Video Marketing: Sieben goldene Regeln

Im Tonbereich seid ihr fit, in der Musik fühlt ihr euch sicher? Diese sieben goldenen Regeln bringen euch beim Bewegtbild auf das nächste Level.

1. «Ton ist wichtiger als Bild»

Das Medium Film steht auf den beiden Säulen Bild und Ton. Misst man Absprungraten bei Videos und wertet Klickzahlen aus, lässt sich belegen, dass eine schlechte Tonqualität schneller zum Abbruch animiert, als Einbußen in der Bildqualität. Unglücklicherweise haben selbst hochwertige Kameras minderwertige Mikrofone verbaut. Käufer wollen 4k-Auflösung, hohe ISO-Werte und Handy-Apps für ihre Kameras. Guter Sound steht nicht auf der Wunschliste.

Die Hersteller richten sich nach diesen Bedürfnissen, mit dem Ergebnis, dass ihr auf externe Mikrofone oder Pocketrecorder angewiesen seid. Sonst wird der Ton im Video indirekt, leise und voller Nebengeräusche. Hinzu kommt die Platzierung der Kamera. Diese folgt Kriterien wie Beleuchtung, Bildausschnitt, Drehort und Brennweiten. Die optimale Kameraposition ist aber selten die optimale Mikrofonposition.

Häufig will man die Mikrofone außerhalb des Bildes haben, was die Möglichkeiten weiter einschränkt. Lavaliermikros, die unsichtbar an der Kleidung befestigt werden können, solltet ihr zumindest erwägen. Kauft hier aber nicht in den untersten Kategorien. Edle Mikrofonkapseln und zuverlässige Sendestrecken haben ihren Preis.

Achtet beim Aufnehmen von Ton auf die korrekte Aussteuerung, wählt 24-Bit Auflösung. Ihr habt so einen großen  Dynamikumfang und könnt mehr Headroom lassen. Da Sprache im Vergleich zu Musik und Gesang leiser ist, hört man hier schneller Rauschen. Gute Mikrofone und rauscharme Preamps helfen.
Im Filmbereich wird eher die Samplerate 48 Kilohertz verwendet. Zeichnet den Ton bereits so auf und erspart euch Konvertierungen. Eine Aufzeichnung mit der doppelten Samplerate 96 Kilohertz halte ich für reine Sprachvideos übertrieben.

2.  «Show, don’t tell»

Schaut euch viele Videos von anderen Bands an. Das bringt beim Video Marketing Ideen für die eigenen Inhalte. Achtet darauf, wie diese Inhalte filmisch umgesetzt werden. Schneidet nicht einfach statische Bilder hintereinander. Film lebt davon, dass Personen agieren und dass Ereignisse und Szenen eine zeitliche Ordnung und ein Timing haben. Wisst ihr was ein talking head ist? Videos, in der eine Person erzählt und eine statische Kamera Kopf und Schultern filmt. Nachrichtensprecher sind ein Beispiel für diese Art Einstellung. Die hat ihre Berechtigung, mit simplen Mitteln wird Information direkt an den Zuschauer gebracht. Allerdings wirkt so ein Video schnell langweilig. Verwendet

  • illustrierende Bilder (B-Roll)
  • Grafiken
  • Interviews
  • wechselnden Kameraperspektiven

und präsentiert so eure Inhalte interessanter.

Mit mehr Erfahrung solltet ihr euch an dynamischer Kameraführung versuchen. Bei Serien oder Filmen ist die Kamera selten unbeweglich. Achtet einmal gezielt darauf. Kamerabewegungen sind nicht einfach, erfordern technische Hilfsmittel und filmisches Verständnis. Wer eine ruhige Hand besitzt und eine Kamera / Objektiv mit Bildstabilisator hat, kann Kamerabewegungen mit wenig Ruckeln in seine Filme einbauen.

Leichter wird es mit den richtigen Werkzeugen. Die einfachste Bewegung ist der Schwenk. Billige Fotostative sind dafür nicht optimal, besser ist ein Stativ mit Videokopf, der flüssige Bewegung auf Vertikal,- und / oder Horizontalachse erlaubt. Ein Kameragimbal (Stabilisator) ist mobil einsetzbar und teuren, sperrigen Slidern oder Jibs (Kamerakran) vorerst vorzuziehen.

3. «Musik verbindet und unterstützt den Schnitt»

Hängt man einzelne Szenen stumm hintereinander, wirkt dies schnell befremdlich. Eine verbindende Musik schafft logische Übergänge und bildet eine Klammer. Ihr müsst jetzt keine Hollywood-Soundtracks komponieren, legt einfach mal einen Track von euch unter das Video. Probiert eine Instrumentalversion eines Songs. Instrumentale Musik verträgt sich besser mit Dialogen. Gesungene Passagen können inhaltlich eine Szene kommentieren, gerade wenn der Text sinnvoll zum Bild passt. Dann wird aber normalerweise auf die Dialogebene verzichtet.

4. «In der Kürze liegt die Würze»

Wenn ihr dreht oder schneidet, denkt an eure Fans. Was wollen sie sehen, wie kann ich das kompakt transportieren? Wie lange der optimale Facebook-Post oder das perfekte Youtube-Video sein darf, ist nicht allgemeingültig zu beantworten.

Langweiliger oder langatmiger Inhalt wird aber immer abgestraft. Aufwendige Intros und ein epischer Abspann haben auf Videoplattformen keinen Sinn. Ein kurzes Logo, fünf bis zehn Sekunden Musik und / oder Animation sind völlig ausreichend, wenn überhaupt.

Liefert Mehrwert! Bringt Informationen, die eurem Zuschauer weiterhelfen oder seinen Wissensdurst stillen. Leute, die sich nur selber feiern, gewinnen keine Fans. Seid authentisch aber bedenkt: Was im Video gesagt oder getan wurde, ist nicht privat. Was gepostet wird, ist öffentlich. Kann sein, dass man im Backstage einen lockeren Spruch bringt und wenn die Kamera oft dabei ist, vergisst man sie irgendwann. Natürlich kann man eine Meinung äußern oder am politischen Diskurs teilnehmen. Ihr tut dies halt in diesem Fall nicht hinten im Bandbus mit Kumpels, sondern in der Öffentlichkeit.

5. «Kümmert euch um die Zuschauer»

Wer richtig durchstarten will, hört von Profis immer, dass der Aufbau einer Community Regelmäßigkeit erfordert. Der Veröffentlichungszeitraum von Postings soll für die Fans planbar sein. Zum Beispiel: jeden Samstag um 10 Uhr kommt ein Video. Das Problem ist, einmal damit angefangen, müsst ihr diesen Rhythmus auch beibehalten. Freuen sich Fans auf neuen Content und stellen dann fest, dass Veröffentlichungszeitpunkte wiederholt ausgelassen werden, springen viele wieder ab.

Videoproduktion ist Arbeit. Überlegt euch, wie viel Zeit ihr darin investieren wollt. Lieber ein gutes Video pro Monat, ohne Stress schaffbar, als jede Woche mit Ach und Krach ein Video raushauen. Gerade wenn man mit Video Marketing beginnt, würde ich noch keine Regelmäßigkeit ankündigen. Dreht erst mal los, veröffentlicht wie es kommt. Habt ihr Spaß daran, kann man jederzeit auf einen festen Rhythmus wechseln.
Playlists, die Themen bündeln und Infokarten, die auf ähnliche Videos verlinken, halten Zuschauer auf dem Kanal. Nutzt diese Tools!

6. «Bespielt unterschiedliche Plattformen unterschiedlich»

Es gibt zahlreiche Orte, an denen ihr Videos veröffentlichen könnt. Die drei wichtigsten sind meiner Meinung nach Facebook, YouTube und Instagram. Deshalb würde ich diese Plattformen bespielen. Jede funktioniert anders. Passt eure Inhalte an.

  • Instagram ist die schnellste Plattform. Videos sollten sehr kurz und monothematisch sein. Kommt zügig zur Kernaussage. Perfektion ist nicht so wichtig.
  • Bei Facebook darf es etwas ausführlicher sein (länger als eine Minute). Interessant können bezahlte Postings sein. Ihr spielt ein Konzert in einer Stadt, in der noch nicht so viele Fans existieren? Warum nicht mal 20 Euro investieren und  Bewohner aus dieser Stadt bewerben. Facebook bietet zahlreiche Möglichkeiten für zielgerichtete Werbung.
  • Auf Youtube verbringendie Nutzer bewusst Zeit, um Videos zu konsumieren. Die Aufmerksamkeitsspanne ist länger, komplexere Inhalte können transportiert werden. Die Ansprüche an Bild und Tonqualität sind dort aber auch am höchsten. Die eigene Website kann ebenfalls Videoinhalte enthalten. Hier habt ihr die volle Aufmerksamkeit eurer Zuschauer.

7. «Zubehör macht euch die Arbeit leichter»

Oft unterschätzt: Kleinigkeiten können euren Workflow massiv beschleunigen. Was bremst die meisten Drehs aus? Leere Batterien und volle Speicherkarten! Sorgt dafür, dass euch eure Ressourcen nicht ausgehen. Einen Dreh zu unterbrechen ist nervig und raubt allen Beteiligten die Spontaneität und Kreativität. Packt alles Videoequipment in eine Tasche oder einen Fotorucksack, dann müsst ihr nicht jedes Mal alles nötige Equipment zusammensuchen.

Viele weitere Tipps und Tricks zum Thema Band Equipment und was es beim Soundcheck zu beachten gibt, findet ihr hier.