Special: Das richtige Mikrofon finden

Condenser oder dynamisch? Niere oder Kugel? Groß- oder Kleinmembran? Wer richtig mikrofonieren will, dem stellen sich eine ganze Reihe wichtiger Fragen. In unserem Special klären wir, wie ihr das passende Mikro für eure Anwendung findet und klug einsetzt.

Die Wahl des richtigen Mikrofons ist entscheidend für die Qualität einer Aufnahme. Nicht zuletzt dank günstiger Produktionsstätten in Fernost hat sich die Auswahl an Mikrofonmodellen in den letzten Jahren enorm erweitert. Neben den großen Herstellern mit langer Tradition gibt es mittlerweile auch viele neue, kleine Anbieter, die sich ihre Nischen am Markt erfolgreich gesucht haben. Und obwohl der Fortschritt im Vergleich zur Welt der digitalen Produkte hier recht gemächlich voranschreitet, gibt es doch immer wieder kleinere Neuentwicklungen. All dies macht die Wahl des richtigen Mikros nicht einfacher. 

Unser Special hilft euch dabei, den richtigen Schallwandler für euren Einsatzzweck zu finden. Betrachten wir hierfür zunächst die wichtigsten Merkmale und Typen von Mikrofonen:

Dynamische Mikrofone

Die entscheidendsten Elemente des dynamischen Mikros finden sich in der Mikrofonkapsel: Membran, (Tauch-)Spule und Magnet bilden das ausschlaggebende technische Trio. Der dynamische Wandler arbeitet nach dem Prinzip der Induktion. Technisch wird hier eine Membranschnellebewegung in eine Spannungsänderung gewandelt. 

Das gebräuchlichste dynamische Mikro ist das sogenannte Tauchspulenmikrofon, bei dem eine Magnetspule fest mit der Membran verbunden ist. Der Name „Tauchspule“ geht auf den Umstand zurück, dass hier eine frei hängende Spule in ein statisches dauermagnetisches Feld „eintaucht“, wenn die Membran durch Schall angeregt wird. Durch diese Bewegung der Spule im Magnetfeld wird eine Spannung induziert, die sich analog zum Schallereignis verhält. Ergebnis: ein elektrisches Abbild der akustischen Schallwelle.

Dynamische Mikrofone benötigen, anders als Kondensatormikros (Elektret-Condenser ausgenommen), keine externe Spannung und sind normalerweise auch robuster als Kondensatormikrofone. Beides sorgt dafür, dass sie sich unter anderem im Live-Einsatz besonderer Beliebtheit erfreuen. Ebenso zeigen sich die meisten dynamischen Mikros hinsichtlich ihrer Rückkopplungsfestigkeit im Vergleich zu Condensern überlegen. Ein häufiger Nachteil ist allerdings, dass sie zwar die Mitten meist sehr akkurat wiedergeben, sich aber gerade für Signale, bei denen es auf eine akkurate Reproduktion der Tiefen und Höhen ankommt, mitunter weniger gut eignen. Aus diesem Grund sieht man zum Beispiel bei der Abnahme von Becken dynamische Mikros seltener. Zudem sind dynamische Schallwandler nicht so impulsfreudig wie Kondensator-Mics, da ihre vergleichbar schwere Tauchspule sich behäbiger zeigt als die Membran eines Condensers.

Eine Sonderform des dynamischen Mics ist das Bändchenmikrofon. Als Membran wird hier ein nur wenige Mikrometer dicker Aluminiumstreifen verwendet, der zwischen den Polen eines Permanentmagneten eingespannt ist. Durch den Schall in der Luft wird das Aluminiumbändchen angeregt. Diese Bewegung des Bändchens im Magnetfeld induziert eine Spannung, die schließlich an den Enden des Bändchens abgegriffen wird. 

 

Bändchenmikrofone bilden recht detailliert ab. Sie klingen voluminös, weich und verfügen über einen stark ausgeprägten Nahbesprechungseffekt (tiefe Frequenzen werden bei Annäherung an die Mikrokapsel relativ kräftig betont). Bändchen-Mics können allerdings nur einen sehr geringen Output-Pegel erzeugen. Ihre fragile Bändchenkonstruktion ist außerdem gegenüber Erschütterungen und Luftstößen sehr empfindlich.

Kondensator-Mikrofone

Beim Kondensator-Mikrofon fungiert eine elektrisch leitende Membran als Elektrode. Dieser Elektrode ist eine Gegenelektrode gegenübergestellt. Wenn die elektrisch leitende Membran durch Schall zum Schwingen angeregt wird, nimmt sie unterschiedliche Abstände zur fest installierten Gegenelektrode ein. Hierdurch ändert sich analog auch die Kapazität des Kondensators, der als Folge der beiden Elektroden des Mikros entsteht. Die auf der Zeitachse je unterschiedlich ausfallende Kapazität wird schließlich als elektrisches Signal ausgegeben.

 

Die Membran eines Kondensatormikrofons kann, wie schon erwähnt, aufgrund ihres geringen Gewichts schnellen Impulsen deutlich besser folgen, als dies bei Tauchspulenmikrofonen der Fall ist. Kondensatormikrofone empfehlen sich daher unter anderem, wenn es auf hohe Empfindlichkeit beziehungsweise klangliche Transparenz ankommt. Auch der Übertragungsbereich von Condensern ist in der Regel größer als bei Tauchspulen. 

Ein wichtiger Unterschied zwischen Tauschspulen- und Kondensator-Mikros liegt außerdem in der benötigten Spannungsversorgung, denn diese ist bei Condensern nicht zu vermeiden: Wie erwähnt, benötigt die Mikrofonkapsel eines Kondensator-Mikrofons, um sein Kondensatorelement aufzuladen, eine elektrische Vorspannung – die allerdings auf unterschiedliche Weise zur Verfügung gestellt werden kann. 

So kann bei Elektret-Condensern etwa auf externe Phantomspannung verzichtet werden. Zwar ist auch der Wandler eines Elektret-Kondensatormikrofons wie ein Plattenkondensator aufgebaut. Allerdings wird die elektrische Ladung hier nicht über eine externe (Polarisations-) Spannung erzeugt (beim herkömmlichen Kondensator meist 48 Volt), sondern ist in der Membran beziehungsweise auf der Oberfläche der Gegenelektrode permanent gespeichert. Obwohl im Recording-Bereich seltener anzutreffen, stellen Elektret-mikrofone weltweit mit satten 90 Prozent Marktanteil die am meisten eingesetzten Mikrofone dar und finden etwa als Bauteil von Telefonen und Hörgeräten Verwendung. 

Die Richtcharakteristik

Die Richtcharakteristik (engl.: Polar Pattern) eines Mikrofons gibt Auskunft darüber, wie stark Schallwellen aus verschiedenen Richtungen eingefangen werden. Die Empfindlichkeit eines Mikrofons zu den unterschiedlichen Seiten ist dabei immer frequenzabhängig. Am häufigsten stößt man auf die Richtcharakteristik Niere. Das Mikrofon ist hier seitens der Einsprechrichtung am empfindlichsten. Von der Seite wird weniger Schall und von hinten fast gar nichts mehr aufgenommen. Eine Sonderform der Nierencharakteristik stellen die Hypernieren beziehungsweise Supernieren dar. Beide Richtcharakteristiken sind noch einmal stärker gerichtet als die normale Niere (Hypernieren stärker als Supernieren), nehmen aber auch noch mehr Schall von hinten auf. Beim Polar Pattern Kugel ist das Mikro dagegen zu allen Seiten gleich empfindlich, während bei einer Achter-Charakteristik Schall von vorne und hinten, aber kaum von den Seiten eingefangen wird.

Neben der Richtcharakteristik gibt es noch eine ganze Reihe an weiteren wichtigen Mikrofon-Spezifikationen. So erhält man etwa durch die Angabe der Empfindlichkeit, Auskunft über die Höhe des Ausgangspegels des entsprechenden Schallwandlers (bei einem definierten Schalldruck), während der Grenzschalldruck beschreibt, ab welchem Schalldruck damit zu rechnen ist,  dass das Mikrofon anfängt, zu verzerren. Wichtig ist das Beachten des letztgenannten Wertes natürlich vor allem beim Einsatz an einer lauten Schallquelle – etwa vor dem E-Gitarren-Amp oder im Inneren der Bassdrum. An beiden genannten Stellen herrschen in der Regel mit die höchsten Schallpegel vor. Die Faustregel lautet hier, dass dynamische Mikros in der Lage seien, höhere Schalldrücke zerrfreier zu verarbeiten als ihre Condenser-Kollegen. Dies liegt an ihrer schwereren Membran. Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings durchaus gängig, so haben die meisten Anbieter etwa auch Mikrofone mit Condenser-Kapsel für den  Live-Einsatz in ihrem Portfolio.

Wie stark ein Mikro rauscht, wird durch den Ersatzgeräuschpegel (auch: „Eigenrauschen“ oder „Störspannungsabstand“) angegeben. Da dieser Pegel als bewerteter Schalldruckpegel angegeben wird, ist er frequenzunabhängig. Wobei jedoch unterschiedliche Bewertungsmethoden zum Einsatz kommen: Bei der A-Bewertung nach DIN IEC 651 etwa werden die Eigenschaften des Gehörs berücksichtigt, wodurch die hierdurch festgelegten Werte um circa 10 dB geringer als bei der neutralen Messung nach CCIR 468-3 ausfallen. 

Der Übertragungsbereich gibt schließlich Auskunft über den Frequenzbereich, in dem die Empfindlichkeit des Mikrofons nicht mehr als 3 dB gegenüber dem Wert bei einem Kilohertz absinkt. Wie gesagt, sind dynamische Mikrofone in puncto Übertragungsbereich den Kondensatormikrofonen meist unterlegen. Wichtig: Es ist keineswegs immer optimal, wenn der Übertragungsbereich eines Mikros linear verläuft. Vielmehr spielt hier eben der gewünschte Einsatzzweck beziehungsweise der intendierte, letztendlich zu generierende Wunschklang eine entscheidende Rolle.