Special: Kopfhörer - Die Lupe für die Ohren

Worauf kommt es bei der Wahl des richtigen Kopfhörers für Musiker und Tontechniker wirklich an? Welche technischen Merkmale gilt es vor allem zu beachten? Diese Fragen und mehr klären wir in unserem großen Special.

Special - Intro | Die Lupe für die Ohren. So findet ihr den richtigen Kopfhörer

Ob bei der Recording-Session, live oder im Mixdown: Kopfhörer zählen zu den Standard-Audio-Tools, die eigentlich jeder irgendwann mal nutzt. Gleichzeitig gehören sie aber auch zum eher unscheinbaren und insofern meist weniger beachteten Equipment. Um bedeutungsloses Zubehör handelt es sich hierbei jedoch keineswegs. Professionelle Kopfhörer können sich als entscheidender Faktor erweisen – mit ihnen kann man etwa wie mit einer Audio-Lupe ins klangliche Geschehen blicken und Details aufspüren, die über eine herkömmliche Abhöre viel weniger gut zu beurteilen wären. Doch natürlich ist dies längst nicht die einzige Anwendung. Kopfhörer dienen ebenso für Musiker bei Recording-Sessions als Standard-Abhöroption, finden als mobile Hauptabhöre Verwendung (Beispiel: Laptop-Produzent) und können auch Live-Tontechnikern als Tool dienen. Aus all diesen Gründen sollte man beim Händler nicht zum erstbesten Kopfhörer-Modell greifen. Schließlich sind auch im Fall von Kopfhörern, will man keinen Fehlkauf riskieren, nicht unbedingt weniger Faktoren als bei der Anschaffung von zum Beispiel Studiomonitoren zu beachten.

Wie immer, wenn es an den Equipment-Kauf geht, gilt es zunächst, sich Gedanken über das infrage kommende Anwendungsgebiet zu machen. Soll der Kopfhörer beispielsweise vor allem im Rahmen von Laptop-Produktionen zum Einsatz kommen, also etwa als Alternative zu regulären Monitoren genutzt werden? Oder benötigt man schlicht noch eine Monitoring-Möglichkeit für die Drum-Booth? Sind Fragen wie diese geklärt, können die Spezifikationen der angebotenen Kopfhörer besser eingeordnet und so bereits eine erste Auswahl getroffen werden – die sich dann beim Händler vor Ort entsprechend probehören lässt.

Bauform

Grob können Kopfhörer zunächst nach ihrer Bauform unterschieden werden. In Studios kommen in den allermeisten Fällen so genannte Muschelkopfhörer zum Einsatz. Zwei verschiedene Klassen werden angeboten: supra-aurale und circum-aurale Kopfhörer. Wobei Ersteres schlicht „über den Ohren aufliegend“ und Letzteres „die Ohren umschließend“ meint. Ein offener Kopfhörer lässt Schall in beiden Richtungen durch die Hörerschale passieren. Es gelangen demnach sowohl Umgebungsgeräusche ins Innere des Kopfhörers – und also an die Ohren des Anwenders – als auch der durch das Gerät reproduzierte Schall nach außen. 

Offene Kopfhörer bringen folgenden Nachteil mit sich: Trägt man sie als Musiker etwa in Recording-Situationen, so lassen sie eventuell Störschall bis ans Aufnahmemikrofon passieren – das Kopfhörersignal wird also mit aufgenommen. Auch ist es nicht unbedingt empfehlenswert, zu einem offenen Modell zu greifen, wenn in relativ lauter Umgebung abgehört werden soll. Aufgrund der Konstruktionsweise offener Kopfhörer würde zu viel Störschall an das Ohr des Anwenders gelangen. Konzentriertes und somit effektives Abhören wäre nur noch bedingt möglich. Als klarer Vorteil von offenen Kopfhörern erweist sich allerdings der Umstand, dass der Anwender sich beim Tragen entsprechender Modelle normalerweise weniger von seiner Umwelt abgeschnitten fühlt. Eben weil auch Umgebungsschall ans Ohr des Nutzers dringt. Die Abhörsituation gestaltet sich insofern natürlicher. Vor allem Musiker empfinden daher gerade längere Arbeitsphasen als angenehmer, wenn offene Modelle Verwendung finden.

Mit geschlossenen Kopfhörern kann hingegen das oben beschriebene Auftreten von Störschall verringert werden. Das Gehäuse der Hörmuscheln ist hier möglichst schallundurchlässig gestaltet. Außerdem kommen häufig speziell angefertigte geschlossene Ohrpolster zum Einsatz. Man fühlt sich mit derartigen Modellen aber eben auch oft unangenehm von seiner Umwelt abgeschnitten. Darüber hinaus können beim Einsatz geschlossener Kopfhörer die Ohren des Anwenders auch schon mal wortwörtlich heiß laufen – geschlossene Kopfhörer sind meist kaum luftdurchlässig.
Man sollte daher auf das verwendete Material der Ohrpolster zu achten: Wer viel schwitzt, sollte sich womöglich für Velourspolster entscheiden, denn diese sind in der Lage, Schweiß aufzunehmen, im Gegensatz etwa zu sogenannten Softskin-Polstern (deutsch: Kunstlederpolstern).

Wandlerprinzip

Wie ein herkömmlicher Lautsprecher wandelt auch der Kopfhörer ein elektrisches Signal in ein akustisches. Sprich: Er versetzt ein Luftvolumen in Bewegung, wodurch ein Schallwechseldruck übertragen und das Signal schließlich hörbar wird. 

Im Studiobetrieb hat sich das sogenannte dynamische Wandlerprinzip durchgesetzt. Was vor allem auf die Robustheit, den unkomplizierten Einsatz sowie die vergleichbar günstige Produktion entsprechender Geräte zurückzuführen sein dürfte. Elektrostatische Kopfhörer finden sich zum Beispiel in professionellen Studios kaum, obwohl sie in der Audiowiedergabe aufgrund ihres Konstruktionsprinzips eigentlich für eine präzisere Abbildung prädestiniert sind. 

Vielen dürfte das Prinzip der dynamischen Wandlung auch von sogenannten Tauchspulen-Mikrofonen bekannt sein (bei denen die Wandlung in genau entgegengesetzter Richtung erfolgt, also ein akustisches in ein elektronisches Signal gewandelt wird). Beim dynamischen Kopfhörer bewegt sich eine an der Membran des Kopfhörers befestigte sogenannte Tauchspule in einem Magnetfeld analog zum elektrischen Signal. Da Tauchspule und Membran, wie gesagt, miteinander verbunden sind, kann Letztere das elektrische Signal entsprechend als Welle an das Medium (die Luft) übertragen.

Impedanz

Unter dem Begriff Impedanz wird der Wechselstromwiderstand verstanden, den die Tauchspule (oder auch engl.: Voice-Coil) des Kopfhörer-Wandlers dem Ausgang des Kopfhörer-Amps entgegensetzt. Eine Impedanz von 0 Ohm stellt einen Kurzschluss des Kopfhörerausgangs dar, wobei dieser so viel Strom liefert, dass er sich entweder abschaltet oder gänzlich das Zeitliche segnet. Bei unendlich hoher Impedanz fließt hingegen gar kein Strom. Während Lautsprecher mit Impedanzen von vier bis acht Ohm arbeiten, sind bei Kopfhörern Werte zwischen 16 und 600 Ohm die Regel.

Warum aber sind überhaupt unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Impedanzen erhältlich? Hierzu Peter Grooff, seines Zeichens Head of Global Sales Support von der Firma Beyerdynamic: „Generell ist es so, dass Kopfhörer oftmals für den Anschluss an tragbare Geräte entwickelt wurden. Diese arbeiten intern meist mit einer relativ niedrigen Spannung aus Batterien oder Akkus, diese Betriebsspannung begrenzt gleichzeitig die maximale Ausgangsspannung am Kopfhörerausgang. Ein niederohmiger Kopfhörer kann nun an einer niedrigen Ausgangsspannung eventuell lauter betrieben werden.“

»Dünnerer Draht bildet ein Audiosignal theoretisch genauer ab.«

Und wieso bieten die Hersteller dann nicht ausschließlich niederohmige Kopfhörer an? „Die Impedanz bestimmende Schwingspule besteht aus aufgewickeltem Kupferdraht“, erläutert Grooff. „Der ist allerdings auf dem weltweiten Drahtmarkt zwar in nahezu jeder gewünschten Länge, nicht aber in jeder Dicke erhältlich.“ Dünnerer Draht, so Grooff, hat einen höheren Widerstand als dickerer, es passe „halt weniger durch“. Das Magnetfeld, das eine Spule beim Anlegen des Audiosignals erzeugen soll, ist unter anderem von der Anzahl der Windungen abhängig. „Das führt dazu, dass für ein niederohmiges Wandlersystem relativ dicker – und damit auch schwerer – Draht notwendig ist. Da auch die eigentliche Membranfolie nicht unendlich leicht sein kann, ist die bewegte Masse relativ hoch.“ Eine größere Masse folgt jedoch einem Audiosignal weniger präzise als eine kleinere. Dünnerer Draht – man denkt es sich – bietet jedoch diese geringere Masse und bildet daher ein Audiosignal theoretisch genauer ab. Durch dünneren Draht wird jedoch auch die Tauchspule hochohmiger. Grooff weist auf die klanglichen Folgen hin: „Das heißt, bei ansonsten baugleichen Kopfhörern – zum Beispiel dem Beyerdynamic DT 770 PRO –
klingt die hochohmigere Variante üblicherweise neutraler, ist aber, je nach Kopfhörerverstärker, eventuell etwas leiser.“

Das heißt auch: Man wird je nach Anwendungsgebiet auf Kopfhörer mit unterschiedlichen Ohmwerten zurückgreifen. Instrumentalisten bevorzugen etwa während des Einspielens „lautere“, also: niederohmige, Varianten. In dieser Situation spielt schließlich eine klanglich optimale Wiedergabe nicht unbedingt die größte Rolle, oft aber ein möglichst hoher Pegel. Tontechniker greifen dagegen für gewöhnlich, wenn sie einen geschlossenen Hörer verwenden, eher auf hochohmigere – und daher präzisere – Versionen zurück“. 

So viel an dieser Stelle über Bauform, Wandlerprinzip und Impedanz. Wichtige Kenndaten, die eine Menge über das jeweilige Gerät aussagen können. Unterschätzen sollte man allerdings auch nicht Faktoren wie etwa den Sitzkomfort. Hier kommt die Theorie dann auch wirklich an ihre Grenzen. Ob das gewünschte Modell tatsächlich
dem eigenen Geschmack entspricht, lässt sich letztlich nur durch die Anprobe vor Ort beim Händler herausfinden.

Special - Die 7 Goldenen Regeln | des Kopfhörer-Einsatzes

Einsatz und Wahl des richtigen Kopfhörers erscheinen manchem vielleicht trivial. Tatsächlich gibt es aber auch hier einige allgemeingültige Regeln, die es unbedingt zu beachten lohnt. 

Was sollte man bei der Wahl des Kopfhörers beachten? Und ist das passende Modell einmal erstanden – wie gilt es, dieses dann einzusetzen, um optimale Resultate zu gewährleisten? Folgende 7 Regeln sollen euch bei der Beantwortung dieser und weiterer Fragen helfen.

1. «Verlasst euch nicht allein auf eure Kopfhörer.»

Im Zeitalter von Laptop-Produktionen wird es immer beliebter, hauptsächlich per Kopfhörer abzuhören. Sinnvoll ist dies nicht nur, weil es heute die Möglichkeit gibt, mit minimalem Equipment im heimischen Schlafzimmer an Songs zu arbeiten, wie auch im ICE oder Ferien-Apartment. Unbestreitbar ist außerdem auch, dass heute deutlich mehr Musik von den Konsumenten über Kopfhörer gehört wird als in vergangenen Jahrzehnten – es kann daher sehr hilfreich sein, diese Abhörsituation etwa schon beim Mischen nachzustellen.

Trotzdem: Kopfhörer können eine herkömmliche Studiomonitor-Abhöre nicht restlos ersetzen. Zwar gibt es mittlerweile eine Reihe digitaler Technologien, die den Unterschied zwischen normalen Lautsprechern und Kopfhörern kleiner werden lassen. Dennoch sind diese auch mit solchen Technologien noch nicht gänzlich ausgemerzt. Verlasst euch also nicht gänzlich auf eure Kopfhörer – nur so vermeidet ihr Phänomene wie die Im-Kopf-Lokalisation oder das Überbewerten klanglicher Details wirklich sicher.

2.«Bedenkt, für welche Anwendungen ihr eure Kopfhörer hauptsächlich nutzen wollt.»

Sicher, es gibt Kopfhörer, die sich für fast jede Anwendung eignen. Hier kommt es aber darauf an, was der Anwender von seinen Kopfhörern konkret erwartet. Ein offener Kopfhörer etwa kann für den einen Musiker bei der Recording-Session genau die richtige Wahl sein, während ein anderer hier geschlossene Modelle bevorzugt. Noch wichtiger werden etwaige Unterschiede in der Konstruktion, wenn es in den Bereich DJing geht. Hier muss zum Beispiel ein hoher Schalldruckpegel gewährleistet sein, um die mitunter enorme Lautstärke in einem Club übertönen zu können (mehr als 100 dB sollten es schon sein). Dafür kann man aber die Klangqualität einigermaßen vernachlässigen. Was gleich zwei Punkte sind, die etwa bei einem Gerät, das hauptsächlich fürs Mischen im Studio genutzt wird, ganz anders gewertet werden sollten. Außerdem legen viele DJs Wert darauf, dass sich die Ohrmuscheln möglichst weit drehen lassen, um auf schnellem Weg mit bloß einem Ohr abhören zu können.

3. «Achtet auf die richtige Passform.»

Anders als bei den meisten tontechnischen Gerätschaften ist der Abstand zwischen Mensch und Werkzeug beim Kopfhörer gleich Null. Das heißt vor allem, dass ihr unbedingt auf die richtige Passform achten solltet. Wer schon einmal auf der Suche nach dem richtigen Kopfhörer eine ganze Reihe von Modellen beim Händler probegehört hat, weiß, dass die meisten Geräte in den ersten Minuten einigermaßen komfortabel wirken. Das kann sich jedoch im Lauf eines mehrstündigen Einsatzes drastisch ändern. Und wer einmal mit einem Kopfhörer dasteht, der etwa schon nach einer Stunden zu heftig schmerzenden Ohren führt, hat sicherlich einen Fehlkauf getätigt. Zwar können Herstellerangaben, wie etwa jene zum Anpressdruck des Bügels, wertvolle Hinweise liefern (vor allem für erfahrene Anwender, die schon mit vielen verschiedenen Kopfhörern gearbeitet haben). Am Ende wird man aber am persönlichen Ausprobieren nicht herumkommen. Eine Rolle spielt hier auch der Umstand, ob es sich um ein ohraufliegendes oder ohrumschließendes System handelt. Während bei ohraufliegenden Kopfhörern die Polster des Geräts auf dem Ohr liegen, umschließen sie bei ohrumschließenden Systemen das gesamte Ohr. Erstere Systeme liegen meist weniger sicher auf dem Kopf, sind in der Regel aber deutlich leichter und häufig auch günstiger in der Anschaffung. Bei ohrumschließenden Systemen wird der Druck auf eine größere Fläche abgeleitet – mit dem Ergebnis, dass das System besser auf dem Kopf sitzt.

4.«Beachtet den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Systemen.»

Ein offener Kopfhörer lässt Schall in beiden Richtungen durch die Hörerschale passieren. Umgebungsgeräusche gelangen ins Innere des Kopfhörers, und gleichzeitig tritt der durch das Gerät erzeugte Schall nach außen. Klanglich macht sich der Unterschied in der Konstruktion vor allem durch eine etwas bessere räumliche Darstellung bei offenen Systemen bemerkbar. Außerdem fühlen Anwender sich aufgrund der offenen Konstruktion weniger schnell von der Umwelt abgeschnitten. Geschlossene Systeme haben dagegen, wie gesagt, den Vorteil, kaum Schall nach außen und wenig Schall nach innen zu lassen. In vielen Situationen ein unerlässliches Feature.

5.«Checkt den Klang eures Systems.»

Zwar kommt es längst nicht in allen Situationen darauf an, dass eure Kopfhörer optimalen Klang liefern – man denke beispielsweise an den Einsatz in der Drumbooth oder am DJ-Pult. Trotzdem solltet ihr zumindest darauf achten, dass der infrage kommende Kopfhörer bei höheren Lautstärken nicht anfängt, verzerrt zu klingen. Geht es um diffizilere Aufgaben, wie etwa den Einsatz bei einer Mixing-Session, sollten auch Daten wie der Impedanzwert eine Rolle spielen. Hochohmigere Modelle sind normalerweise – wie im Intro dieses Specials erläutert – neutraler im Klang, aber auch etwas leiser. Auch die Impulstreue und der Klirrfaktor eures Systems sollten dann stimmen. Ebenso wie natürlich der Frequenzgang und weitere Faktoren, die auch bei der Wahl von Studiomonitoren wichtig sind. 

6.«Achtet darauf, wie robust der Kopfhörer ist.»

Klar, robust ist irgendwie immer gut. Doch bei einem teuren Großmembran-Gesangs-Mic, das eh stets mit Seidenhandschuhen angefasst wird, oder etwa einem fest im Studiorack verschraubtem Kompressor, spielt dieses Merkmal doch eine kleinere Rolle als bei einem Werkzeug wie dem Kopfhörer. Letzterer wird täglich im normalen Arbeitseinsatz dutzende Male auf und abgesetzt – damit steigt natürlich auch die Gefahr, dass das gute Stück einmal zu Boden fällt. Wenn hier minderwertiger Kunststoff verbaut wurde oder sonst irgendetwas mit der Konstruktion nicht stimmt, sind schnell einige hundert Euro in den Sand gesetzt.

7.«Kauft nicht nur nach technischen Daten.»

Wie auch bei einem Musikinstrument hängt die Antwort auf die Frage, welcher Kopfhörer für euch der richtige ist, letztlich von eurem persönlichen Geschmack ab. Der eine mag es in den Bässen etwas dicker, der andere bevorzugt es in diesem Bereich knackig, aber zurückgenommen … Viel lässt sich über technische Ausdrücke fassen – doch längst nicht alles. Am Ende kommt es auf den Klang und Komfort des Systems an. Und beides muss man schlicht selbst ausprobiert haben, um sich wirklich sicher sein zu können. 

Special - Auf zum Kauf | Kopfhörer für jede Anwendung

Der Markt bietet ein reiches Angebot an Kopfhörern. Wir haben für euch einige Modelle herausgegriffen und ein wenig unter die Lupe genommen.

Die im Folgenden besprochenen Kopfhörer sollen keine repräsentative Auswahl darstellen. Aber indem wir uns hier vier Modelle etwas genauer anschauen, geben wir einen kleinen Einblick in den Markt und gehen gleichzeitig auf einige Faktoren ein, die euch beim Kauf des für euch perfekten Kopfhörers helfen können – selbst wenn ihr euch am Ende für ein ganz anderes Modell entscheidet.

Beyerdynamic DT 1990 PRO

Der DT 1990 PRO ist das neue Topmodell der Pro-Linie von Beyerdynamic. Vor allem als Werkzeug fürs Studio gedacht, baut dieser dynamische Kopfhörer wie auch schon sein Vorläufer DT 1770 PRO auf der sogenannten Tesla-Technologie auf. Der Begriff „Tesla“ dürfte vielen in zweierlei Hinsicht bekannt sein: zum einen als Name des berühmten serbischen Elektroingenieurs und Erfinders Nikola Tesla, zum anderen als Maßeinheit T, mit der die Stärke eines Magnetfelds bezeichnet wird, das auf einen stromdurchflossenen Leiter einwirkt. Im DT 1990 PRO verweist der Begriff Tesla jedoch auf eine Systemtechnologie, bei der unter anderem eine dreilagige Compound-Membran zum Einsatz kommt, die unerwünschte Partialschwingungen reduziert und im Studioeinsatz für eine neuartige Brillanz bei der Wiedergabe von Obertönen sorgen soll, ohne aber eine aufdringliche Basswiedergabe nach sich zu ziehen.

»Der Tesla-Antrieb soll für einen detailreicheren Klang sorgen.«

Laut Beyerdynamic zeichnet sich die technische Umsetzung besagter Technologie durch einen starken magnetischen Antrieb und verfärbungsarme Wiedergabe bei niedrigem Klirrfaktor aus. Der Tesla-Antrieb soll die Schall erzeugende Schwingspule im Kopfhörer „filigraner gestalten“ und so für einen detailreicheren Klang sorgen. Wobei die durch den Tesla-Wandler zusätzlich verfügbare magnetische Kraft sich in akustische Energie wandeln lässt, was insgesamt in einer druckvolleren Wiedergabe resultieren soll. Die Tesla-typische Kombination aus hohem Wirkungsgrad und weitgehend verzerrungsfreier Wiedergabe fand sich bereits im Beyerdynamic DT 1770 PRO. Anders als bei jenem Kopfhörer sind die Tesla-Wandler mit ihren enorm feinen Kupferdrähten jedoch nicht in ein geschlossenes System eingebunden, sondern bilden eine Komponente eines offenen Systems. Der daraus resultierende Unterschied zwischen beiden Geräten ist bezüglich ihres Einsatzes, aber auch in klanglicher Hinsicht relevant.

Klanglich überzeugt der DT 1990 PRO besonders in Sachen Räumlichkeit. Alle Instrumente sind bestens lokalisierbar (abhängig vom jeweiligen Mix natürlich), die Tiefenstaffelung ist für einen Kopfhörer beeindruckend präzise, das Stereobild wird sehr fein gezeichnet. Besonders überzeugt dieses Modell aber nicht zuletzt auch in puncto Im-Kopf-Lokalisation, die hier teilweise geradezu komplett wegzufallen scheint.

»Die Tiefenstaffelung ist für einen Kopfhörer beeindruckend präzise.«

Vor allem als akustische Lupe, die Ungereimtheiten im Mix oder Einzelsignalen aufdeckt, ist der DT 1990 PRO genau die richtige Wahl. Wer höchste Ansprüche an seinen Kopfhörer stellt, erhält mit diesem Modell ein klanglich hervorragend abgestimmtes Werkzeug, das widerstandsfähig konstruiert wurde und einen sehr guten Tragekomfort bietet.

Sennheiser HD6 MIX

Sennheisers HD6 MIX isoliert recht stark von außen und lässt sich wirklich komfortabel tragen. Klanglich überzeugt der HD6 MIX durch transparente Mitten, die durch eine sehr schöne Präsenz brillieren. Der Bass ist zwar kräftig, wird allerdings nicht ganz so scharf abgebildet, wie man es von anderen Modellen des Herstellers kennt. Hie und da mangelt es an Impulstreue, um etwa perkussive Attacks angemessen beurteilen zu können. Dafür zeigt er sich wesentlich subbass-stärker als andere Modelle. Wer von seinen Headphones eine gehörige Portion Schub verlangt, liegt hier richtig. Die Höhenwiedergabe hätten wir uns aber ein wenig ausgeprägter gewünscht. Sie leidet etwas unter dem allgemein sehr bassbetonten Klang, den mancher vielleicht gar als „dumpf“ bezeichnen würde.

»Sennheisers HD6 MIX isoliert recht stark von außen.«

Stereobild und Tiefenstaffelung stimmen. Die einzelnen Signale erscheinen klar separiert. Trotz einer gewissen Hi-Fi-Tendenz (Basswiedergabe) gefiel der HD6 MIX durch eine hohe Plastizität der Signale auf der Stereobühne. Positiv bemerkbar machte sich auch, dass der Frequenzgang bei sehr unterschiedlichen Lautstärken annähernd konstant blieb. Bei anderen Produkten sind hier ja durchaus schon mal Ausbrüche zu vermelden. 

Audio-Technica ATH-M50x

Auch bei Audio-Technicas Kandidat handelt es sich um ein geschlossenes, dynamisches Modell. Mit nur 38 Ohm verfügt es außerdem über eine vergleichbar niedrige Impedanz. Durch seine zusätzlichen Gelenke lassen sich die Ohrmuscheln Audio-Technica ATH-M50x sehr viel weiter drehen als bei den meisten anderen Modellen (bis zu 90 Grad). Insofern bietet sich dieser Kopfhörer unter anderem für DJs an.

45-mm-Treiber mit Neodym-Magnetsystem und CCAW-Schwingspulen sorgen für einen ausgewogenen Sound mit sauber gezeichneten Transienten und einem Stereobild, das nicht ganz an das des DT 1990 PRO heranreicht. Der Tiefbass des ATH-M50x fällt recht kräftig aus. Ähnliches gilt für die Höhen, die bei hohen Lautstärken das Gehör ein wenig ermüden können. Ein echtes Plus muss man Audio-Technicas Modell aufgrund seiner Impulsstärke ausstellen. 

Scheinen die Ohrmuscheln zunächst für einen circum-auralen (ohrumschließenden) Kopfhörer relativ klein und können vielleicht zunächst das Gefühl vermitteln, die Ohren nicht wirklich zu umfassen, so zeigt sich bei längerem Abhören doch, dass Audio-Technica sich hinsichtlich des Tragekomforts einige Gedanken gemacht hat: Der ATH-M50x wirkt zu Beginn etwas hart, nach längerer Tragezeit erweist sich das Design jedoch als genau richtiger Kompromiss. Dazu trägt vermutlich auch der vergleichbar geringe Anpressdruck der Ohrmuscheln bei.

Shure SRH840

Mit 376 g legt der Shure SRH840 im Vergleich zum ATH-M50x noch ein paar Gramm oben drauf. Nicht nur sind die Ohrmuscheln vergleichbar groß, auch der – sehr flexible – Kopfbügel dieses Modells wirkt schwerer als etwa der des ATH-M50x. Alles in allem lässt sich aber auch dieser Kopfhörer angenehm tragen. Die Beweglichkeit der Ohrmuscheln ist jedoch im Vergleich zum ATH-M50x deutlich eingeschränkt (dafür ist der Bügel zusammenklappbar, was sich bei mobilen Anwendungen als Vorteil erweisen kann). Wer den SRH840 vornehmlich beim Mischen und nicht auf der DJ-Kanzel nutzen möchte, hat aber nichts zu befürchten: Auch Shures Kandidat passt sich dem Kopf optimal an. 

Doch kommen wir zum wichtigsten Aspekt: dem Sound. Dieser zeigt sich zwar neutral genug, um den SRH840 auch für Mixing-Aufgaben zu empfehlen. Insgesamt fällt der Frequenzgang jedoch nicht übertrieben analytisch aus. Will heißen: Hier macht das Hören auch Spaß, wenn man mal nicht auf der Suche nach Schwächen im Klangbild ist. Was nicht heißen soll, dass sich mit dem SRH840 nicht analytisch hören ließe. Im Gegenteil: Die Abbildung ist sehr detailliert und der Frequenzgang recht ausgewogen. Etwas einhören muss man sich aber auf die leichte Anhebung bei circa 3 bis 5 kHz. Auch dies ist aber nichts, was den SRH840 disqualifizieren würde. Für bestimmte Anwendungen und andere Geschmäcker ist dieser Boost in den unteren Höhen vielleicht sogar genau das Richtige. Sehr gut gefallen auch die Bässe, die ausreichend Druck machen, aber nicht zu wummernd tönen – genau der richtige Kompromiss aus Trockenheit und Kraft.

Natürlich hält der Markt noch unzählige weitere Modelle bereit. Bei der Suche nach den richtigen Kopfhörern kommt ihr an akribischem Ausprobieren definitiv nicht vorbei.

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