Story: Audrey Horne

Audrey Horne besitzen auch außerhalb ihres Heimatlands Norwegen eine stattliche Fangemeinde. Im SOUNDCHECK-Interview sprechen Torkjell „Toschie“ Rød (Gesang) und Thomas Tofthagen (Gitarre) übers Live-Spielen, Equipment und die richtigen Gründe, eine Karriere im Musikgeschäft zu starten.

Antreibende Riffs, reichlich Twin-Guitar-Momente und Melodien, die super eingängig daherkommen, aber dann doch kurz vor cheesy noch die Kurve kriegen – Audrey Horne machen Rockmusik alter Schule, die vor allem eines soll: Spaß machen. Wir haben mit Torkjell „Toschie“ Rød (Gesang) und Thomas Tofthagen (Gitarre) zwei Mitglieder der norwegischen Combo backstage im Hamburger Hafenklang getroffen. 

SOUNDCHECK: Wie stark hängt für euch das Gelingen einer Show vom Venue ab?

Torkjell „Toschie“ Rød: Ich glaube, der Unterschied, der da für uns die größte Rolle spielt, ist die Bühne – das betrifft den Sound, aber auch die Dimensionen. Je mehr Raum wir haben, um uns zu bewegen, desto weniger kommen wir uns natürlich in die Quere.

SC: Kann eine Bühne auch zu groß sein?

Toschie: Definitiv. Wir sind ja auch eine Band, die besser auf kleinen Bühnen spielt als auf großen. Auf riesigen Bühnen bekommt man halt nicht dieselbe Energie. Auf der anderen Seite bedeuten große Bühnen natürlich in der Regel auch ein großes Publikum. In jeden Fall ist die Größe der Bühne ein Faktor. Das andere wichtige Thema betrifft den Komfort. Wenn du in kleinen Clubs mit drei Bands auf Tour bist, wird der Raum knapp. Vor allem backstage kann das schon mal nerven. Du sitzt auf einem Stuhl, stehst kurz auf, um etwas zu holen – und schon hast du keinen Platz mehr zum Sitzen mehr. Aber davon ganz abgesehen: Ein Club ist ein Club.

Thomas Tofthagen: Solange, die Bühne nicht so klein ist, dass man sich Gedanken darüber machen muss, passt es. Wenn man erst Dinge organisieren muss, um sich nicht in die Quere zu kommen, nimmt das den Fokus von der Musik. Aber gestern haben wir zum Beispiel auf einer sehr kleinen Bühne gespielt und hatten richtig Spaß. 

Toschie: Das war in Eindhoven. Eigentlich hatten wir einen Day-Off, weil es keinen größeren Club in der Stadt gab, in dem nicht schon die Konkurrenz gespielt hat. Unser Booker hat dann aber diese kleine Bar gefunden, und wir sagten: „Dann lass uns da spielen.“ Der Unterschied zu großen Festivals ist in so einer Situation einfach extrem. Während man in einer Bar quasi direkt im Publikum steht, befindet man sich bei einem Festival auf einer super hohen Bühne, und zwischen den Leuten und dir sind schon aus Sicherheitsgründen einige Reihen frei. 

SC: Von den unterschiedlichen Venues mal abgesehen – habt ihr bestimmte Übungsroutinen oder Rituale vor den Shows?

Toschie: Auf jeden Fall. Ich wärme zum Beispiel immer meine Stimme anständig auf – bei einer Einzelshow ungefähr eine Stunde vor der Show, wenn wir länger unterwegs sind auch schon mitten am Tag. Nach einer Woche auf Tour wache ich morgens auf, und meine Stimme ist richtig tief. Da muss man dann auch schon tagsüber etwas üben. 

Thomas: Ich fange auch schon tagsüber an und wärme mich mit Stretching auf. 

Toschie: Ich würde sagen: Thomas ist unser Yoga-Meister!

Thomas: Weißt du, wenn man in einem Bus lebt, rostet man eben ein bisschen ein. Die meiste Zeit sitze ich rum und spiele Gitarre. Es ist ja eh nichts anderes zu tun (lacht). Ich spiele unterschiedliche Übungen für die linke und die rechte Hand. Chromatische Tonleitern und solche Sachen … Nichts Musikalisches, bloß etwas, um das Blut in Bewegung zu bringen. Das klingt, ehrlich gesagt, schrecklich. 

Toschie: Er schaut sich aber auch jeden Abend auf seinem iPad Konzerte an. Van Halen, Kiss und so … 

Thomas: Ja, das mache ich, um in Stimmung zu kommen. Mit einem Glas Wein in der Hand.

SC: Wie ist es eigentlich, wenn ihr kurz vor der Show, etwas Negatives erlebt, sagen wir, ihr streitet euch. Nimmt man das mit auf die Bühne oder verfliegt der Ärger sofort?

Toschie: Wir streiten uns eh nicht oft, aber es gibt natürlich Geschichten, die einen nerven können. Vor ein paar Tagen ist zum Beispiel, ganz kurz bevor wir auf die Bühne wollten, die komplette Elektronik im Rack von Arve, unserem zweiten Gitarristen, ausgefallen. Der ist dann ausgeflippt. Aber nach der Show hat er gesagt: „Das war genau das, was ich gebraucht habe.“ Er war vorher ein bisschen müde und hatte einen Kater. Wenn das passiert, braucht man manchmal einen kleinen Kickstart, bevor es auf die Bühne geht.

SC: Welches Equipment verwendet ihr aktuell?

Thomas: Zu Hause spiele ich JMPs von Marshall, auf dieser Tour aber einen JCM 800. An Pedalen benutze ich ein Phase 90 für die meisten Solos. Außerdem nutze ich einen EP-Booster. Das ist quasi ein Echoplex-Delay ohne die Delay-Sektion. Ich nutze es, um einen etwas wärmeren Sound zu bekommen. Sonst gibt es bei mir nur noch ein EQ-Pedal, das ich nutze, wenn wir Festivals oder so spielen. Man weiß bei solchen Shows nie wirklich, was für Equipment einem zur Verfügung steht, und dann ist es gut, wenn man seinen Sound noch anpassen kann.

SC: Deine Hauptgitarre ist eine Gibson Les Paul Custom, oder?

Thomas: Ja, Arve spielt auch eine, zusammen mit einem Peavey-5150-Amp und einem Tube Screamer für Solos.

SC: Was gefällt dir an der Les Paul?

Thomas: Ich bin einfach an sie gewöhnt … Schon wegen des Gewichts kann ich keine andere Gitarre mehr spielen. Ich habe auch schon eine Fender Strat für einige Songs im Studio gespielt – aber das Teil ist so leicht! Auf der Bühne geht das nicht, weil ich sie nicht kontrollieren kann. Der Sound ist natürlich auch ein ganz anderer. Und ganz wichtig: Alle meine Lieblingsgitarristen spielen Les Paul – Ace Frehley, John Sykes, Slash, Jimmy Page …

SC: Toschie, kümmert es dich, welches Mikro du benutzt, oder ist dir das im Prinzip egal?

Toschie: Also, ich habe mein eigenes Mikro, ein Shure SM58, das ich immer mitnehme – aber eher aus hygienischen Gründen. Ich möchte kein Gerät an meinen Mund führen, in das schon 50 andere Typen gespuckt haben.

SC: Ihr seid jetzt schon geraume Zeit im Musikgeschäft. Würdet ihr jungen Leuten heute empfehlen, in diesem Bereich eine Karriere zu starten?

Toschie: Nur, wenn der oder diejenige es wirklich möchte. Es ist ja echt kein Geschäft, in das man geht, um Geld zu machen. Definitiv nicht. Wenn du Geld verdienen möchtest, mache alles außer Musik. Es gibt so wenige Leute, die damit wirklich viel Kohle verdienen. Wir sind ja auch überhaupt nicht ins Musikgeschäft gegangen, um Geld zu scheffeln. Wir spielen Musik, weil es die eine Sache ist, die wir wirklich möchten. Es gibt so viele Leute, die in einer Band sind und es dann nach einiger Zeit doch bleiben lassen, weil sie einfach mit dem Geld nicht auskommen. Wir kennen so viele Leute, die sich am Ende dann doch lieber für einen geregelten Job entschieden haben. Spätestens, wenn sie Geld verlieren müssten, um weiter als Musiker zu arbeiten, hören sie auf.

Thomas: Zu viel harte Arbeit … Das Leben als Musiker ist nicht einfach.

Toschie: Genau. Ich glaube, die meisten Leute, die aufgehört haben, wollten es nicht genug. Thomas: Die wollten vielleicht etwas anderes, ein Rockstar-Leben oder so.

SC: Und man muss ja in der Regel als professioneller Musiker auch viele Dinge tun, die nicht direkt etwas mit Musik zu tun haben …

Toschie: Ja, ich meine, wir sind in der glücklichen Lage, eine Band zu sein, die einigermaßen bekannt ist. Aus dem Grund können wir es uns leisten, Leute zu haben, die viele von den diesen anderen Dingen übernehmen. Zum Beispiel das Organisieren einer Tour – das kann einem echt auf die Eier gehen. Da muss man mit so vielen Leuten sprechen, Verträge aufsetzen und so weiter. Ich glaube, jeder in unserer Band weiß es zu schätzen, dass er sich mit solchen Sachen nicht mehr herumplagen muss (lacht).

SC: Dazu kommt noch der Umstand, dass die allermeisten Musiker nicht unbedingt gerade die besten Geschäftsleute zu sein scheinen …

Toschie: Ganz genau. Musiker sind furchtbare Geschäftsleute. Thin Lizzy waren zum Beispiel eine fantastische Band, aber ich glaube, jedes Mal, wenn es eine wichtige Geschäftsentscheidung zu treffen galt, wählten sie den falschen Weg. Aber ihre Alben werden ewig weiterleben – und das sollte es doch sein, worauf es bei einem Musiker ankommt. Ich glaube, mit der Ausnahme von Gene Simmons gibt es so gut wie keinen Musiker, der damit angibt, ein guter Geschäftsmann zu sein. Naja, Jon Bon Jovi vielleicht noch. Aber ansonsten scheint es wirklich darauf hinauszulaufen, dass der kreative Teil des Gehirns nicht viel mit dem Teil zu tun hat, der für das Organisieren von Dingen zuständig ist.

Bio: 2002 gegründet, können die nach einer Figur aus der Kultserie „Twin Peaks“ benannten Audrey Horne schon für ihr Debütalbum den Top-Produzenten Joe Barresi (Queens of the Stone Age, Tool …) verpflichten. Nur wenig in den Songs der Norweger lässt einen vermuten, dass Musiker aus Extreme-Metal-Bands wie Enslaved oder Gorgoroth zu den Gründungsmitgliedern der Combo zählen. Eher denkt man hier an Classic-Rock-Helden wie Thin Lizzy, Iron Maiden oder Kiss.

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