Special Proberaum Akustik

Der Proberaum einer Band ist oft wie ein zweites Zuhause. Man verbringt gemeinsam viel Zeit mit Songs schreiben, proben oder einfach nur abhängen. Damit man sich hier wohlfühlen und effektiv arbeiten kann, muss die Atmosphäre stimmen, optisch und klanglich.

Die meisten Proberäume befinden sich in Kellern, Industriegebäuden, alten Bunkern oder ähnlichen Gebäuden. Deshalb muss man bei Einzug erst eine gute Atmosphäre schaffen. Von musikalischer Seite ist die Voraussetzung, dass alle Musiker sich selbst und gegenseitig gut hören können. Die Instrumente und Stimmen sollen dabei möglichst unverfälscht und direkt klingen. Um das zu erreichen, muss man sich um die Akustik kümmern und die Instrumente und Musiker geschickt aufstellen.

Bandaufstellung im Proberaum

Oft stehen Gitarristen direkt vor ihren Verstärkern. Allerdings werden die relevanten Frequenzen stark gerichtet abgestrahlt, vergleichbar mit einer schmal fokussierten Taschenlampe. Damit trifft der Sound beispielsweise die sitzende Keyboarderin zielsicher auf die Ohren, während der Gitarrist sich schlecht hört, weil seine Kniekehlen nunmal keine Ohren haben.

Zwei mögliche Auswege: Man stellt den Amp auf Ohrhöhe oder zumindest zum Spieler hin angeschrägt. Ein anderer Weg ist, den Amp auf die eine Seite des Proberaums zu stellen, als Spieler auf der anderen Seite zu stehen und den Amp auf sich selbst auszurichten. Gleiches ergibt für den Bassamp Sinn. Zwar werden die tiefen Frequenzen kugelförmig und daher nicht in eine bestimmte Richtung abgestrahlt, die hohen Frequenzanteile wie der Saitenanschlag und die Obertöne sind jedoch gerichtet. Zu bedenken ist außerdem, dass insbesondere der Drummer als Voraussetzung für ein gutes Zusammenspiel den Bass klar definiert hören muss. Blickt er ungehindert auf die Front des Amps, ist dies am wahrscheinlichsten.

Stellt man den Bass erhöht auf, lässt sich zusätzlich ein etwaiges Dröhnen vermindern, weil jede unmittelbar anschließende Begrenzungsfläche (Wand, Boden) im Bassbereich eine Lautstärkeerhöhung bedeutet. Steht der Amp gar in einer Raumecke ist dieser Effekt noch größer. Bei einem kleinen Amp ist das ein Gewinn, dröhnt der Bass, sollte er besser nicht in der Ecke des Proberaums aufgestellt werden.

Keyboarder und Sänger sind auf den Sound aus der PA angewiesen, daher ist es sinnvoll, sie so zu positionieren, dass sie optimal im Abstrahlbereich der Lautsprecher stehen und in einiger Entfernung zum Schlagzeug. Auf jeden Fall sollte vermieden werden, dass die Boxen hinter Singenden stehen, da das die Feedbackgefahr erhöht und so möglicherweise keine adäquaten Gesangslautstärken erreicht werden können.
Das dynamisch schwierigste Instrument dürfte das Schlagzeug sein. Je nach Aufstellung im Raum, an einer Wand oder gar in einer Raumecke, verändert sich das Klangbild. In der Ecke kommt es wie beim Bass zu einer Verstärkung tiefer Frequenzen, in unmittelbarer Wandnähe können allerdings Snare und Becken aufgrund der Reflektionen als unangenehm laut und schneidend wahrgenommen werden.

Die richtige Akustik

Der Eigenklang eines akustisch unbehandelten Raumes, dessen Begrenzungsflächen womöglich sogar aus nacktem Beton bestehen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit als hart, knallig, hallig oder dröhnend empfunden werden. Nicht selten führt ein so klingender Proberaum dazu, dass nach dem Durchforsten gängiger Musikerforen in bester Absicht große Mengen von Teppichen, Vorhängen, Noppenschaumstoff und ähnlichen Materialien verbaut werden. Selbst der Mythos Eierkarton ist einfach nicht totzukriegen. Der Raum klingt dann zwar deutlich trockener und damit auf den ersten Blick auch besser (ausgenommen Eierkartons, die bringen wirklich nichts!!!), allerdings handelt man sich bei dieser Vorgehensweise auch Probleme ein.

Die besagten Materialien dämpfen die Höhen massiv, tiefere Frequenzen werden allerdings nicht beeinflusst. Der Raum klingt folglich matt und dumpf. Das kann sich darin äußern, dass der Gitarrensound durch die Akustik im Proberaum hammergut ist und auf der Bühne hingegen unangenehm scharf und sägend klingt. Die starke Höhenbedämpfung, lässt auch beim Schlagzeug die Trommeln matt und muffig klingen und beraubt die Becken ihrer Brillianz. Nicht nur, dass das nicht schön klingt, in einem solchen Raum bekommen gerade die Schlageuger zu wenig Rückmeldung über ihre Lautstärke und laufen Gefahr, sich einen zu lauten, nicht „clubkompatiblen“ Spielstil anzugewöhnen. Außerdem saugen Teppich und Co. Gerüche und umgefallene Getränke deutlich besser auf als unerwünschten Schall. Und einen letzten Punkt sollte man auch nicht außer Acht lassen: all diese Materialien sind entflammbar!

Bevor man also Geld und Zeit in ungünstige oder gar nutzlose Maßnahmen investiert, lohnt es sich, sich mit dem Thema Akustik auseinanderzusetzen. Das Thema ist recht komplex, dieser Text kann die Zusammenhänge bestenfalls oberflächlich ankratzen. Das bei PPVMEDIEN erschienene Buch „Studio Akustik“ von Andreas Friesecke bietet aber einen verständlichen Einblick in die Materie.
Im Grunde bedient sich der Akustiker zweier simpler Werkzeuge, um den Nachhall - und somit den Raumklang – zu kontrollieren: die Absorption und die Diffusion.

Akustik und Absorption

Alle porösen Materialien wie Stoff, Schaumstoff oder dergleichen schlucken Schall. Ihm wird genau genommen durch Reibung die Energie entzogen. Omas alte Couch sorgt also nicht nur für Gemütlichkeit, sondern auch für eine vergleichsweise breitbandige Absorption. Auch Polster und Matratzen, wie manche Foren sie empfehlen, zeigen eine Wirkung, vermutlich auch breitbandiger als Teppiche und Noppenschaum. Problematisch ist eben nur, dass ihre Wirkung nicht ausreichend vorhersehbar ist. Akustiker verwenden hochwertigen Akustikschaum wie Basotect oder Mineralwolle, die beide bessere und messtechnisch erfasste akustische Eigenschaften haben. Sie kommen häufig als sogenannte Breitbandströmungsabsorber zum Einsatz, die im Idealfall ab zirka 200 Hz aufwärts dämpfen. Zum Vergleich: Teppiche und Vorhänge werden je nach Dicke und Wandabstand erst ab zirka 1000 Hz wirksam, Noppenschaum bei zirka 800 Hz.

Wem es an Heimwerkerqualitäten, aber nicht an Budget mangelt, dem sei Basotect empfohlen. Man klebt die Schaumstoffplatten einfach auf die Wand und fertig. Mineralwolle ist hingegen sehr preiswert, allerdings sollte sie immer in einen stoffbespannten Holzrahmen eingesetzt werden, da sie nicht sonderlich attraktiv aussieht, bei mechanischer Belastung leicht zerbröselt und über die gesundheitliche Verträglichkeit der Mineralwollefasern nach wie vor kontroverse Meinungen diskutiert werden.

Wer über ein Quäntchen handwerkliches Geschick verfügt, kann Mineralwolleabsorber preiswert selbst bauen. Für einen 1 x 0,6 m großen und 15 cm dicken Absorber, der bis zirka 250 Hz hinab dämpft, sind etwa 20 bis 25 Euro Materialkosten zu veranschlagen, wobei allerdings, je nach Raumgröße schnell zehn oder mehr Module notwendig werden. Bei einem Kaufpreis ab zirka 130 Euro pro Stück für einen vergleichbar großen Absorber dennoch ein Schnäppchen.

Für Frequenzen unter 250 Hz müssen so genannte „Bassfallen“ gebaut werden. Dabei handelt es sich im Prinzip um in die Raumecken gestellte Steinwollestapel, die bei einer Grundfläche von zirka 50 x 50 cm Frequenzen bis in den Bereich um 80 Hz bedämpfen können. Sie sollten ebenso mit Stoff und gegebenenfalls mit einer Folie eingeschlagen werden, um das Herausrieseln von Dammwollefasern zu vermeiden. Sehr viel kompakter und effektiver sind Resonanzabsorber, deren Berechnung und Bau den Rahmen dieses Artikel sprengen würden. Allerdings sind Maßnahmen dieser Art oftmals die einzigen, die einem hartnäckigen Dröhnen (akustisch betrachtet einer zu langen Nachhallzeit im Bassbereich) entgegenwirken können.

Diffusion des Schalls

Bei der Diffusion geht es darum, den auf eine Wand auftreffenden Schall zu streuen. Man stelle sich den Unterschied in etwa so vor, wie wenn man mit einer Taschenlampe zunächst auf einen glatten Spiegel und dann auf eine Spiegelkugel leuchtet. Der Spiegel reflektiert das Licht nach dem Prinzip Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, während die Spiegelkugel das Licht in alle erdenklichen Richtungen streut. Neben dem offensichtlichen Effekt, dass die berüchtigten Flatterechos gezähmt werden (man klatscht in die Hände und das Klatschen „flattert“ mehr oder weniger lang im Raum nach), entsteht der akustische Eindruck der Raumvergrößerung – gerade bei kleinen Proberäumen ein positiver Effekt.

Alle harten und unebenen Oberflächen streuen den Schall mehr oder weniger stark und kontrolliert. Geschickt platzierte Regale mit Inhalt sorgen bereits für eine – wenn auch vergleichsweise kleine und nicht wirklich berechenbare – Diffusion zum Nulltarif. Mit Klötzen, Brettern und Ähnlichem kann man unebene Strukturen auf die Wände bringen. Zwar lassen sich hier auch wieder nur vage Prognosen zur Wirksamkeit aufstellen, besser als glatte Wände sind sie aber auf jeden Fall.

Wer auf Kaufvarianten zurückgreifen möchte, sieht sich mit Preisen ab 150 Euro pro Quadratmeter konfrontiert, daher ist für Heimwerker auch hier der Eigenbau eine Alternative. Bei den so genannten „Quadratic Residue Diffusoren“ (QRD) stehen Materialpreis, Arbeitsaufwand und Effektivität in einem guten Verhältnis. Da auch hier einige Mathematik im Spiel ist, sollte man auf Informationen und Bauanleitungen aus verlässlicher Quelle zurückgreifen.

Platzierung von Akustikelementen

Bei der Menge und Platzierung der Akustikelemente im Proberaum hilft ohne Berechnung und Erfahrung nur Ausprobieren. Anhand des Bandaufbaus ergeben sich jedoch einige Ansatzpunkte: Um das Schlagzeug herum werden die ersten Absorber angebracht – auch an der Decke. Ziel dabei ist, die ersten Schallreflexionen der nahe gelegenen Begrenzungswände zu zähmen. Verliert das Instrument durch die Absorber zu viel Brillianz, können sie teilweise durch Diffusoren ersetzt werden.

Hinter den Gesangspositionen können weitere Absorber so angebracht werden, dass die Schallwellen aus Richtung der PA nicht direkt auf die Mikrofone reflektiert werden. Die Wandbereiche, wo die Schallwellen der Gitarrenverstärker auftreffen, können ebenfalls mit Absorbern – der Schall wird geschluckt – oder Diffusoren – der Schall wird verteilt – ausgestattet werden. Weitere Elemente werden dann nach Bedarf positioniert, während klangliche Veränderungen beim Musizieren überprüft wird. Das ist ein zeitintensiver Prozess, wird aber einen besseren Raumklang im Proberaum zur Folge haben, als es Noppenschaum und Co. je hätten leisten können.

Lautstärke im Proberaum

Musik macht Spaß - laute Musik macht mehr Spaß. Allerdings sprechen einige Gründe dafür, die Probenlautstärke im Blick zu behalten. Bei hohen Lautstärken ermüdet das Gehör schneller, von potentiellen, gesundheitlichen Schäden mal ganz abgesehen. Außerdem lässt die Konzentration schneller nach. Aus Sicht der Akustik kann man den Raum durch zu hohe Schallpegel „überstrapazieren“. Insbesondere im Bassbereich regt man die nur aufwändig zu kontrollierenden stehenden Wellen an, deren lange Ausklingzeiten andere Frequenzbereiche verdecken. Und auch Streß mit den (Proberaum-)Nachbarn lässt sich so umgehen. Was aber, wenn dennoch alle Nase lang Beschwerden über zu hohe Lautstärken eintrudeln?

Bauakustik

Die Bauakustik beschäftigt sich mit der Schallübertragung von einem Raum zum nächsten (beziehungsweise nach draußen). Will man verhindern, dass Schall den Proberaum verlässt, müssen zwei Arten der Schallübertragung berücksichtigt werden: Luftschall- und Körperschallübertragung.

Akustik im Proberaum: Luftschallübertragung

Luftschall lässt sich vergleichsweise einfach aufhalten. Wo keine Luft durchkommt, kommt auch kein Luftschall durch. Zu überprüfen ist also, ob alle Fenster und Türen dicht schließen und ob Lüftungsschächte oder andere Durchlässe vorhanden sind. Alle Lecks sollten entsprechend abgedichtet werden. Schon kleine Öffnungen (zum Beispiel Schlüssellöcher) haben eine nicht zu unterschätzende Leckwirkung. Bei Lüftungen helfen sogenannte Telefonieschalldämpfer die Funktion zu bewahren und gleichzeitg die Schallübertragung zu minimieren.

Fensterscheiben und Türblätter werden von der Rauminnenseite zum Schwingen angeregt und geben den Schall mehr oder weniger stark abgeschwächt wieder nach außen ab.  Eine möglichst massive und dicht schließende Tür kann Schallenergie effektiv aufhalten. Ist die Tür als Schallübertrager entlarvt, wechselt man entweder die Tür komplett aus, schraubt weitere, möglichst dicke Platten aus Span- oder MDF-Platte flächendeckend auf die Tür, sofern das die Scharniere hergeben, oder montiert auf der Gegenseite eine weitere, möglichst massive Tür. Kommt keine der beschriebenen Maßnahmen in Frage, kann man sich zumindest mit einer in den Türrahmen eingepressten Matratze behelfen.

Bei Fenstern ist ebenfalls ein Austausch oder das Anbringen eines zweiten Fensters, mit schallisolierenden Scheiben denkbar. Hierbei muss allerdings bedacht werden, dass man am Ende beide Fenster noch öffnen können sollte. Legt man beim Proben keinen Wert auf Tageslicht, kann aus einer massiven Holzplatte (zum Beispiel 22 mm MDF-Platte) und Scharnieren von innen eine Art Fensterladen angebracht werden. Dieser deckt das gesamte Fenster möglichst luftdicht ab. Selbstklebende Dichtgummis helfen dabei. Füllt man den Zwischenraum zwischen Laden und Fenster dann noch mit einem großen Kissen oder einer Decke aus, kann der Dämmeffekt erhöht werden.

Akustik im Proberaum: Körperschallübertragung

Neben Türen und Fenstern werden auch die Wände selbst zum Schwingen angeregt. Sie übertragen den Schall als Körperschall unter Umständen vom Keller bis ins Dachgeschoss. Diesem Phänomen ist allerdings nicht ohne erheblichen Aufwand beizukommen. Auch Heizungsinstallationen verteilen nicht nur Wärme sondern auch Schall im ganzen Gebäude. Ein Punkt, wo aber Verbesserungen erzielt werden können, ist der Boden, auf den euer Instrument Schwingungen direkt durch den mechanischen Kontakt überträgt. Insbesondere für Bass und Schlagzeug kann eine massive Holzplatte (19mm Spanplatte oder dicker), die auf Trittschallmatten oder Gummifüßen lagert, eine gute Isolation bewirken. Fertigkeiten und Budget vorausgesetzt, kann für das Schlagzeug auch gleich ein Podest gebaut werden, unter dem dadurch Lagerplatz entsteht.

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