Story: Drums of Slayer

Für Fans harter Musik sind Slayer schon seit Jahrzehnten Legende. Mit dem Album "Repentless" gelang den vier Kaliforniern auch in Deutschland der Sprung auf Platz 1 der offiziellen Charts. Wir haben Slayer-Drummer Paul Bostaph zu einem ausführlichen Interview getroffen.

Slayer verkaufen seit Jahrzehnten große Hallen aus und präsentieren sich zudem in schöner Regelmäßigkeit als zugkräftiger Headliner auf großen Sommerfestivals à la Wacken Open Air oder With Full Force. Für die notwendige Durchschlagskraft von unsterblichen Metal-Hymnen wie "Angel Of Death" oder "South Of Heaven" zeichnet schon seit Mitte der 1990er-Jahre immer wieder Paul Bostaph verantwortlich. Wir trafen den mittlerweile über 50-Jährigen, aber noch immer äußerst athletisch-agilen, knüppelharten Trommelmeister zum Interview anlässlich des Slayer-Gastspiels im Münchner Zenith im November des vergangenen Jahres.

SOUNDCHECK:
 Paul, was war für dich der Grund, Schlagzeug zu lernen und wie hat bei dir überhaupt alles angefangen?

Paul Bostaph: Ich denke, als ich das erste mal einen Rock 'n' Roll-Song im Radio hörte, liebte ich sofort den Sound und mein allererstes Konzert sah ich dann im TV. Es war ein Rod-Stewart-Konzert und ich war schwer beeindruckt und beobachtete vor allem den Drummer, das war damals Carmine Appice. Er wirbelte seine Sticks umher und spielte großartige Grooves. Wenn der Schlagzeuger versagt, dann driftet die ganze Band ins Chaos ab und in dem Moment, als ich diese Show im Fernsehen sah, realisierte ich bereits, dass ich diese Verantwortung irgendwann auch übernehmen wollte. Ab diesem Moment wusste ich, dass ich Schlagzeuger werden wollte. Allerdings war ich zunächst noch Bassist.

Was war denn dein allererstes Schlagzeug?

Ich weiß die Marke nicht mehr genau, aber ich glaube, es war ein Stewart-Set. Es war nur ein Basic-Kit, eine Kickdrum mit Single-Pedal, zwei Racktoms, Snare und Hi-Hat. Ich spielte auf diesem Set fast zwei Jahre lang. Es war blau und später ergänzte ich das Set noch durch eine rote Bassdrum und zwei weitere Toms zu einem großen Schlagzeug mit zwei Kick Drums.

Und deine erste Band?

Das war in der Highschool. Einer meiner Kumpels hatte eine Band und als er herausfand, dass ich ein Drumset hatte, sagte er mir, ich sei der neue Drummer. Am nächsten Tag war ich in der Band. Wir spielten Classic Rock, Metal begann damals gerade erst zu florieren.

Wann gings los mit deiner ersten Metal Band? War das mit Forbidden?

Ja, meine erste Metal Band war Forbidden.

Das war damals ja eine ganz neue Schiene. Wie wusstest du, was man als Drummer einer Thrash Metal Band zu spielen hatte?

Ich wusste es nicht. Ich spielte damals eher Heavy Metal, ich mochte zwar Thrash Metal, aber keiner der Jungs mit denen ich damals spielte, wollte Thrash Metal spielen. Es gab in der noch jungen Szene allerdings eine rege Jam- und Party-Kultur und auf diese Weise ergaben sich immer wieder Jam Sessions, mit zum Beispiel den Jungs von Forbidden, und irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mitspielen wolle. Ich sagte zu und lernte die Songs, musste aber zunächst noch sechs oder sieben Monate üben, bis ich das wirklich drauf hatte. Es war ja alles anders, schon allein das Tempo war höher. Ich musste es einfach erst lernen.

Wann war dann dein erster Gig? Oder hattest du schon vor Forbidden erste Live-Erfahrungen?

Die ersten Gigs waren auf sogenannten Caker-Partys (Anmerkung der Redaktion: Caker-Partys sind private Partys, bei denen Alkohol oft in Form von Kuchen konsumiert wird, da in den USA der Genuss von Alkohol erst ab 21 Jahren erlaubt ist. Statt illegal zu trinken wird alkoholhaltiger Kuchen konsumiert ). Mit meiner ersten Band spielten wir oft im Wohnzimmer bei solchen Partys, das waren dann natürlich richtige "In your Face"- Gigs mit sehr direktem Publikumskontakt.

Wie lief deine allererste Recording-Session ab?

Das war in meiner College-Zeit, mit der Band von ein paar Kumpels, wir hatten gar keinen Namen und nahmen ein Demo auf, das aber nicht wirklich gut war. Es war aber sogar ein 24-Spur-Demo. Ich erinnere mich, dass ich damals einen Fulltime-Job hatte und wir daher nachts aufnehmen mussten. Wir recordeten die ganze Nacht und danach gings direkt wieder in die Arbeit, ich schlief drei oder vier Tage lang fast gar nicht.

Wie lief das damals ab mit den Recordings? Man konnte ja in analogen Studios die Songs nicht so einfach zusammenstückeln, wie das heute möglich ist. Musstest du damals immer ganze Tracks am Stück einspielen?

Ja, damals war das so, bei unserem ersten Demo gabs kein Cutting, da musstest du tatsächlich einfach den ganzen Song durchspielen. Das war aber auch cool, denn wenn ich mir heute zum Beispiel das erste Forbidden-Album anhöre – das war wirklich keine perfekte Platte, bei weitem nicht! Teilweise ändert sich das Tempo sogar während der einzelnen Songs. Zum Beispiel habe ich einzelne Riffs die ich besonders mochte, deutlich schneller gespielt und auch wenn ich das heute teilweise anders machen würde, so freue ich mich nach wie vor und immer wieder über die Lebendigkeit und Ehrlichkeit dieser alten Aufnahmen.  

Das ganze Interview gibt es hier!