Workshop: Social Media, Teil 1

Im ersten Teil unserer Workshop-Reihe zum Thema Social Media geht es um schlagkräftige Bandpromo mit Facebook & Co.

Aloha und herzlich willkommen zu unserer Workshop-Reihe. "Social Media" heißt das große Thema. Wenn man dem Feuilleton traditioneller Tages- und Wochenzeitungen Glauben schenkt, ist dieser Medientypus die Rettung für Musiker und Künstler.

Endlich braucht man weder Plattenfirmen noch Promo-Agenturen, um ein berühmter Rockstar zu werden. Man kann selbst mit Hilfe kostenloser Websites der eigenen Karriere den notwendigen Tritt in den Hintern geben. Andere Menschen sehen in Facebook & Co. das Ende des Abendlandes gekommen, das jede ehrliche Kunst verhindert und nur noch oberflächlichen Quatsch an Smart-Phone-süchtige Kids verkaufen will.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Deswegen widmen wir uns lieber der Frage, wie man als ambitionierte Band oder Solokünstler die neuen Möglichkeiten sinnvoll nutzen kann. Und damit dem Traum, mit der eigenen Musik Erfolg zu haben, einen Schritt näher zu kommen.

Zu diesem Zweck stellen wir euch in den nächsten Folgen die wichtigsten Social-Media-Seiten vor und zeigen, wie man sie am sinnvollsten und effektivsten einsetzt. Außerdem erklären wir euch, wie man die neuen Möglichkeiten mit althergebrachten Werbemethoden verbindet.

Bandbusiness und -promo im analogen Zeitalter

Um zu verstehen, was am Konzept Social Media für Musiker so neu ist, werfen wir einen Blick zurück in die Anfangstage der Rockmusik. In den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts hatte man als Band keine Möglichkeit, selbst Songs aufzunehmen. Selbst Kassettenrecorder oder Vierspurgeräte waren futuristische Visionen.

Es blieb nur, live aufzutreten und das Interesse eines Produzenten zu wecken oder selbst in ein Studio zu gehen. Anschließend bewarb man sich mit der Aufnahme bei Produzenten, Managern oder Plattenfirmen. Hatte man Glück, war unglaublich gut — oder beides — gab es einen Plattenvertrag (bei dem der Künstler meist als letzter verdiente) und die Plattenfirma kümmerte sich um Pressung, Werbung, Konzerte und Fanpost.

Nachlesen kann man diese Geschichte in fast jeder Rockbiographie von Künstlern dieser Zeit. Mit dem Aufkommen der Punk-Bewegung in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren änderte sich dieses Konzept erstmals. Musikalisches Virtuosentum war nicht mehr nötig, um eine Band zu gründen.

Es entstanden Auftrittsorte abseits etablierter Veranstalter und mit Hilfe von Kassetten-Samplern und kopierter Fanzines konnte man das Underground-Publikum über die eigene Musik informieren. Fast alle bekannten Bands dieser Zeit landeten trotzdem nach kurzer Zeit bei einem größeren Label und erlitten ein ähnliches Schicksal wie die Kollegen der 50er und 60er.

Indies legen Grundstein für Grunge-Boom

Ende der 80er-Jahre entstanden immer mehr kleine, unabhängige Labels, die aus Begeisterung für bestimmte Musikstile Platten veröffentlichten. Die Independent-Labels, kurz Indies, waren die Basis für den Alternative- und Grunge-Boom der frühen 90er. Die Indies kreierten ein eigenes System aus Clubs und Zeitschriften, verbunden mit einer gesellschaftskritischen Haltung.

Letztere war oft eher diffus und mehr vom Gefühl "anders sein zu wollen" und sich nicht die neueste Phil-Collins-Scheibe anhören zu wollen geprägt, als von einer wirklich politischen Vision. Mit der Vermarktung dieser Geisteshaltung in Form von "Alternative Rock" ließ sich in den 90ern prima Geld verdienen.

Statt Platten verkaufte man CDs, die den eigenen Aufnahmen kleinerer Bands — erstellt mit Hilfe von Vier- oder Achtspur-Recordern — deutlich überlegen waren. Wollte man selbst Konzerte buchen, blieb nur der Griff zum Telefon. Touren oder Verkäufe im Ausland bedurften nach wie vor der Hilfe von Fachleuten, sprich von Konzertagenturen, Plattenlabels und Mailorder-Vertrieben.

Dann kam das Internet — und plötzlich war alles anders. CDs konnten auf einmal digitalisiert und verlustfrei kopiert werden. Über E-Mail konnte man Kontakt zu Bands, Labels und Clubs auf der ganzen Welt aufnehmen. Und die Songs und Alben, die man mit Hilfe von Audio- und Sequenzerprogrammen aufgenommen hatte, weltweit vertreiben.

Im Prinzip ist es also möglich, durch eigenes Engagement und geschickten Einsatz der neuen Medien den musikalischen Erfolg selbst zu steuern. Und zwar ohne ein einziges Demo an eine Plattenfirma zu versenden.

Was genau ist Social Media?

Wikipedia meint zu dieser frage: "Social Media bezeichnen digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu erstellen."

Klingt ganz schön schlau, meint aber im Klartext einfach Websiten und Internetdienste, die es ermöglichen, Informationen oder eben auch Musik, Videos, Grafiken, Fotos, etc. öffentlich zu verbreiten, ohne selbst den jeweiligen Dienst zu betreiben. Hinzu kommt die Möglichkeit, all diese Inhalte zu kommentieren und weiterzugeben, also die Empfängerzahl deutlich zu erhöhen. Dieses interaktive Internet wird oft als Web 2.0 bezeichnet — die Nutzer erstellen und kommentieren die Inhalte, was diese wiederum beeinflusst. Man muss sich also nicht mehr eigenständig auf eine Website einer Band begeben, sondern sieht sie auf der Facebook-Seite eines Freundes, bekommt Links zu Videos, Soundfiles oder Veranstaltungsflyern und erhält — wie die meisten von euch wahrscheinlich wissen — tagtäglich unzählige Informationen. Die Bandbreite von Social Media reicht von Netzwerken mit Informationsfunktion (wie etwa Facebook oder Twitter) über Videokanäle (wie Youtube oder Vimeo) bis hin zu Bandprofilen auf Plattformen (wie Myspace, Reverb Nation oder Bandcamp). Seiten wie Last F.M. oder Spotify kombinieren Informationen über die Bands mit der Möglichkeit, Musik zu hören und verwandte Künstler zu entdecken und ersetzen für viele Menschen die Auswahl, die früher beispielsweise die Radiosender getroffen haben.

Wie kann ich Social Media für die Band gezielt und effektiv nutzen?

Der wichtigste Aspekt von Social Media ist sicherlich die Werbung für Konzerte, neue Veröffentlichungen und sonstige Aktivitäten einer Band. Mit relativ großem Zeitaufwand und etwas Mühe kann man über die sozialen Medien kostenlos sehr viele Menschen erreichen und zwar weitgehend ohne geografische und politische Grenzen. Gleichzeitig bieten Seiten wie Facebook oder Twitter einen direkten, extrem zeitnahen Kontakt zu Fans und Interessierten, da auf eine neue Information oder Song direkt Reaktionen erfolgen. So muss nicht erst auf Konzerte oder die Verkaufszahlen von Tonträgern warten, wer erfahren möchte, wie etwa das neueste Werk einer Band bei der Zielgruppe ankommt. Seiten wie das mittlerweile etwas abgehalfterte Myspace und dessen Nachfolger wie Bandcamp, Soundcloud und Reverb Nation ersetzen heute immer öfter das klassische BandDemo. Die meisten Veranstalter legen heute keinen Wert mehr auf gedruckte Infos und CDs, sondern klicken lieber auf die Links einer clever formulierten und gelayouteten E-Mail und können so unmittelbar entscheiden, ob die Musik ins Konzept ihres Clubs oder Venues passt. Auch die Fanbindung kann durch die neuen Webangebote wesentlich einfacher und kostengünstiger aufrecht erhalten werden. Wer noch Konzertdaten und Newsletter per Post verschickt hat, der weiß, wie teuer und arbeitsintensiv das war. Heute kann man mithilfe selbstgedrehter Videos den Fortschritt bei der Studiosession dokumentieren, rund um die Uhr kostenlos Konzertdaten verbreiten und sich nach Konzerten mit den Zuschauern vernetzen, die dann im Idealfall selber wieder Input in Form von Videos, Fotos und Kommentaren erzeugen. Zudem ist auch die Informationsfunktion von Foren und Seiten, die fürs Booking nutzbare Clubadressen auflisten, nicht zu unterschätzen. 

Den kompletten Social-Media-Workshop findet ihr hier.