Special: Guide-Track-Produktion für Studio, Bühne und Proberaum

Guide-Tracks zählen im Studio zu den Standard-Werkzeugen. Aber auch auf der Bühne haben sie ihre Berechtigung. Wir zeigen euch, wie man Guide-Tracks erstellt und einsetzt.

 

Unter einem Guide-Track versteht man eine Audio-Spur, an der Musiker sich orientieren können, um eine möglichst optimale Performance abzuliefern (der englische Ausdruck "Guide-Track" bedeutet soviel wie "Leitspur"). Wozu dem Musiker diese Form der Führung genau dient, hängt von der jeweiligen Situation beziehungsweise von den Wünschen des Musikers selbst ab. So kann ein Guide-Track vornehmlich das Tempo vorgeben, oder (was meist zutrifft) er kommt zusätzlich als Orientierungshilfe bezüglich der Songparts zum Einsatz. Er hilft dem Musiker also dabei, zu erkennen, wann die Bridge einsetzt, ein bestimmtes Fill-In erklingt und so weiter.

Ebenso kann ein Guide-Track aber auch einen bestimmten Groove, eine bestimmte Spielweise oder Ähnliches vorgeben. Oder er soll es dem Produzenten oder Tontechniker im Studio erleichtern, zu verstehen, wie sich die Künstler einen Part oder einen ganzen Song wünschen.

Nach dem klanglichen oder musikalischen Charakter des Guide-Tracks können das geeignete Equipment (Mikrofone, Preamps, Effektgeräte) oder besondere Recording-Techniken (Close- oder Distanz-Mikrofonierung, Raum-Optimierungen) gewählt werden.

Gerade wer im Studio nur einen sehr begrenzten Zeitraum zur Verfügung hat und über das notwendige Home-Recording-Know-how verfügt, sollte sich überlegen, Guide-Tracks auch zu diesem Zweck einzusetzen. Hier macht es Sinn, die Guide-Tracks in unterschiedliche Stems (aus mehreren Spuren bestehenden Audio-Summen) mit unterschiedlichen Instrumenten-Kombinationen aufzuteilen.  

Der akustische Leitfaden

Beim Einsatz als "akustischer Leitfaden" für Produzent und Techniker, aber auch zum Beispiel für Session-Musiker ist die Grenze zum Demo fließend. Also zu einer mehr oder weniger ausgearbeiteten Songskizze, die – wie auch das Erstellen von Guide-Tracks – einen Teil der Pre-Production darstellt.

Beim Guide-Track, der vornehmlich als Tempo-Vorgabe genutzt wird, kann dagegen die Grenze zum Click-Track überschritten werden. Der Click-Track ist eine Audio-Spur, die ähnlich einem Metronom über einfach gehaltene, in der Regel monofone Klänge (Piep-Sound, Kuhglocke, Rimshot …) und entsprechend der Taktart des Song den Beat vorgibt. Unter einem Guide-Track versteht man eine deutlich weiter ausgearbeitete Audio-Spur, die dem Musiker mehr Informationen zur Orientierung bietet.
Eine andere Form von Audio-Spuren, die sich mit Guide-Tracks durchaus überschneiden kann, sind Zuspieler-Spuren

Zuspieler per DAW, Sampler und Co.

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Arten von Zuspieler-Anwendungen unterscheiden:

Bei der ersten — traditionellen — Variante fungieren DAWs, Multitracker, Sampler und Co. gewissermaßen als digitale Bandmaschinen. Mehr oder minder üppige Playbacks werden zur Unterstützung des eigenen Live-Sounds starr abgespielt. Viel mehr, als zuvor aufgenommene oder programmierte Songs zu starten, ist hier während der Performance meist nicht zu erledigen.

Die zweite Variante des Zuspieler-Einsatzes ist aufwändiger, birgt aber auch größeres musikalisches Potenzial. Moderne Audio-Software kann in Kombination mit Hardware-Controllern als schlagkräftiges Tool für die eigene Performance genutzt werden. Ein bloßer Zuspieler mutiert so schnell zum tatsächlich bespielbaren Instrument mit reichlich Möglichkeiten zur Improvisation.

In letzterem Fall hat der Zuspieler wenig mit einem Guide-Track zu tun, da er live vom Künstler beeinflusst wird. In diesem Moment taugt er nicht mehr oder nur noch bedingt als Orientierungshilfe. In ersterem Fall kann man die Zuspieler-Spuren aber in vielen Fällen durchaus als Guide-Track begreifen und einsetzen.

Der Zuspieler — als starres Element im Gesamtsound — liefert hier zweierlei:

  • er erweitert den Sound der Live-Performance
  • er dient den Künstlern als Orientierungshilfe.

Der häufige Einsatz von Guide-Tracks im Studio ist eine Folge der Entwicklung des Mehrspur-Recordings beziehungsweise des Overdubbings. Aufnahmen werden heute meist so durchgeführt, dass man als Formation nicht zusammenspielt, sondern je eine Spur nach der anderen aufgenommen wird. Der Song entsteht sozusagen in Schichten — synchron nebeneinander liegen die Parts dann erst in der DAW (dem HD-Recorder, dem Tape etc.).

Im Proberaum und auf der Bühne hat man als Musiker die Möglichkeit, sich in vielerlei Hinsicht an seinen Mitmusikern zu orientieren. Gäbe es keine Guide-Tracks, würde diese Möglichkeit im Studio komplett fehlen (vorausgesetzt man nimmt nicht live auf). Die Musiker müssten blind spielen.

Sehr geübte Musiker sind dazu sicherlich in der Lage. Selbst Studio-Profis geraten aber in Schwierigkeiten, wenn Feinheiten im Groove eines Songs, Tempo-Änderungen, leichte Tonverschiebungen oder Ähnliches ohne Anhaltspunkt umgesetzt werden sollen. Denn diese Aspekte eines Songs sind in der Regel eng mit der Performance der übrigen Musiker verknüpft.

Mehr Einblick, wie ihr Guide-Tracks richtig einsetzt, bekommt ihr hier.