Story: Bela B

Bela B reitet auf der Retro-Welle. Wir haben uns in Hamburg angeschaut, ob der Ärzte-Drummer sich auch in Sachen Equipment in Richtung gute alte Zeit orientieren ... Ausgabe 08/2014

Retro und kein Ende: Anfang des 21. Jahrhunderts beschwor man Musik und Mode der 1980er herauf, zu Beginn des selbigen Jahrzehnts feierte die Schmalztolle ein Comeback und Rockabilly-Bands wie die Stray Cats konnten internationale Erfolge feiern – und so dreht sich die Pop-Geschichte munter im Kreis. Einen Hang zum Retro-Kult hat auch Dirk Felsenheimer, alias Bela B. Auf seinem dritten Soloalbum „Bye“ verabschiedet sich der Ärzte-Schlagzeuger und -Sänger in die 50er und 60er Jahre, um sich als wiedergeborener Elvis beziehungsweise Johnny Cash zu inszenieren. Natürlich nicht ohne das Ganze dann wieder ironisch zu brechen. So werden im Video zur Single „Abserviert“ Kühe anstelle von Pferden als Fortbewegungsmittel genutzt.

Konsequenterweise holte Bela sich für sein Album „Bye“ die deutsche Country-Combo Smokestack Lightnin‘ ins Studio. Und auch auf der aktuellen „Bye now!“-Tour ist diese Band mit von der Partie. Vervollständigt wird das Line-up schließlich durch Sängerin Peta Devlin. Die Backline-Techniker Jörg Schmitt und Mark Duwensee sowie FOH-Engineer Elmar Packwitz gewährten uns vor Belas Hamburger Zusatzkonzert in der „Fabrik“ einen Blick hinter die Kulissen.

Das – neben den Outfits der Musiker – optisch auffälligste Retromerkmal der „Bye now!“-Shows dürfte sicherlich der amerikanische Kay-Kontrabass von 1938 sein, den Smokestack-Lightnin‘-Bassist Bernie Batke mit auf Tour genommen hat. Wie viele Kay-Bässe, die man heute noch in Deutschland findet, kam das Instrument nach dem Krieg mit der amerikanischen Armee nach Deutschland und wurde zunächst von Militärkapellen genutzt. Batke kennt die besonderen Anforderungen, die dieser Bass mit sich bringt: „Ich habe mein Leben lang Darmsaiten gespielt, wegen des warmen Sounds“, sagt er. „Die sind aber natürlich ziemlich unpräzise, sehr schwammig halt. Deswegen spiele ich hier mit Stahl umwickelte Darmseiten, was so ziemlich das teuerste ist, was man kaufen kann. Dafür hat man dann aber die Präzision einer Stahlsaite und gleichzeitig die Wärme einer Darmsaite.“ ...

 


Foto: Konstanze Habermann