Workshop: Konzertvideo – Do it yourself Teil 2

Gutes Videomaterial ist für jede Band wichtig. Im ersten Teil des Workshops ging es um den Drehort, die Vorplanung und verschiedene Kameratypen. Heute beschäftigen wir uns mit Objektiven und weiterem Equipment.

Was für den Tontechniker Mikrofone sind, das sind für Kameraleute die Objektive. Sie haben entscheidenden Einfluss auf die Qualität und den Look eures Konzertvideos. Lieber eine günstige Kamera mit einem super Objektiv als andersrum. Bei Handy, Consumer-Camcordern oder Kompaktkameras habt ihr keine Möglichkeit, die vom Hersteller verbauten Objektive zu wechseln. Profi-Videokameras, DSLRs (Spiegelreflex) oder Systemkameras bieten Wechselobjektive.

Besonders die beiden Letztgenannten bieten ein sehr gutes Preis-Bildqualitäts-Verhältnis. In der Regel wird eine Kamera mit einem passenden Objektiv verkauft. Dieses sogenannte Kitobjektiv deckt mit seiner Brennweite den Bereich leichtes Weitwinkel zu Normalobjektiven bis leichtes Tele ab.

Allerdings muss es in Kombination mit der Kamera (Body) einen attraktiven Preis ermöglichen. Das heißt, die Hersteller stehen hier unter einem enormen Kosten- und Konkurrenzdruck. Aktuelle Kitobjektive sind nicht unbedingt schlecht und gerade für den Einstieg in die Fotografie oder für einen einmaligen Dreh absolut geeignet.

Trotzdem sind Objektive meist das erste, was angehende Filmemacher nachkaufen. Ähnlich wie bei der Tonaufzeichnung, wo ein gutes Mikrofon (Anfang der Aufnahmekette) einen viel größeren Einfluss auf die Qualität hat, als ein AD/DA-Wandler oder Plugin (Ende der Aufnahmekette) verhält es sich mit den Objektiven.

Sie haben einen großen Einfluss und sollten deshalb bei Investitionen noch vor teurer Schnittsoftware oder Kamerarigs berücksichtigt werden. Die Preisspannen sind gigantisch, noch größer als bei Mikrofonen. Die Range bewegt sich von rund 100 Euro bis zu den Regionen einer Oberklasse-Limousine (50 000 Euro aufwärts).

Es ist aber für unsere Zwecke unnötig, so hochpreisig einzusteigen, schließlich wollen wir keine Filmfirma gründen oder den neuen Hollywoodblockbuster drehen, sondern ein Livekonzert dokumentieren.

Alle großen Kamerahersteller bieten für ihre Modelle eine umfangreiche Auswahl an Objektiven und auch Drittanbieter bedienen den wachsenden Markt. Teilweise lassen sich durch Adapterringe Objektive an Kameras anderer Hersteller montieren (Sonyobjektive an Canon-Kamera usw.). Bevor ihr Objektive leiht oder kauft, informiert euch unbedingt, ob die gewünschten Teile auch an die Kameras passen.

Die wichtigsten Kriterien von Objektiven

Schauen wir uns mal die wichtigsten Kriterien von Objektiven an. Die Brennweite ganz grob gesagt, sagt euch die Brennweitenangabe, wie weit ihr ein Objekt optisch ranholt, beziehungsweise wie stark die Kamera vergrößert. Sie wird in Millimetern angegeben.

Man unterscheidet drei Hauptbereiche (es gibt noch mehr und auch sehr spezielle Linsentypen, die aber für unseren Konzertvideo-Drehzweck vernachlässigbar sind).

Weitwinkelobjektive besitzen eine Brennweite von ca. 18–35 mm. Ihr Blickwinkel ist größer als das menschliche Auge. Man bekommt viel Szenerie auf das Bild (z.B. bei Landschaftsfotografie) ohne vom Geschehen weit weg sein zu müssen. Man kennt diesen Blickwinkel aus unzähligen Kleinbildkameras, Handys et cetera. Das bedeutet aber nicht, dass Weitwinkel nur in "einfachen" Kameras eine Rolle spielt. Ganz und gar nicht. Für eine Bühnentotale wird man in der Regel eine Weitwinkeloptik verwenden.

Auch wenn ihr Instrumentengruppen (einen Bläsersatz, Bassist und Schlagzeug, Backgroundchor) gemeinsam im Bild haben wollt, ist eine kurze Brennweite optimal. Ein hochqualitatives Weitwinkel wird sich in jedem Kamerarucksack von Profifotografen finden. Normalobjektive (ca. 40–60 mm) ähneln dem Bildausschnitt des menschlichen Auges. Eine der wichtigsten Brennweiten ist die 50-mm-Linse, welche bei der Porträtfotografie sehr gerne zum Einsatz kommt. Logisch, dass dies bei einem Konzertvideodreh ebenfalls eine attraktive Brennweite darstellt. Je nach der Distanz Kamera – Bühne könnt ihr Gesichter oder ganze Personen ablichten.

Ein 50-mm-Festbrennweiten-Objektiv ist wahrscheinlich das meistgekaufte Objektiv von Fotobegeisterten und einfache (aber nicht schlechte) Modelle wandern schon für knapp 100 Euro über die Ladentheke (Canon EF 50 mm/1,8 STM, Sony SAL 50 mm 1:1,8).

Brennweiten über 60 mm sind sogenannte Telebrennweiten. Mit ihnen holt man weit entfernte Objekte nahe an den Betrachter, ähnlich wie bei einem Fernglas. Besonders Sport- oder Tierfotografen bedienen sich großer Telebrennweiten (300 mm bis 1000 mm). Sehr gute, lichtstarke Teleobjektive sind schnell eine teure Angelegenheit. Hier gilt es abzuwägen, was und wie viel man wirklich braucht.

Vielleicht hat man die Möglichkeit, die Kamera näher an der Bühne zu platzieren und kann so viel Geld sparen. Für die ersten Schritte reicht meiner Meinung auch ein etwas einfacheres Teleobjektiv bis circa 250/300 mm. Gerade, wenn man keine zu großen Ansprüche an die Blende stellt.

Ein Teleobjektiv ist für Konzertdrehs extrem sinnvoll. Mit ihm kann man Details einfangen, ohne dass auf der Bühne ein Kameramann den Musikern auf die Pelle rückt. Wer der Meinung ist, für den Dreh ein sehr gutes Teleobjektiv (kleine Blende oder extrem große Brennweite) haben zu müssen, sollte einen Verleiher von Kameraequipment in Betracht ziehen. Warum immer gleich alles kaufen, wenn man es nur 1–2 Tage benötigt?

Hier erfahrt ihr mehr darüber, wie ihr Konzertvideos gut umsetzt.