Tobias Felbermayr im Interview

Warum der Kabelhersteller Cordial die Road Serie entwickelt hat und worauf es bei Kabeln wirklich ankommt. Wir haben mit dem Verkaufs- und Vertriebsleiter von Cordial gesprochen.

SOUNDCHECK: Was war bei der Entwicklung der Road Serie wichtig? Wie müssen diese Kabel im Tour-Alltag beschaffen sein?
Tobias Felbermayr: Bei der Entwicklung war es uns wichtig, auf die Widerstandsfähigkeit der Kabel zu achten sowie auf einen exzellenten Klang. Die Cordial Road Serie ist mit einer speziellen, besonders kerbfesten Mantelmischung ausgestattet und überlebt auch den härtesten Bühneneinsatz. Zuverlässigkeit ist der wichtigste Faktor beim Kabel. Mit dem maximalen Kupferanteil von 0,75 mm² erreichen wir eine verlustfreie und originalgetreue Übertragung, bei nach wie vor guter Flexibilität und Wickelbarkeit.

Ist die Flexibilität eines Kabels immer mit Klangeinbußen verbunden?
Wenn man ganz genau sein soll, ja. Um mehr Flexibilität zu erreichen, kann man das Mantelmaterial, die Schirmung oder den Leiteraufbau verändern. Ein massiver Kupferleiter leitet besser als mehrere kleine Kupferfäden, die in Summe dieselbe Dicke haben. Allerdings ist ein Massivleiter auch sehr starr und neigt dazu, bei häufiger Bewegung zu brechen. Daher eignen sich Massivleiter nicht für den Live-Einsatz auch wenn sie - ein wenig - besser leiten. Man geht also immer einen Kompromiss zwischen Flexibilität und Leitfähigkeit ein, den man allerdings in der Liveumgebung so gut wie nicht hörbar erkennen kann.

Ab welcher Länge empfiehlt sich eine DI Box und warum (Szenario Akustik-Gitarre direkt ins Pult)?
Das lässt sich pauschal nicht so beantworten, weil es immer auf die Situation sowie das verwendete Kabel ankommt. Wir bieten unsymmetrische Kabel meistens bis 9 m an und alles was darüber hinausgeht, sollte mit Hilfe einer DI Box gelöst werden. Grundsätzlich reduzieren durch eine DI Box symmetrierte Signale Einstreuungen und Störgeräusche. Wenn man oft längere Kabel verlegt, empfiehlt sich eine DI-Box mit galvanischer Trennung und einem Ground-Lift-Schalter. Das ist in Verbindung zur Symmetrierung ein Garant für Signale ohne Brummschleifen oder Störgeräusche.

Warum gibt es überhaupt Klinke UND XLR und nicht nur symmetrische Verbindungen?
Unsymmetrische Ausgänge findet man vor allem an semiprofessionellen Audiogeräten, wie zum Beispiel CD-Spielern, HiFi-Verstärkern und so weiter. Auch bei vielen Instrumenten wie dem Großteil von Gitarren, Bässen finden sich unsymmetrische Ausgänge. Grundsätzlich wäre es natürlich besser, alle Signale symmetrisch zu übertragen, aber das wird häufig durch die Bauweise der Klangquelle beeinflusst. Meistens werden für Instrumente auch keine langen Kabelwege benötigt, da eine Gitarre im Amp steckt und ein CD-Player nahe am Mixer. Sollte man doch einmal einen längeren Weg zurücklegen müssen, kommt die vorher bereits erwähnte DI-Box zum Einsatz.

Was haben Billigkabel für Nachteile?
"Billigkabel" ist natürlich Definitionssache, aber es gibt viele Nachteile bei Kabeln mit minderwertigen Rohstoffen beziehungsweise schlechter Konstruktion. Von innen nach außen gesprochen würde sich zu wenig oder unreines Kupfer (oder andere schlechter leitende Metalle) direkt auf den Klang auswirken und zum Beispiel die Höhen bedämpfen. Eine schlechte Schirmung des Innenleiters kann Störgeräusche, Trittschall, Über-Nebensprechen oder andere Einstreuungen verursachen. Ein zu dünnes oder poröses Mantelmaterial kann die darunterliegenden Adern freilegen und schlimmstenfalls Stromschläge, zum Beispiel bei Lautsprecherkabeln hervorrufen. Zuletzt können schlecht gelötete Stecker beziehungsweise minderwertige Stecker zu Ausfällen führen. Hier gilt der Grundsatz „wer billig kauft, kauft zweimal (oder öfter)“.

Wie kann man Kabel am besten auf der Bühne auseinanderhalten?
Dies könnt ihr beispielsweise durch verschiedene Farben erreichen. Wir bieten bei vielen Kabeln eine Vielzahl an Farbvarianten an, um eine Differenzierung leichter zu gestalten - neben dem Designaspekt. Auf der Bühne will man natürlich nicht immer lauter bunte Kabel sehen, daher haben wir an vielen unserer Kabel einen ungeschrumpften Schrumpfschlauch als Goodie beigelegt. So kann man beispielsweise seinen Namen auf ein kleines Stück Papier schreiben, in den Schrumpfschlauch legen und mit Hilfe eines Heißluftföhns oder (bitte mit Vorsicht) eines Feuerzeugs zieht sich der Schrumpfschlauch zusammen. Somit hat man sein Kabel markiert. Eine weitere Verwendung, die man in der Praxis oft sieht, sind verschiedenfarbige Klebeband (Gaffa-Tape) Streifen, allerdings hinterlassen diese oftmals Kleberückstände auf dem Kabel.

Sind pro Meter mehrere 100 Euro-Kabel aus dem Hi End Bereich Ihr Geld wert?
Es gibt viele, wie ich sie nenne "Voodoo-Produkte", die teilweise "kosmische Strahlung" herausfiltern sollen und dergleichen. Bei Cordial beziehen wir uns ausschließlich auf die Gesetze der Physik und sind davon überzeugt, unseren Kunden einen authentischen Klang ihres Instruments oder ihrer Quelle zu fairen Preisen anbieten zu können. Oftmals lohnt sich ein direkter Klangvergleich und die Frage, ob sich 200 Euro lohnt für ein Kabel, das ähnlich klingt wie eines für 50 Euro.

Was sind die typischen Anfängerfehler beim Umgang mit Kabeln einer jungen Band im Proberaum?
Uns ist bewusst, dass Kabel vielen Belastungen ausgesetzt sind und dafür haben wir sie auch entwickelt. Man muss also schon sehr fahrlässig sein, um diese wirklich zu beschädigen. Allerdings gibt es ein paar Regeln, die bei Einhaltung dazu führen, dass man länger was von seinem Kabel hat. Man sollte erstens auf die richtige Wickeltechnik achten, sprich immer in Schleifen in der Hand wickeln, nicht über den Ellbogen. Die Lagerung der Kabel sollte an einem möglichst trockenen und vor Sonneneinstrahlung geschützten Ort erfolgen, um vor Oxidation oder porösem Mantel zu schützen. Ein bewusster Umgang mit dem Kabel verlängert die Lebensspanne des Produktes und außerdem schadet es nicht, an das Bauteil zu denken, das dafür sorgt den Klang zu übertragen.

In unserem Kabel-Special geben wir acht Tipps, wie ihr lange Freude mit euren Kabeln habt.