Special: Live Mischpulte

Das Mischpult ist die Schaltzentrale für den guten Live-Sound. Hier werden die Kanäle zusammengemischt, der Klang bearbeitet und eventuell Effekte auf die Signale gegeben. In unserem Special zeigen wir euch, welches Mischpult am besten zu euch passt.

Gerade in Sachen Live-Mischpulte hat sich sehr viel getan. Vor ein paar Jahren konnte sich niemand vorstellen, dass bei Live-Konzerten heute überwiegend digitale Mischpulte zum Einsatz kommen.

Das Yamaha 02R, das Mitte der neunziger Jahre auf den Markt kam, war das erste bezahlbare Digitalpult, das sich gegenüber der analogen Dominanz der damaligen Zeit durchsetzen konnte.

Ursprünglich waren sie als Studio-Mischpult gedacht. Das Yamaha 02R und seine Abkömmlinge eroberten jedoch sehr bald nicht nur die Regieräume der Tonstudios, sondern auch die FoH-Plätze vieler Konzertveranstaltungen.

Interne Effekte, die Möglichkeit der Szenenspeicherung und ein geringer Platzbedarf sind die schlagenden Argumente für ein digitales Mischpult. Heute sind Digitalpulte aus der Beschallungstechnik nicht mehr wegzudenken – auch wenn die analoge Variante nach wie vor entscheidende Vorteile aufweist.

Analoges Mischpult versus Digitales Mischpult

In der guten alten analogen Ära fand man sich auf einem Mischpult relativ schnell zurecht — es gab die Kanalzüge, die Mastersektion, die Auxwege für das Monitoring und den Main-Fader.

Da die grundlegenden Funktionen bei allen analogen Pulten ungefähr gleich angeordnet waren, konnte man ziemlich schnell von einem Modell auf das andere wechseln. Es war ein bisschen wie Autofahren: Gas rechts, Bremse links — die Struktur und Arbeitsweise lagen fest und warfen keine grundsätzlichen Fragen auf.

Anders bei den meisten digitalen Mischpulten: Der Aufbau der Pult-Oberfläche unterscheidet sich oft deutlich von dem, was wir bei analogen Konsolen gewohnt sind. Deshalb muss für die meisten digitalen Pulte eine längere Einarbeitungszeit veranschlagt werden.

Aus diesem Grund begegneten viele Live-Techniker den digitalen Konsolen erst einmal mit großer Skepsis. Was tun, wenn man während des Gigs im Gitarrenkanal schnell auf den Equalizer zugreifen muss, da es bei 2 kHz pfeift? Bei einem Analogpult findet man den Equalizer-Regler im jeweiligen Kanalzug sofort, während man bei digitalen Mischpulten eventuell erst die entsprechende Menüseite aufrufen und den richtigen Drehregler finden muss.

Dabei liegt der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Pult-Varianten gar nicht in der Bedienoberfläche begründet, sondern vielmehr in der internen Signalverarbeitung.

Bei einem Digitalpult erfolgt die Verarbeitung des Audiosignals — im Unterschied zur analogen Konsole — auf der digitalen Ebene.

Direkt hinter der Eingangsstufe sind beim digitalen Mischpult die Analog-Digital-Wandler angeordnet, die das Signal digitalisieren. Die digitale Signalverarbeitung hat den Vorteil, dass ein Mischpult jetzt im Grunde genommen wie ein Computer funktioniert: Das Audiosignal kann im Mischpult mit Equalizer-, Kompressor- oder Hall-Effekten bearbeitet werden — ähnlich wie in einer Aufnahmesoftware wie Logic oder Cubase.

Während man in der analogen Ära einen Haufen externer Effekt mitschleppen musste, die sich neben dem FoH-Pult zu einem imposanten Siderack auftürmten, sind diese Funktionen bei Digitalpulten alle an Bord. Dadurch wird es möglich, in jedem Kanalzug einen Kompressor, einen Limiter oder ein Gate zu insertieren — in der analogen Welt ist diese Maßnahme mit einer richtigen Materialschlacht verbunden. Es ist also kein Problem, der Bassdrum, der Snare, den Toms, dem Bass und den Vocals je einen Kompressor zu spendieren — natürlich nur solange die Rechenleistung des Mischpultes dafür ausreicht.

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