Test: IMG Stageline ECMS-60

Wir haben das Großmembran-Kondensatormikrofon auf Herz und Nierencharakteristik überprüft.

Erster Eindruck

Das ECMS-60 ist mit einer Größe von 130 Millimeter bei einem Durchmesser von 50 ­Millimeter der kleine Bruder aller ­anderen Modelle der Serie. Dennoch sind Design und Verarbeitung auf profes­sionellem Niveau, womit das ­Mikrofon bei pfleglicher Behandlung dem Nutzer sicherlich viele Jahre zur Seite stehen wird.

Praktisches Leichtgewicht

Beim ECMS-60 handelt es sich wie bei den restlichen Modellen aus der Serie um ein Großmembran-Kondensatormikrofon. Dieser Mikrofon-Typ eignet sich besonders für profes­sionelle und hochwertig klingende Sprachaufnahmen. Zum Schutz vor Staub und Schmutz befindet sich im Lieferumfang eine Ledertasche. Für die Montage am Stativ liegt zudem eine Klammer bei. Dank des geringen ­Gewichts von 290 Gramm ist es gar kein Problem, den Stativarm etwas weiter auszufahren, ohne dass dieser aufgrund des Gewichts nach unten ­absackt. Besonders erfreulich bei der Klammer ist die Möglichkeit der vertikalen, als auch der horizontalen ­Neigung. Normale Mikrofonklammern lassen dies nicht zu, wodurch man ­allzu oft genötigt ist, das Stativ zu ­bewegen. An dieser Stelle wurde ­mitgedacht – Daumen hoch!

Die inneren Werte

Unser Testobjekt arbeitet wie ein Großteil­ aller Mikrofone mit der Nieren-­richtcharakteristik. Diese Eigenschaft wirkt sich vorteilhaft aus, wenn es ­darum geht, Schallquellen hinter dem Mikrofon so weit wie möglich auszublenden. Das kann im Home-Studio beispielsweise der Lüfter des Computers­ sein oder Lärm von draußen, der sich trotz geschlossenen Fensters Zutritt zum Aufnahmeraum verschafft. Zudem sorgt die Richtcharakteristik natürlich auch dafür, dass andere ­Instrumente in der unmittelbaren ­Nähe, wie zum Beispiel Hi-Hat und Snare, nicht sehr übersprechen.

 

Das Mikrofon selbst hat keine weiteren Features, was nicht unbedingt einen Nachteil darstellt. Somit steckt mehr Entwicklungsarbeit in der Haupt-­Funktion selbst – einer guten Schallwandlung. Teure Studio-Mikrofone ­bieten Features wie Low-Cut, PAD und teilweise auch umschaltbare Richt­charakteristik. Zumindest ein PAD-Schalter zur Absenkung des Eingangssignals wäre auch beim ECMS-60 wünschens­wert.

Frequenzgang und Klangeigenschaften

Die Aufnahmen, die ich mit meiner Stimme gemacht habe, gefielen mir besonders gut. Ohne zu dick aufzutragen konnte ich ein warmes, rund klingendes Auf­nahmen mit durchsetzungsfähigen oberen Mitten und Brillanz in den Höhen ver­nehmen. Beim Blick auf das Frequenz­diagramm des ECMS-60 wird dieser Eindruck in der Tat anhand des ­Frequenzverlaufs bestätigt. Ab etwa fünf Kilohertz weist das Mikrofon mehrere deutliche Anhebungen auf, die ­jedoch nicht zu aufdringlich wirken.

 

 

Mikrofon pur

Die angesprochene Brillanz kommt in den ­Höhen, in unserem Fall bei etwa zwölf Kilohertz zustande. Dezente ­An­hebungen in diesem Bereich lassen Auf­nahmen besonders hochwertig klingen.­ Besonders schön wirkt sich bei Vocal-Aufnahmen natürlich der Nahbesprechungs-Effekt aus. Der Test mit einer an sich hervorragend klingenden Western-Gitarre hat mich weniger überzeugt. Das hat zwei Gründe: Zum einem entsteht der Klang einer Gitarre nicht nur vor dem Schallloch oder am Hals, sondern an jedem denkbaren Punkt des Instrumentes, wovon er sich im gesamten Raum ausbreitet. Mit einem einzigen Mikrofon hat man also oftmals weniger gute Karten, den Klang originalgetreu einzufangen, was uns zum zweiten Punkt führt: Instrumente, die mit Stereofonie, also mit zwei aufeinander abge­stimmten Mikros aufgenommen werden, klingen offener und lebendiger. Zudem entsprechen derartige Aufnahmeverfahren auch eher der menschlichen Hörerfahrung. 

Was bei lauter Musik weniger ­kritisch ist, kann bei dynamischen Aufnahmen in der Tat zum Problem werden – das Eigenrauschen, beziehungsweise der Signal-Rauschabstand. Je geringer der Wert, umso ­besser. Unser Testobjekt muss sich mit einem Wert von circa 70 dB nicht ­verstecken und lässt auch die rauscharme Aufnahme von leiseren Schallquellen zu.

Variable Einsatzbereiche

Großmembran-Kondensatormikrofone lassen sich für fast alle denkbaren Zwecke einsetzen. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch, sondern nur persönlichen Geschmack. Eines ist klar: Großmembraner neigen zu einem vollen und weichen Klang, der vor allem Solisten schmeichelt, während Klein­membraner die Dinge etwas realistischer und ­neutraler darstellen.

Wir lernen daraus, dass es auch beim ECMS-60 kaum eine Rolle spielt, ob damit im Studio oder auf der Bühne gearbeitet wird. Mit dem richtig ausgewählten Zubehör lässt sich das ­Mikrofon an jedem Instrument platzieren oder – wie bereits angesprochen – ganz klassisch für Vocal-Aufnahmen verwenden.

Mit dem ECMS-60 erhält man ein preiswertes, gutes Studio-Mikrofon samt Zubehör, das ihr natürlich nach Belieben auch auf der Bühne ­benutzen könnt. Positiv sind die gute Verar­beitung, sowie die absolut zufriedenstellende Klangqualität und das ­geringe Eigenrauschen aufgefallen. 

Pros/Contras

+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ guter Klang
+ praktische Mikrofon-Klemme
-  keine weiteren Features

Technische Daten

  • Charakteristik: Niere
  • Frequenzbereich: 20 – 20000 Hz
  • Signal-Rauschabstand: >70 dB
  • max. Schalldruck: 125 dB
  • Anschluss: XLR
  • Abmessungen: Ø 50 mm x 130 mm
  • Gewicht: 290 g

Vertrieb:    Monacor International, www.img-stagline.de
Preis (UVP): 109,90 EUR