Test: Schlank mit fülligem Klang

Das neue, aktive Säulen-PA-System „Evolve 50“ von Electro-Voice entspricht dem aktuellen Stand der Technik und es lassen sich sogar bis zu sechs Systeme gleichzeitig via Bluetooth und iOS/Android-App fernsteuern und überwachen. Welche Vorteile das System sonst noch bietet und wie es sich in der Praxis bewährt, lest ihr in unserem ausführlichen Testbericht.

Mit dem Evolve-50-System bietet nun auch der renommierte Lautsprecherhersteller Electro-Voice ein aktives Säulen-PA-System an, das technologisch auf dem neuesten Stand ist und alle Ausstattungsmerkmale mitbringt, die man sich nur wünschen kann: 1.000 Watt Verstärkerleistung, integrierter High-Quality-Bluetooth-Empfänger für das kabellose Streaming, einen mit 12 Zoll für Kompaktsysteme großen Bass-Lautsprecher und dadurch einen weit herunter reichenden Frequenzgang. Das Sahnehäubchen bietet die Möglichkeit, bis zu sechs Systeme gleichzeitig mit einer App zu überwachen und zu steuern. In unserem ausführlichen Praxistest haben wir das Evolve-50-System auf Herz und Nieren geprüft und das Testergebnis für euch nachfolgend zusammengefasst.

Plug & Play

Bereits beim Auspacken des Evolve-50-Systems von Electro-Voice wurden wir angenehm überrascht. Das Gewicht der einzelnen Komponenten hielt sich absolut im Rahmen und bequeme, gut positionierte Griffe erlaubten ein problemloses Handling. Erfreulich ist auch, dass Electro-Voice für die Topteile und die Distanzstangen gleich eine gepolsterte Kunststoff-Tragetasche mitliefert, in der die beiden Teile, durch eine Zwischenwand getrennt, verstaut werden können. Praktisch, so dürfte sicher gestellt sein, dass sie sich nicht gegenseitig beim Transport verkratzen. Die Tragetasche lässt sich über die Schulter hängen, sodass man die Hände für die Subwoofer-Einheit frei hat und so eine komplette Säule mit einem Gang transportieren kann. Auch das Aufstellen des Systems ist denkbar einfach. Lediglich für den Anschluss des Subwoofers an das Stromnetz wird ein mitgeliefertes Netzkabel benötigt, ansonsten erfolgt die Montage vollkommen ohne Kabel! Die Distanzstange hat an beiden Enden Kontakte und wird mit einem Ende in die dafür vorgesehene Aussparung in der Oberseite des Subwoofers gesteckt. Die Topteile werden dann von oben auf die Distanzstangen aufgesetzt. Da beide Enden der Distanzstange gleich sind und das Profil der Stange ein Verdrehen verhindert, kann man bei der Montage nichts falsch machen. Aufgrund der geringen Toleranzen bei den Aufnahmen der Distanzstange, macht die so zusammengesteckte Säule einen durchweg stabilen und robusten Eindruck. Inklusive Auspackzeit haben wir beide Säulen unseres Testsystems in weniger als fünf Minuten aufgebaut und an das Stromnetz angeschlossen. Schneller geht es wirklich nicht!

Innovatives Innenleben

Das Herzstück des ganzen Systems ist die Subwoofer-Einheit, deren stabiles und resonanzarmes Bass-Reflex-Gehäuse aus 15 mm starken Multiplex-Holzplatten gefertigt ist und die neben der gesamten Elektronik auch einen mit 12" gut dimensionierten Tiefton-Lautsprecher enthält. Dieser wird von einem eigenen 500 Watt starken Verstärkerkanal angetrieben und reproduziert alle Frequenzen unterhalb der Trennfrequenz von 200 Hz. Der zweite, ebenfalls 500 Watt starke Kanal des Class-D-Verstärkers betreibt das Topteil, in dem acht 3,5"-große Neodym-Fullrange-Lautsprecher eingebaut sind. Wie bei großen Line-Array-Systemen üblich, sind einige Lautsprecher in einem anderen Winkel ausgerichtet, um so den vertikalen Abstrahlwinkel zu vergrößern und auch das nahe vor den Lautsprechern sitzende Publikum optimal zu beschallen. Die Lautsprecherfronten des Subwoofers und des Topteils werden durch ein edel wirkendes, robustes, schwarz beschichtetes Stahllochblech vor mechanischen Schäden geschützt. Electro Voice hat hier keine Kosten gescheut und die höherwertigen Neodym-Lautsprecher den normalen Ferrit-Lautsprechern vorgezogen. Neodym-Magnete erreichen bei geringerem Gewicht eine bessere Magnetleistung als das bisher verwendete Ferrit. Auch bei den Distanzstangen hat Electro-Voice durch den Einsatz von Aluminiumprofilen statt Stahlstangen erheblich Gewicht einsparen können, was sich beim Transport der Anlage angenehm bemerkbar macht. Zusammen mit der ausgefeilten DSP-Steuerung des Verstärkers, auf die wir noch genauer eingehen werden, hat Electro Voice mit dem Evolve-50-System wirklich das technisch Machbare ausgereizt!

Der flexible Mixer

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Subwoofers. Integriert in die Kaltgerätebuchse zum Anschluss des Netzkabels finden wir, von außen gut zugänglich, die Hauptsicherung des Systems, die sich auf diese Weise im Schadensfall schnell und ohne besondere Werkzeuge austauschen lässt. Über den direkt daneben liegenden Netzschalter lässt sich das gesamte System ein- und ausschalten. Weiter oben liegt das Anschlusspanel mit dem beleuchteten, gut lesbaren Display des dreikanaligen, flexiblen Mixers, der für fast alle Zusatzgeräte die jeweils geeigneten Anschlussbuchsen zur Verfügung stellt. Im Einzelnen sind dies von links nach rechts zunächst die beiden XLR-Ausgänge „Mix“ und „Thru“. Der „Mix“-Ausgang liefert den über die Lautstärkeregler der einzelnen Kanäle 1 bis 3 erstellten Mix als symmetrisches Signal zur Weiterleitung an einen weiteren, aktiven Lautsprecher oder zur Aufnahme des Mixsignals auf einem Recorder. Während der „Mix“-Ausgang das Signal aller drei Kanäle führt (L+R oder nur R, abhängig von der entsprechenden DSP-Einstellung), liegt am „Thru“-Ausgang nur das unbearbeitete Eingangssignal des Kanals 1 an, um dieses z.B. an eine zusätzliche, aktive Monitorbox zu senden. Rechts vom „Thru“-Ausgang liegen die XLR-/6,3-mm-Klinkekombibuchsen der beiden klassischen Mono-Kanäle 1 und 2, an die z.B. ein symmetrisches Mikrofon- oder Line-Level-Signal (TRS) angeschlossen werden kann. Jeder der beiden Mono-Kanäle hat seinen eigenen Lautstärkeregler zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit direkt über der dazugehörigen Eingangsbuchse. Rechts von Kanal 1 und 2 finden wir die verschiedenen Eingangsbuchsen für den Stereo-Kanal 3, die jeweils als Stereo-Eingangs-Paar alternativ zur Verfügung stehen. Dies sind zwei RCA-Buchsen, eine 3,5-mm-Stereo-Mini-Klinkenbuchse oder der High-Quality-Bluetooth-Empfänger zum kabellosen Streamen von Musik, z.B. vom Handy, Tablet oder MP3-Player. Auch dieser Stereo-Kanal hat seinen Lautstärkeregler, allerdings nur einen Regler für beide Stereo-Kanäle. Abschließend finden wir links oben im Anschlussfeld das beleuchtete und auch im Dunkeln gut lesbare Display und den „Master-Volume-Regler“, mit dem man die Gesamtlautstärke des Evolve-50-Systems einstellen und sich durch zusätzliches Drücken des Reglers auch durch das umfangreiche DSP-Menü bewegen kann. Diese Ein-Knopf-Bedienung der DSP-Steuerung lässt sich leicht und intuitiv erlernen und ermöglicht viele zusätzliche Einstell- und Regelmöglichkeiten für die Systemeinstellung.

Ein-Knopf-Bedienung

Neben der oben beschriebenen Regelung der Lautstärken je Eingang und dem daraus resultierenden Master-Mix bietet das DSP-Menü noch weitergehende Klang- und System-Einstellungen. Eine zentrale Rolle dabei spielt das LC-Display, das im Normalstatus die Aussteuerung der Eingänge als Balkendiagramm, den Verbindungsstatus der Control-App und des Bluetooth-Empfängers sowie den Speicherstatus und die Preset-Nummer des gegenwärtigen Presets anzeigt. Darüber hinaus warnt das Display bei Übersteuerung durch die Meldungen „Clip“, wenn das an den Lautsprecher geschickte Signal zu laut ist, und „Limit“, wenn der integrierte Limiter das Signal dämpft, um den Lautsprecher zu schützen. Wird die Meldung „Limit“ klein angezeigt, arbeitet der Limiter im Normalbereich, wobei das Signal ohne hörbare Verzerrungen bleibt und ein Eingreifen nicht erforderlich ist. Wird „Limit“ groß angezeigt, sollte unbedingt die Lautstärke am entsprechenden Eingang oder dem Master reduziert werden. Um zu den weiteren DSP-Menü-Optionen zu gelangen, bedient man sich des Master-Volume-Reglers: Ein Drücken des Reglers entspricht der Anwahl eines Menü-Punktes bzw. dessen Bestätigung und durch ein Drehen des Reglers bewegt man sich sequentiell durch die möglichen Optionen. 

 

  • Mode – MUSIC, LIVE, SPEECH, CLUB – Anwahl des gewünschten EQ-Modes, in dem das System arbeiten soll.
  • Sub Level – 0 (Default) Mute bis +10 dB – Lautstärkeeinstellung des Subwoofers
  • Treble – 0 (Default) -12 dB bis +6 dB – Absenkung bzw. Anhebung der Höhen
  • Mid – 0 (Default) -12 dB bis +6 dB – Absenkung bzw. Anhebung der Mitten
  • Mid Freq – 1.200 Hz (Default) 200 Hz bis 12.000 Hz – Wahl der Mittenfrequenz
  • Bass – 0 (Default) -12 dB bis +6 dB – Absenkung bzw. Anhebung der Bässe
  • Phantom 1 – Off (Default) oder On – Aktivierung Phantomspeisung für Eingang 1
  • Phantom 2 – Off (Default) oder On – Aktivierung Phantomspeisung für Eingang 2
  • Mix Out – L+R (Default) oder R – Wahl des Signals für Ausgang „Mix Out“
  • Delay – Feet oder Meter, 0.1 bis 100 – Einstellung Pre-Delay bei Delay-Lines
  • Recall – 1, 2, 3, 4, 5, Exit – Laden des Presets Nummer 1 bis 5
  • Bluetooth – Controll App oder Streaming – Off (Default) Status des Bluetooth-Empfängers

Nach Anwahl der Option „Exit“ oder nach zwei Minuten kehrt das System wieder auf den Ausgangsbildschirm zurück. Auch wenn nicht wirklich nötig, da selbsterklärend, so wird das System doch mit einer ausführlichen, sehr gut bebilderten und sauber gedruckten Bedienungsanleitung ausgeliefert. Zusätzlich gibt es diese noch als PDF-Dokument im Internet zum Download.

QuickSmart Mobile App

Die Electro-Voice QuickSmart Mobile App, auch kurz Control App genannt, gibt es sowohl für iOS, als auch für Android. Mit ihr kann man bis zu sechs Evolve-50-Systeme kontrollieren und steuern. Einmal hergestellt, ist die über Bluetooth laufende Verbindung stabil und hat während des Tests keine Probleme verursacht. Im Gegenteil, sich während der Einstellungen frei im Raum bewegen zu können, macht die Einstellprozedur wesentlich einfacher und schneller.

Testergebnis und Zusammenfassung

Während unseres Praxistest haben wir das System in allen erdenklichen Situationen geprüft. So haben wir z.B. als Pausenmusik oder bei Verwendung des Systems zur Beschallung im Partykeller Musik von unserem iPhone via Bluetooth gestreamt. Das Pairing verlief absolut problemlos und die Musikqualität des gestreamten Programms war einwandfrei. In unserem zweiten Testsetup als Solo-Künstler haben wir ein Mikrofon an Eingang 1, die Gitarre an Eingang 2 und das Keyboard in Stereo an Eingang 3 angeschlossen und den rechten Kanal über ein zweites System wiedergegeben. Der Gesamtklang des Systems war unglaublich kraftvoll und natürlich! Aufgrund des großen Abstrahlwinkels änderte sich die Klangqualität auch nicht merklich, wenn man sich im Raum bewegte. Gleich ob Gesang oder Sprache übertragen wurde, die Sprachverständlichkeit war hervorragend. Insbesondere der schwierige Mittenbereich wurde sehr gut aufgelöst und klang sehr offen. Dieser offene Klang ist eben nur mit Lautsprechern ohne Hornvorsatz zu erreichen. Praktisch sind auch die schnell über die DSP-Steuerung anwählbaren Modi (Music, Live, Speech und Club), die bestimmten EQ-Presets entsprechen und mit deren Hilfe man nochmals, abhängig vom Programm und dem Einsatz, das System klanglich optimieren kann. Gleich ob das Evolve-50-System im privaten oder im professionellen Bereich eingesetzt wird, es wird den Anforderungen in jedem Fall gerecht! Die 1.000 Watt Audio-Leistung bieten genügend Leistungsreserven, um es auch mal richtig laut werden zu lassen. Mit diesem System macht Electro-Voice dem Namen wieder mal alle Ehre und bleibt seinen hohen Qualitätsansprüchen treu.