirklich an meine Grenzen gestoßen bin. Als ich den Versand für Pledgemusic gemacht habe und um die 200 bis 300 Pakete in meinem Wohnzimmer standen, musste das alles verpackt, zu DHL gebracht werden und da war ich zum ersten Mal in meinem Leben organisatorisch an dem Punkt, wo ich an den Rand meiner Kräfte kam. Ich war danach erst mal zwei Wochen nicht mehr in der Lage, etwas zu tun (lacht).


SC: Ist die Methode eine Notwendigkeit, weil Plattenfirmen kein Geld mehr für Produktionen zur Verfügung stellen, oder ist das ein völlig neuer Weg für Künstler?


DW:
Es ist einer neuer Weg für Künstler und auch eine Notwendigkeit für die Künstler, die  Plattenfirmen haben, die es sich nicht leisten können. Es wäre auch eine Möglichkeit für Plattenfirmen, zu sagen: Wir sind ein kleines Label, wir haben den und den Künstler, wenn ihr das gut findet, sagt jetzt schon, ob ihr es bestellen wollen würdet und von dem Geld können wir es dann herstellen. Crowdfunding ist auf jeden Fall eher eine Chance als ein Nebenprodukt einer Industrie, die gerade den Bach heruntergeht.  Man kann nicht nur tes­ten, ob Interesse besteht, sondern das Netz - was in den Augen der großen Musikindustrie vieles kaputt gemacht hat, endlich mal zu seinem Vorteil nutzen, weil du kleiner, wendiger und flexibler bist ...