Special: Die perfekte Bühnenshow

Das Auge isst mit! Das gilt natürlich auch für Konzerte. Grund genug, sich also mal Gedanken zu machen, wie wir auf der Bühne wirken und wie wir den Eindruck der eigenen Show stärken.

Bühnengestaltung und Show-Utensilien

„There’s no business like Showbusiness”

Ein Livekonzert ist kein CD-Player. Euer Publikum will Entertainment. Ginge es nur um die Musik, dann könnte man auch zu Hause euren Tracks lauschen. Menschen haben verschiedene Sinne und das Sehen ist ein wesentlicher, wenn nicht vielleicht sogar der stärkste Sinneseindruck. Klar geht es bei Soundcheck viel um die Ohren und das Equipment, das ihr dafür brauchen könnt. Doch in diesem Special werden wir Futter und Tools für den Sehnerv besprechen.

Soundcheck macht euch ja seit einiger Zeit mit der Workshop-Reihe „Performance Coaching“ fit. Hier geht es um Gesten, die mentale Einstellung, Selbstwahrnehmung und vieles mehr. In diesem Special werden wir die ganze Sache mehr vom technischen Standpunkt betrachten. Es gibt Bands, die sind für ihre Shows bekannt. Acts wie Pink Floyd, Rammstein oder Musical-Inszenierungen wie „König der Löwen“ oder „Starlight Express“ wären ohne Showelemente undenkbar. So wie jeder gute Film nicht nur von den Schauspielern lebt, so lebt jedes Konzert nicht nur von den reinen musikalischen Fähigkeiten der Band.

»Wer ein breites Publikum ansprechen will, sollte die Inszenierung seines Auftrittes bedenken.«

Das mag man gut finden oder bedauern. Es ändert aber nichts. Selbstverständlich gibt es Nischen. Bands, deren Publikum hauptsächlich aus Musikern besteht zum Beispiel. Diese erfreuen sich an der Virtuosität und an genialen Songs und Spieltechniken. Dabei ist es eher egal, wie die Künstler gerade aus dem Tourbus fallen. Doch schon im kleinsten Stadttheater wird mittlerweile die Show aufwendig inszeniert. Oder habt ihr schon einmal ein Sinfonieorchester in Jogginghosen gesehen? Das Thema Kleidung stellt sich aber nur als ein Aspekt unter vielen dar.

Wer ein breites Publikum ansprechen und den eigenen Erfolg erhöhen will, der sollte sich um die Inszenierung seines Auftrittes Gedanken machen. Dabei hat man es als Band am Anfang der Laufbahn schwer. Wie bekommt man Showelemente überhaupt realisiert, wenn man nur auf Clubtour ist oder sich von einem lokalen Stadtfest zum nächsten spielt? Hier kann man ja nicht mit einem 40-Tonner voller Material anrollen. 

Neben allem, was man durch sein Verhalten (Auftreten, Ansagen, Songreihenfolge) bewegen kann, bietet die Industrie einiges an Dingen, welche zur Aufwertung der Show verwendet werden können. Doch nicht immer muss man die Bandkasse plündern. Wer kreativ und geschickt ist, kann vieles selbst entwerfen und umsetzen. Für eine grobe Orientierung teilen wir in Kategorien ein: Aufbauten, Licht, Effekte, Kostüme und Requisiten.

Aufbauten

Eine Bühne ist ein räumliches Gebilde aus drei Dimensionen und mehreren Zonen. Die Musiker bewegen sich im dreidimensionalen Raum in ihr. Die meisten Acts nutzen maximal zwei Dimensionen aus. Die Breite und die Tiefe. Die Höhe wird vernachlässigt. Logisch, dass man „fliegende Musiker“ als Newcomer nicht umsetzen kann. Zu hoch sind hier die Anforderungen an Material, Personal und Sicherheit. Trotzdem kann man die dritte Dimension bespielen. Stageriser sind die gängigste Lösung. Üblicherweise werden auf selbigen Drummer, Bläser oder Keyboarder platziert. So werden diese Musiker hinter der Frontlinie aus Sängern und Gitarristen sichtbar.

Höchstwahrscheinlich hat jeder Musiker schon mal mit solchen Stagerisern gearbeitet. In der Regel werden diese von örtlichen Bühnenbauern oder PA-Firmen gestellt. Wer selbst Gigs organisiert oder einfach sicher gehen will, dass immer ein ausreichend großes Podest zur Verfügung steht, kann diese selbst anschaffen, die Kosten sind überschaubar. Ein 4-x-2-Meter-Podest ist für rund 450 Euro erhältlich. Das dürfte für die meisten Drummer und Keyboarder ausreichen. Das Problem ist eher Packmaß und Gewicht. Wer nur mit PKWs zu Gigs reist, wird schnell auf Schwierigkeiten treffen. Ein Bandbus ist hier deutlich ratsamer.

Bei der Planung einer Show teilt man die Bühne gerne in Zonen ein. Im Theater spricht man von „Gassen“. Für unsere Zwecke wollen wir das stark vereinfachen und sprechen von drei bis vier Zonen. Die mittleren Zonen sind der Lebensraum der Musiker. Bei kleinen Combos stehen alle Musiker nebeneinander auf der Bühne. Sind mehrere Musiker beteiligt macht man üblicherweise zwei Zonen. Vorne Gesang, Gitarre, Soloinstrumente, hinten Schlagzeug, Tasten und so weiter. Großensembles wie Bigbands oder Orchester brauchen mehrere Reihen, die häufig durch Riser gestuft sind. Das ist aber keine eiserne Regel. Eine Billy-Joel-Coverband platziert den Keyboarder lieber vorne, während ein Hiphop / Dance-Act die erste Reihe für Rapper und Tänzer freihält. Es hängt eben stark vom Stil eurer Band ab.  

Die vorderste Zone könnt ihr mit einem Vorhang versehen (passendes Trussing beziehungsweise Hängemöglichkeiten vorausgesetzt). Ein Vorhang ist ein relativ einfaches aber wirkungsvolles Showelement und aus diesem Grund auch in so gut wie jedem Theater vorhanden. Vor der Show hält sich das Publikum schon im Zuschauerraum auf. Es ist erwartungsvoll und neugierig. Ihr erhöht diese Gefühle, in dem ihr den Ort des Geschehens (die Bühne) verdeckt. Ein individueller Vorhang, zum Beispiel mit Farbsprache oder Logo der Band steigert den Effekt weiter. Achtet aber unbedingt auf geltende Brandschutzbestimmungen. Die Textilien müssen die höchste Brandschutzklasse B1 haben. Geht also nicht in Omas Schneiderei, sondern deckt euren Bedarf bei professionellen Bühnenausstattern. Mit Beginn der Show öffnet sich der Vorhang und euer Publikum wird in das Geschehen reingezogen. Ein eigenes Bandintro oder eine Vorhangmusik legt noch eine Schippe Spannung drauf.

Oft könnt ihr auch den Backdrop nutzen. Diese Fläche steht euch ebenfalls zur Verfügung. Klassischerweise bringt man hier ein Bandbanner an. Aufpassen müsst ihr bei Festivals und Open-Airs. Nicht selten hängt der Veranstalter Banner von Sponsoren (Lokalzeitung, Brauerei, Medienpartner) in die hinterste Zone. Wer diese mit dem eigenen Bandbanner überdeckt, der hat den Ärger schon vorprogrammiert. Anders als im Western gilt hier: Erst fragen, dann hängen. Genauso effektvoll sind weiße Projektionsflächen, die man mit Content aus einem Beamer bespielt.

Licht

Über Lichttechnik kann man ganze Bücher schreiben. Aus diesem Grund geht es in diesem Special auch nicht um Lichtdesign und Grundlagen, sondern um Speziallicht, mit dem ihr euch von anderen Bands absetzt. Ein Beispiel dafür wären Knicklichter, die man ans Publikum verteilt. Die große Ballade kann so von den Zuhörern unterstützt werden. Man kann sogar verschiedene Farben an verschiedene Personen ausgeben (Frauen / Männer, vorderer Bühnenraum / Ränge) und mit entsprechender Moderation eine Choreographie einüben. Kauft man größere Mengen (>50 Stück) ist ein Einzelpreis von ca. 30 Cent pro Knicklicht realistisch. Ob es einem das Geld wert ist und wie man ökologisch zu diesem „Wegwerf-Artikel“ steht, muss jede Band individuell klären.

Sehr beliebt bei Bands sind Kerzen oder Wunderkerzen. Doch hier gilt mein eindringlicher Rat: Hände weg von offenem Feuer auf der Bühne und im Zuschauerraum. Wenn wirklich was passiert, seid ihr schnell dran. Feuerwehr und Staatsanwaltschaft haben im Ernstfall wenig Verständnis für Argumente wie „Das machen doch alle“, „Wir haben gedacht da passiert nichts“ oder „Für die Showatmosphäre ist das wichtig“. Was ihr in den eigenen vier Wänden macht und dürft ist eine Sache, was auf einer öffentlichen Veranstaltung erlaubt ist, eine andere.

Besser sind Kerzen auf LED-Basis. Inzwischen gibt es Modelle, die aus üblichen Distanzen recht realistisch aussehen und stimmungsvolles, flackerndes Licht verbreiten. Kleine LED-Lichter in ungewöhnlichen Formen (zum Beispiel Getränkedosen) fallen in die gleiche Kategorie. 

Mit Lasern lassen sich fantastische Effekte erzeugen, besonders, wenn sie mit einer Nebelmaschine kombiniert werden. Die Preise sind inzwischen so gefallen, dass auch Bands mit überschaubaren Budgets Laser einsetzen können.

Effekte

Hier darf man sich reichlich aus dem Theaterfundus bedienen: Die Konfettikanone für die Schlagercombo oder Glitzer für Lovesongs. Wem dies zu spießig ist, der bestellt noch ein paar Liter Kunstblut und mixt die Partydekoration in pink mit einer ordentlichen Dosis Splatter-Romantik.

Die meisten Effekte sind ohne Genehmigung einsetzbar, solange man die Gebrauchsanweisung beachtet. Schwierig wird es, wenn ihr Sachen aus dem Ausland importiert. Hier spart man ein paar Euros, erhält aber Produkte, die in Deutschland eventuell keine Zulassung haben. Finger weg!

Problematisch, wenn auch verlockend, ist Pyrotechnik.Was passt besser zu einer düsteren Industrialshow als Feuerfontänen und Explosionen? Ohne Fachpersonal ist dies aber nicht durchführbar! Es gibt einfaches Feuerwerk ab 18 Jahren. Dieses Theaterfeuerwerk der Klasse T1 ist trotzdem nicht ganz ungefährlich und muss in der Regel vor Verwendung vom örtlichen Brandschutzbeauftragen oder der Behörde abgenommen werden. Zu keiner Zeit darf eine Gefährdung von Location oder Publikum gegeben sein. Ebenso muss klar sein, dass durch die Verwendung kein Feueralarm (zum Beispiel durch Rauch) ausgelöst wird. Ein anrückender Löschzug auf Grund von Fehlalarm ist nämlich für die Bandkasse meist ungünstig und kann ziemlich teuer werden. Setzt ihr Nebelmaschinen ein, solltet ihr gleichfalls klären, dass kein Rauchmelder anspringt.

Kostüme

Kostüme bringen einen hohen Wiedererkennungswert. Dabei muss man ja nicht rumlaufen wie ein Mitglied des örtlichen Trachtenvereins wenn man Rock / Pop macht. Denkt an Künstler wie Jamiroquai, Peter Fox und seine Stadtaffen oder natürlich die Classic-Rocker KISS. Allesamt Acts, die man an ihrem Outfit sofort erkennen kann.

Jeans und T-Shirt sind selbstverständlich auch legitime Auftrittsklamotten. Wer sich für mehr Individualität interessiert, der sollte allerdings ein paar Dinge beachten: Passen Farben und Stil zum Gesamt-Image der Band? Komplett in Schwarz als Kinderliedermacher die Bühnen zu rocken, ist keine so gute Idee. Die Metalband im Hello-Kitty-Look hingegen könnte ich mir schon wieder als reizvollen Stilbruch vorstellen. Aber will man Comedy machen? Fühlen sich alle Bandmitglieder in ihren Kleidern wohl? Professionelle Schauspieler sind es gewohnt, in allen möglichen Klamotten aufzutreten, aber nicht jeder Musiker kann das. Die Sängerin, die privat am liebsten Schlabberpulli trägt, findet eure Idee mit kurzem Rock und riesigem Ausschnitt vielleicht nicht so gelungen. Oder der Keyboarder mit Jeans und Polo-Hemd ist kein Fan der hautengen Lederhose. Besorgt Klamotten, die sich gut waschen lassen und strapazierfähig sind. Bühnenklamotten sind schnell verschwitzt. Wer nach jeder Show die örtliche Reinigung ansteuern muss, ist schnell genervt. Wie verfahrt ihr, wenn ihr mehrere Shows an einem Wochenende spielt? Wie macht ihr es, wenn Aushilfen in der Band eingesetzt werden? Für Top-40-Bands ist es nicht unüblich, Aushilfsmusiker zu beschäftigen.

Requisiten

Richtig spannend wird das Thema Bühnengestaltung im Bereich Requisiten. Die wohl üblichste Requisite ist der Barhocker. Auf ihm nimmt der Sänger lässig Platz. Aber auch andere Sitzgelegenheiten können Showelemente werden. Ohrensessel, Sofa, ein leeres Whiskyfass … Baut es in die Moderation ein und seid kreativ.

Schon ungewöhnlicher sind Instrumenten- und Verstärker-Attrappen. Die Wand aus Marshallverstärkern oder die Einhausung eines Keyboards in ein Flügelgehäuse sind effektvolle Tricks. Gerade wenn die Stilistik eine bestimmte Erwartungshaltung beim Publikum erzeugt. Wer eine Elton-John-Show besucht, der erwartet einen Flügel. Tontechnisch und logistisch ist es aber vielleicht gar nicht sinnvoll mit so einem Instrument zu reisen. E-Piano ins Gehäuse, fertig. Wer ultrabrutalen Gitarren-Metal abfeiert, möchte den Fans die Illusion einer Gitarrenverstärkerwand bieten, auch wenn alles in Wirklichkeit über eine Amp-Simulation direkt ins Pult geht. Es gibt hier fertige Lösungen zu kaufen oder man schwingt selbst Säge und Hammer.

Ungewöhnliche Stative sind ein Hingucker. Als Inspiration könnt ihr Jonathan Davis’ (Korn) Mikro-Stativ, die Steam-Punk-Mikrofonständer von Subway to Sally oder den Keyboardständer von Jordan Rudess (Dream Theater) betrachten. Perfekte Symbiose von Form und Funktion.

Noch einen Schritt weiter gehen Requisiten, die einen ganz gezielten thematischen Bezug zur Show oder einzelnen Songs haben. Manchmal reichen schon kleine Dinge. Ein Martini oder eine Walter-PPK-Pistole für den James Bond-Song, eine Zigarre oder eine Kunstblume. Solche Aktionen lassen sich beliebig ausbauen. Die Übergänge zum Theater sind fließend. Mir ist zum Beispiel eine Blues-Brothers-Band unvergesslich geblieben, die das komplette Bluesmobil in Form eines alten Polizeiautos im Tourgepäck hatte.

Tribute-Bands, wie beispielsweise „The Australian Pink Floyd Show“ treiben gerne einen großen Aufwand, um Showelemente ihrer Vorbilder zu kopieren und so die Illusion für das Publikum perfekter zu machen. Meiner Meinung muss aber alles zum Status quo passen. Wenn ihr eine unbekannte Indie-Band seid, die am Anfang ihrer Karriere steht, dann solltet ihr eher schauen, dass die Musik richtig groovt und baut erst nach und nach zu euch passende Showelemente ein. Denn letztlich geht es uns ja immer noch um die Musik. Wer meint, sein Publikum mit übertriebenen Aktionen blenden zu können, wird schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt.

 

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