Story: Seether

Sie zählen zu den langlebigsten Bands der Post-Grunge-Ära. Im Interview verrät Dale Stewart Interessantes über ihr aktuelles Album „Poison the Parish“, Label-Zwänge und den besten Bass der Welt.

Unter neuem Label und erstmals in Eigenregie produziertem Album meldeten sich im letzten Mai Seether zurück auf der Bildfläche. Wir haben im Zuge der aktuellen Tour mit Bassist und Gründungsmitglied Dale Stewart gesprochen.

Soundcheck: Dale, ihr kommt ursprünglich aus Südafrika, seid aber vor allem in den USA sehr bekannt und erfolgreich. Jetzt spielt ihr gerade in Europa. Fallen dir je nach Kontinent Unterschiede zwischen dem Publikum auf?

Dale Stewart: Ein bisschen. Aber am Ende sind sich alle Rockfans auf der Welt sehr ähnlich. Alle haben ein bisschen einen an der Waffel (lacht). Vielleicht sind die Fans hier in Europa noch ein wenig enthusiastischer. Das mag auch schlicht daran liegen, dass wir hier nicht so oft spielen können, wie wir es gern würden. Manchmal dauert es zwei Jahre, bis wir wieder in Europa spielen, dann sind die Fans natürlich aufgeregter. Mir ist außerdem aufgefallen, dass wir hier auch unsere weniger bekannten Stücke zum Besten geben können – und alle diese Songs kennen.

SC: Bereitest du dich eigentlich in besonderer Weise auf eure Shows vor? Hast du bestimmte Übungsroutinen oder Ähnliches?

Dale: Wir proben ja nicht wirklich. Dafür haben wir die Songs einfach schon zu oft gespielt. Es gibt vor der Show dann auch keine echten Rituale oder Warm-Ups. Ich genehmige mir aber gern so anderthalb Stunden vor dem Konzert den ersten Drink. Vielleicht höre ich dann auch noch ein bisschen Musik, um in Stimmung zu kommen. Man sitzt ja in der Regel vor dem Gig den ganzen Tag nur rum, macht nichts und ist faul. Man muss also sozusagen aufwachen, bevor die Show beginnt. Ein bisschen Whiskey und coole Musik sind dafür genau das Richtige. Näher kommen wir an eine Art von Pre-Show-Ritual nicht heran. 

SC: Vor, während und nach der Show folgen in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Stimmungen aufeinander – wie gehst du damit um? Ich stelle mir das nicht ganz einfach vor …

Dale: Richtig, das sind sehr unterschiedliche Gemütslagen. Mir gefällt das. Ich komme gern nach der Show runter. Das ist manchmal der beste Teil des Tages. Es macht Spaß, auf der Bühne zu stehen, wenn die Fans einen bejubeln und so weiter – das pumpt Adrenalin in den Kreislauf und ist wunderbar. Es ist aber auch sehr befriedigend, sich nach der Show backstage aufzuhalten und die Ruhe zu genießen. Man blickt auf die Show zurück und hat das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Vielleicht nicht, wenn es ein mieser Gig war. Aber wenn alles gepasst hat, bekommt man dieses sehr befriedigende Gefühl, sich irgendwie über den Dingen zu befinden. 

SC: Lass uns ein bisschen über dein Equipment sprechen – welche Bässe spielst du eigentlich zurzeit auf der Bühne?

Dale: Immer noch meinen Schecter Avenger. Ich finde es so cool, dass Schecter mir ein Signature-Modell gebaut hat. In Sachen Amps verlasse ich mich übrigens auf Geräte von Hartke – weil ich die umsonst bekomme (lacht).

SC: Was war dir an deinem Schecter wichtig?

Dale: Ich spiele ja schon seit Jahren Avengers. Leider hat Schecter vor Jahren aufgehört, diese Bässe zu bauen. Als ich einmal bei ihnen in der Fabrik zu Besuch war, sah ich aber noch einen Avenger herumstehen und sagte den Leuten dort, dass mir der Look von dem Teil gefiel und ich gerne so ein Modell spielen würde. Die haben mir dann den Bass gleich mitgegeben und meinten, wenn ich noch einen bräuchte, würden sie mir extra einen bauen. So war ich über Jahre der Einzige, der diese Bässe bekam und spielen konnte. Als wir dann über ein Signature-Modell sprachen, sagte ich: „Lass uns den Avenger zurückbringen!“ Und jetzt ist es halt so, dass du, wenn du einen Avenger willst, meinen Bass spielen musst. Das finde ich cool.

SC: Und was gefällt dir, abgesehen vom Look, an diesem Instrument?

Dale: Ich spiele den Avenger jetzt schon so lange, dass ich das Gefühl habe, dass sich mein Stil um diesen Bass herum entwickelt hat. Das ist ganz seltsam. Wenn ich jetzt einen Fender oder so in die Hand nehme, fühlt sich das komisch an. Ich kann gar nicht mehr wechseln. Ich weiß gar nicht genau, woran das liegt. Vielleicht an der Position der Pickups – an der Art, wie ich meinen Daumen auf den Pickup legen kann … Der Avenger ist auch ein sehr langer Bass. Mir gefällt außerdem die Dynamik, die dieses Instrument mit sich bringt. 

(...)

Interesse am vollständigen Beitrag? 

SOUNDCHECK-Ausgabe 02/2018 hier bestellen