Special: Vintage-Recording

Wer Vintage-Equipment und -Prozesse nutzt, kann sich einen echten Sound-Vorsprung verschaffen. Beim Recording auf klassische Ansätze zurückzugreifen, schult aber auch die eigenen Engineering-Fähigkeiten, eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte ... Ausgabe 12/14

Digitale Produktionsmethoden haben die Arbeit im Studio effizienter und kostengünstiger gemacht. Was einem heute mittels Software zur Verfügung steht, übertrifft an Mächtigkeit selbst das Equipment-Arsenal vieler Top-Studios aus analogen Zeiten bei weitem. Effekte, von denen sich Otto-Normal-Engineer früher bloß eine Hardware-Einheit leisten konnte, zieht man sich jetzt bei Bedarf als Plugin ohne Aufpreis dutzendfach in den Signalfluss. Nur einer der zahlreichen Vorteile, die Toningenieuren und Musikern das Leben mittlerweile um einiges leichter machen.

 

Und auch wenn es mancher Traditionalist ungern hört: Es besteht kein Zweifel, dass ein Toningenieur wie etwa Alan Parsons häufig auf digitale Mittel zurückgegriffen hätte, wenn dies schon möglich gewesen wäre, als er an Alben wie Pink Floyds The Dark Side of the Moon arbeitete. Man denke nur an den berühmten 7/4tel-Tape-Loop, den Parsons für das Stück Money aus verschiedenen Sound-Effekten wie dem Klimpern von Münzen oder dem Klingeln einer Kasse mühsam manuell zusammenschneiden musste.

 

Charakter dank Vintage-Recording

 

Dennoch: Es ist längst nicht immer sinnvoll, beim Aufnehmen und Mischen ausnahmslos auf moderne Technik zurückzugreifen. Jeder hat wohl schon mal vom warmen Sound einer Bandmaschine oder bestimmter Outboard-Geräte gehört. Sicher, es gibt heutzutage jede Menge Software, die den Klang solcher Gerätschaften durchaus überzeugend simuliert. Und in einigen Jahren werden wohl auch die bestgeschulten Ohren nicht mehr in der Lage sein, einen Unterschied zwischen Original und Emulation herauszuhören. Doch selbst die hochwertigste Software hat ihre Grenzen. Vor allem betrifft das den Faktor Individualität: Tausend Plugins derselben Versionsnummer liefern tausendmal exakt dasselbe Klangverhalten. Dagegen gibt es wenige Vintage-Geräte einer Baureihe, die genau gleich klingen - besonders dann nicht, wenn sie schon einige Jahre auf dem Buckel haben ...