Special: Troubleshooting Gitarrensound

Gemeinsamer Beziehungsstress entsteht meist nicht durch irgendwelche größeren, äußeren Probleme. Nein, solche Krisen können im besten Fall sogar eher zusammenschweißen. Vielmehr sind es die kleinen, immer wiederkehrenden Reibungspunkte, die anfangs noch ganz harmlos erscheinen. Ganz ähnlich ist das in der Beziehung zur Gitarre: Da vermasselt uns ein ausgeleierter Schalter den Einsatz zum finalen Solo oder die Gitarre klingt irgendwie matt, leblos und intoniert nicht sauber. SOUNDCHECK gibt Tipps für einen sauberen Gitarrensound.

Es gibt immer einen oder mehrere gute Gründe, warum wir uns für eine bestimmte Gitarre entscheiden. Vielleicht sieht sie einfach super aus, lässt sich unglaublich gut spielen oder ihr Sound gefällt und inspiriert uns. Jedenfalls sind wir irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass sie die richtige ist. Deshalb sollte man auch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn es mal Schwierigkeiten gibt. Schauen wir uns lieber an, was für Probleme uns den Spaß am Musizieren mit der Klampfe vermiesen können und wie wir dem entegegenwirken.

Mechanische Malaisen

Potenzielle Rappelquellen und Tone-Killer gibt es reichlich an der Gitarre. Fangen wir bei den großen Teilen an und arbeiten uns dann zu den kleinen unauffälligeren vor. Wurde unser Instrument mit eingeleimtem oder gar durchgehendem Hals gebaut, ist die Verbindung zwischen Korpus und Hals ab Werk vorgegeben. Zwischen diesen Komponenten der Gitarre sollte wirklich kein Spiel zu finden sein. Sonst sollte man sie schleunigst zurückgeben, falls es eine neue war, oder zum nächsten Gitarrenbauer bringen, falls es sich um ein älteres gebrauchtes Modell handelt. Das wäre nämlich ein echtes K.O.-Kriterium für den Sound.

Haben wir es mit einer geschraubten Halskonstruktion zu tun, lohnt es sich aber unbedingt, diese zu überprüfen. Schließlich hängen die Stabilität des gesamten Instruments und damit selbstverständlich auch dessen Schwingfähigkeit davon ab, dass diese Verbindung möglichst fest sitzt und nichts die Übertragung zwischen Hals und Korpus bremst. Da die meisten Instrumente heutzutage in hohen Stückzahlen industriell gefertigt werden, finden sich gerade im unteren bis mittleren Preisbereich immer wieder Exemplare, bei denen die Passung des Halses zu wünschen übrig lässt. Häufig sieht man zu große oder ungenaue Fräsungen für die Halstasche. Gelegentlich steht auch an der Konterplatte ein Grat über, oder die Bohrungen für die Schrauben stimmen nicht exakt mit denen in der Platte überein und können deshalb nicht weit genug in den Halsfuß geschraubt werden.

Schraubt man das Ganze ab, findet man oft lose Unterlegplättchen – so genannte Shims – zur Einstellung des korrekten Halswinkels. Zu allem Übel ist nicht selten die Auflagefläche für den Hals komplett mit einer dicken Lackschicht zugeschmiert, was der Schwing-ungsübertragung auch nicht gerade zuträglich ist; vor allem nicht bei modernen glasharten Lacken. Sind dann noch die Verbindungsschrauben nicht richtig fest angezogen, und man packt im harten Live-Einsatz mal fester oder gar ruckartig zu, kann sich der Halsfuß bewegen – mit unter Umständen fatalen Folgen für Intonation und Stimmstabilität. Außerdem beschneidet eine nicht ausreichend stabile Hals-Korpus-Verbindung die klanglichen Möglichkeiten der Gitarre. Der Ton wirkt dann ziemlich dünn, matt und hat wenig Sustain. Zugegeben, ein solcher Fall erzeugt keine Störgeräusche im engeren Sinn, ist aber nichtsdestotrotz sehr ärgerlich.

Kampf dem Couch-Potatoe

Okay, die Halsverbindung hätten wir gecheckt, stellen aber womöglich fest, dass der unverstärkte Ton immer noch nicht so recht anspringt, sprich sich irgendwie zäh und undefiniert entwickelt. Bei bestimmten, meist tieferen, Tönen ertönt ­außerdem auch noch ein raues asthmatisches Rasseln. ­Dieses hört man zwar nicht unbedingt über den Verstärker, aber es raubt dem Ton spürbar die Kraft. Solche Phänomene deuten auf einen nicht fest genug angezogenen Halsspannstab hin. Der ist bekanntermaßen dazu da, dem Saitenzug ent­gegenzuwirken.

Allerdings arbeitet ein Hals aus Holz ­immer ein wenig mit dem Klima und reagiert natürlich auch auf veränderte Zugkräfte, etwa bei Verwendung einer ­anderen Saitenstärke. Daher kann es vorkommen, dass man den Spannstab nachstellen musste, etwa, um eine komfortable Saitenlage ohne Scheppern einzustellen, und dabei die Spannschraube ganz gelockert hat. Derart entspannt arbeitet der Stab, englisch Truss Rod genannt, nun leider nicht mehr als schwingende Einheit mit dem Rest des Halses zusammen, sondern dämpft dessen Schwingung. Hilft ein leichtes Anziehen des Spannstabes hier nicht weiter, sollte man besser professionelle Hilfe in Erwägung ziehen.

Hals über Kopf?

Nun wird es etwas feinmechanischer, denn wir sehen uns an, was der Saite auf ihrem Weg noch so alles Schwingungsenergie rauben kann. Die Reise beginnt an der Kopfplatte, genauer gesagt an den Mechaniken. Achtet beim nächsten Saitenwechsel darauf, ob die Stimmflügel rappelfrei sitzen und die Schäfte der Mechaniken durch die ­entsprechenden Kontermuttern wirklich richtig gesichert sind. Diese neigen nämlich dazu, sich durch den regel­mäßigen Stimmvorgang allmählich zu lockern. So etwas kann die Stimmstabilität beeinträchtigen und, noch schlimmer, durch nervige Vibrationen auffallen. Dasselbe gilt natürlich auch für die bei gerade nach hinten versetzter Kopf­plattenführung (à la Fender) häufig eingesetzten Saitenniederhalter.

Auch die bei Floyd-Rose-Systemen verwendeten Barren hinter dem Sattel gehören in diese Rubrik. Diese Hardware-Teile sollen die Saiten jedenfalls nur in der ­richtigen Höhe führen, sich aber keinesfalls querstellen oder die Saite einklemmen. Wenn schon Klemmen, dann richtig, und zwar entweder mittels Lock-Mechaniken oder aber mit einer ­Sattelklemme, die man für aufwändige Vibrato-Bridges wie das Floyd-Rose- oder Kahler-System auch dringend braucht. Ein herkömmlicher Sattel tut es im Normalfall aber auch, sofern er richtig gekerbt ist, sprich die Saiten darin in der optimalen Höhe geführt werden, ohne zu verhaken oder haltlos darin herumzueiern. Wenn es also beim Stimmen oder intensiveren Bendings und Vibratohebeleinsätzen ­immer plingt und plongt oder bei ­offenen Tönen ein leises Scheppern zu hören ist, heißt es den Sattel und die String Trees checken!

Scheppernde und sirrende Saiten können natürlich auch darauf hindeuten, dass mit den Bünden oder erneut mit der Halseinstellung etwas nicht stimmt. Ist der Hals zum ­Beispiel zu stark nach hinten gebogen, klatschen die Saiten, vor ­allem bei kräftigerem Anschlag, in der mittleren Lage auf die Bünde. Das betrifft vor allem Töne in den ersten fünf bis sieben Bünden. Hier hilft eine Lockerung des Halsspann­stabes, es sei denn, er wäre schon vollkommen entspannt (siehe oben).

Schwieriger zu lokalisieren sind einzelne ­Bünde, die entweder bereits ab Werk nicht richtig abge­richtet wurden oder sich, aus welchen Gründen auch ­immer, aus dem Griffbrett erheben. Im Zweifelsfall schafft hier der Gang zur Service-Werkstatt Gewissheit. Solltet ihr etwa beim Saitenwechsel bemerken, dass einzelne Bunddrähte schon deutliche Kerben und Vertiefungen auf­weisen oder womöglich sogar die meisten Bünde deutliche Abnutzungserscheinungen zeigen, ist ein Besuch beim Spezialisten ohnehin unumgänglich. Dann nämlich wäre mindestens ein erneutes Abrichten oder gleich ein Refret, sprich eine Neubundierung des Halses angesagt.

Brückentechnologie

Kommen wir zur Brücke, wo es unterschiedlichste Konstruktionen gibt. Die so genannten festen Stege im Gibson- oder Tele-Style erscheinen dabei noch vergleichsweise ­unproblematisch. Bei der zweiteiligen TOM-Bridge oder der einteiligen Wrap-Around-Variante sollte man beim Saitenwechsel immer mal wieder die Stabilität der Haltebolzen checken und darauf achten, dass die eingehängten Teile beim Aufziehen der neuen Drähte nicht kippen. Auch hier kommt es zu Verschleiß und die Kontaktstellen können ­ausleiern. Denkt immer daran, je fester die Verbindung, ­desto besser die Schwingungsübertragung.

Das gilt natürlich auch für die teils ausladenden Tailpieces einer Jazz-Gitarre oder Semi­acoustic. Doch zurück zu unseren Standardtypen. Beim historischen TOM-Steg werden die Saiten­reiter von ­einem kleinen Spanndraht gehalten. ­Dieses Bauteil macht gerne mal Ärger weil es oxidiert, seine Spannkraft verliert, sich losvibriert und dann Geräusche erzeugt, weshalb man es auch gerne Rappeldraht nennt. Es empfiehlt sich also Sitz und Zustand regel­mäßig zu überprüfen. Sobald euch dieser Draht nämlich um die Ohren fliegt und dann auch noch eine Saite reißt, könnt ihr die Taschenlampe zücken und den Saitenreiter ­suchen gehen. Also, lieber Vorbeugen! 

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