Story: Unheilig

Im Sommer konnte man Unheilig anlässlich des Best-of-Albums Alles hat seine Zeit auf deutschen Bühnen live erleben. Bernd Michael Tombült, FOH-Mann des Grafen, gab uns Einblicke in die tontechnische Umsetzung der Tour ... Ausgabe 11/14

Unheilig sind eines dieser unberechenbaren Phänomene, die es in der Popmusik glücklicherweise doch immernoch gibt. Irgendwie passen der Graf, uneingeschränkter Bandleader von Unheilig, und seine Mitstreiter so gar nicht in eine Reihe mit Popstars wie Justin Bieber, David Guetta oder Cro. Trotzdem zählen sie zu den am besten verkaufenden Acts in Deutschland. Mehr als 1,5 Millionen Mal setzten Unheilig etwa ihr Album Große Freiheit ab. Damit lassen sie in der Liste der meistverkauften Longplayer aller Zeiten in Deutschland so große Namen wie Guns N Roses, Amy Winehouse und, ja, selbst Modern Talking klar hinter sich.

Vermutlich ist es auch ihre konsequent durchgehaltene Professionalität, die Unheilig letztlich solch enormen Erfolg beschert. Wir hatten Gelegenheit, uns hiervon in tontechnischer Hinsicht zu überzeugen. FOH-Mann Bernd Michael Tombült sprach mit uns vor dem Open-Air-Gig von Unheilig auf der Hamburger Trabrennbahn über Equipment, tontechnische Strategien und mehr.

 

SOUNDCHECK: Bernd, du bist schon länger mit Unheilig unterwegs, oder?

Bernd Michael Tombült: Jahre! Wir haben so um 2005 angefangen. Richtig groß auf Tour sind wir seit 2009/2010. Was wir momentan machen, ist sozusagen die Best-of-Phase vor der neuen Platte, die im nächsten Jahr kommen wird.

 

SC: Ich nehme an, auch in technischer Hinsicht hat sich bei euch einiges über die Jahre verändert …

BT: Ja, am Anfang waren wir ja nur in kleinen Clubs unterwegs. Da gab es nur analoges Equipment. Irgendwann kam dann der Switch auf eigene Pulte mit Outboard, was aber auch noch alles analog war. Zuerst haben wir schließlich den Monitorplatz digitalisiert, vor fünf Jahren kam dann auch der FOH-Platz an die Reihe. Und bei Digitalpulten gibt es ja ohnehin ständig Neuerungen und Erweiterungen. Soundcraft hat dieses Jahr mit dem Realtime-Rack eine Möglichkeit eingeführt, Plugins zu nutzen. Sonst wäre alternativ ein Apollo 16 von Universal Audio zum Einsatz gekommen. Das hätte ich aber als analoge Schnittstelle – 16 rein, 16 raus – umsetzen müssen. Mit dem Realtime Rack verfüge ich jetzt dagegen über ein komplett geschlossenes System. Das Gute ist, dass alles, was ich im Realtime Rack verändere, auch im Pult in der Szene gespeichert wird. Ansonsten müsste ich jeden Abend im Laptop und gleichzeitig im Pult einen Snapshot machen ...