Workshop: Stimmbildung, Teil 8

Ganz gleich ob Klassik, Pop, Musical, Jazz oder Rock – alle Sänger benutzen ihre Stimme als Instrument, doch welcher Stil erfoldert welche Gesangstechnik? ... Ausgabe 08/13

Egal ob Klassik, Pop, Musical, Jazz oder Rock – Gesang ist Gesang. Alle Sänger benutzen ihre Stimme als Instrument und sind darauf angewiesen, sie gesund und gut zu führen. Dennoch würde ein klassischer Sänger natürlich sagen, dass zwischen ihm und Beyoncé Welten liegen. Auch ihr als Hörer würdet sicherlich bemerken, dass euch zwei ganz unterschiedliche Klangideale entgegen kommen.

Gesang entsteht, wenn die Stimmlippen die sich in unserem Kehlkopf befinden, durch den Atem, der durch sie strömt, zum Schwingen gebracht werden. Die Länge und die Spannung variiert und dadurch verändern sich Tonhöhe, Stimmmasse und die Art des Klangs. Zusätzlich dazu leistet die äußere und die innere Kehlkopfmuskulatur ihr Übriges. Knorpel können kippen und die Stimmlippen zusätzlich strecken. Nicht zu vergessen das persönliche Timbre eines jeden Sängers, das vor allem durch die persönliche Anatomie im Rachen- und Mundraum entsteht. Der Prozess der Klangentstehung ist also erstmal überall der Gleiche. Trotzdem wirken viele Faktoren auf die Stimme ein, die es erlauben, verschiedene Klänge zu produzieren und somit verschiedene Genres zu bedienen. Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen Stilen zu erkennen und zu bemerken, worauf es im jeweiligen ankommt.

In der Klassik kommt es vor allem darauf an, dass man sich ohne Mikrofonierung gegen ein großes Orchester durchsetzen kann. Dies ist nur möglich, wenn bei den gesungenen Töne sehr viele Resonanzen, sprich Obertöne, mitschwingen. Die Klassiker nennen die Frequenzbereiche der Obertöne, die bei bestimmten Vokalen durch die Stellung des Mund- und Rachenraums verstärkt werden, Formanten. Da bei bestimmten Vokalen auf einer bestimmten Tonhöhe nicht mehr genügend Formanten mitschwingen, werden die Vokale modifiziert, beziehungsweise leicht verändert. Deshalb habt ihr manchmal in der Oper das Gefühl, dass der Sänger Labe statt Liebe singt. So kommt es leider oft zu einer schlechten Textverständlichkeit ...