Workshop: Songlyrics, Teil 11

In dieser Folge geht es um Wiederholungen. In dieser Folge geht es um Wiederholungen ... Ausgabe 04/2014

ede Struktur braucht Wiederholungen. Wie das Muster, auf das sie in einem gegebenen System verweist, besteht eine Struktur lediglich, wenn ihr wenigstens in Ansätzen Wiederholungen zugrunde liegen. Ein Song etwa, der aus einer unregelmäßigen – und unrhythmischen – Abfolge von sich nicht wiederholenden Noten besteht, ließe sich gar nicht mehr als Musik erkennen. Schon eine kurze Melodie muss einzelne Elemente, sei es rhythmisch oder tonal, teilweise wieder aufnehmen, um überhaupt als Melodie gelten zu können.

Selbstverständlich enthalten musikalische Werke auch auf übergeordneter Ebene Wiederholungen. Von Strophen spricht man etwa in Popsongs nur dann, wenn sich wenigstens zwei Song-Abschnitte durch gewisse gemeinsame Merkmale auszeichnen. Das Gleiche gilt für Refrains beziehungsweise den Chorus. Die Bridge wird gewöhnlich nicht wiederholt und fungiert dadurch gleichsam als Element, das die Struktur der Strophen und Refrains noch einmal betont. Eben weil sie für einen kurzen Moment das Muster des Stücks durchbricht.


Ein Liedtext spiegelt diese Grundstruktur des Popsongs. Das heißt, der Text von zwei Strophen oder Refrains weist wie die zugrunde liegenden Musikabschnitte Gemeinsamkeiten auf – bestimmte Elemente wiederholen sich. Dies gilt zum einen natürlich für die Form der Textteile, also zum Beispiel für die Anzahl und Länge der Zeilen, die Reimformen und Reimschemata, wiederkehrende rhetorische Figuren und so weiter. Aber auch inhaltlich sollte sich ein Faden durch den Song ziehen – und darum soll es im Folgenden vor allem gehen. Was selbstredend nicht bedeutet, dass man die Lyrics der entsprechenden Songteile einfach Wort für Wort wiederholt ...