Special: Bandprojekte im Web

Keine Möglichkeit, gemeinsam im Proberaum abzuhängen? Alle sind busy und in alle Winde zerstreut, doch mit der gemeinsamen Band soll es weitergehen? In diesem Special zeigen wir euch, wie ihr es schafft, gemeinsam dran zu bleiben.

Der Gitarrist geht zum Studieren ins Ausland, der Drummer baut sein Reihenhaus in der Pampa, der Sänger hat ständig Nachtschicht und der Keyboarder ist auf Dienstreise…Was als Projekt von vier Freunden in der Schulzeit begann, hat sich stark verändert. Vor einigen Jahren hing man in jeder freien Minute gemeinsam im Proberaum, jetzt wird die Zeit immer knapper. Das muss aber nicht das Ende der gemeinsamen Combo sein, dank moderner Musiktechnologie lässt sich eine Band dennoch effizient weiterführen. 

Unabhängige Arbeitsweise

Mittels Computern, Sequencern, Ampsimulationen und der Unterstützung des Internets (Skype, Dropbox, Email) können Musiker auf der ganzen Welt verteilt sein und trotzdem mit Spaß und auf professionellem Niveau produzieren.

Was zuerst wie ein Nachteil wirkt, kann sich schnell in einen Vorteile verwandeln:

1. Die Terminsuche für gemeinsame Bandproben entfällt

2. Zeitaufwändige Fahr- und Aufbauzeiten sind passé

3. Jedes Mitglied kann an der Musik arbeiten, wenn es die Zeit erlaubt. Man ist nicht mehr vom Kollektiv abhängig.

4. Prüfungsstress oder Dienstreise bremsen die Bandkollegen nicht aus.

5. Bandmitglieder mit Kindern stecken ihr Geld lieber in neue Instrumente als in den Babysitter.

6. Statt im angemieteten Proberaum musiziert und produziert ihr gemütlich auf der Wohnzimmercoach oder aus dem eigenem Homestudio. Wann ihr Lust habt, solange ihr Lust habt. Sogar zeitgleich.

7. Falls der Keyboarder stundenlang an Sounds schraubt, muss der Bassist nicht daneben stehen. Er kann in der Zwischenzeit mit dem Drummer Grooves und Riffs ausprobieren, während der Sänger gleichzeitig in seinem Homestudio an den Chorsätzen feilt.

Die Idee ist im Prinzip nicht neu. In der Arbeitswelt sind das Homeoffice und der Telearbeitsplatz schon seit Jahrzehnten angekommen. Statt jeden Morgen im Stau zu stehen, wird lieber bequem aus der eigenen Wohnung gearbeitet. Dank papierlosem Büro und Cloud-Anwendungen kein Problem.

In den Anfangstagen war die Einrichtung eines solchen Arbeitsplatzes sehr teuer. Leistungsstarke Computer und schnelle Internetleitungen kosteten viel Geld. Heute ist dies aber kein wirklicher Kostenfaktor mehr.

Eine ähnliche Entwicklung fand in der Musikindustrie statt. Mischpulte, Sampler und Mehrspurrekorder kosteten vor 20 Jahren deutlich mehr als heute. Wer mit einem Kassetten-4-Spur-Portastudio ausgestattet war, starrte neidisch auf eine 8- oder 16-Spur-Bandmaschine. Zu haben für den Gegenwert eines Neuwagens!

Dank DAW sind hunderte Audiospuren auf dem Bürolaptop gar kein Problem. Einer meiner ersten Studio-PCs hatte 512 MB Arbeitsspeicher und eine 8-GB-Festplatte, auf ihm habe ich mehrere CD-Produktionen mit Band, Bläsern und Chören locker gefahren.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich zehn Jahre davor das erste Mal ehrfürchtig vor einem großen 32-Kanal-Studiomischpult und einer 16-Spur-Bandmaschine stand. Das war Technologie wie von einem anderen Stern, "Boah, so etwas müsste man haben!".

Habt ihr heute. Jeder. In eurem Laptop, Tablet oder sogar Smartphone. Dank schnellem Online-Zugang verschickt man große Audiodateien bequem von Musiker zu Musiker. Man muss sich nicht auf MP3s beschränken, sondern kann, falls nötig, in 24bit/96 kHz produzieren. Die Klangqualität wird heute nicht von der Datenmenge begrenzt. Ein schneller Upload erleichtert unzweifelhaft die Zusammenarbeit.

Offen sein für neue Arbeitsprozesse

Wer sich auf eine solche Arbeitsweise einlässt, sollte aber wissen, dass etwas Umdenken angesagt ist, damit die Online-Arbeit funktioniert. Natürlich ist immer die Frage nach der Produktionsqualität wichtig. Wenn es darum geht, Songskizzen und Demos zu erstellen, reichen oft schon einfachste Mittel.

Die Sängerin nimmt ihr günstiges Livemikrofon, die Tastenspieler verwenden vielleicht die Presetbank aus dem Sequencer, die Saitenzauberer die Ampsimulation aus dem Smartphone und der Drummer trommelt bequem über ein günstiges E-Drumset.

Wollt ihr allerdings auf CD-Niveau produzieren, wird man beim Equipment die Messlatte höher legen müssen. Aber nicht nur an euer Gear, auch an eure Fertigkeiten werden höhere Ansprüche gestellt. Was eine Band im Proberaum an Know-how versammelt hat, muss teilweise über das Internet transportiert, wie auch angelernt werden.

Ein guter Trommler muss ja nicht zwangsläufig ein Experte in Sachen Drumrecording sein. Vielleicht hat er gar nicht die passenden Mikrofone im Schrank. Euer Bassist ist ein Virtuose am Instrument, aber mit der Bedienung einer DAW steht er auf Kriegsfuß. Leadgesänge ganz alleine aufnehmen, ohne jegliches Feedback fällt nicht jedem Sänger leicht. Von gestern auf heute muss man zum Recordingengineer, Vocal-Coach und Produzent "aufsteigen".

Doch in jeder Herausforderung steckt die Chance zu lernen oder ungewöhnliche Wege zu beschreiten. Das ist alles kein Hexenwerk und eine solche Beschäftigung bereichert den musikalischen Horizont ungemein. Aber sie erfordert von jedem die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Gerade zu Beginn einer solchen Produktionsphase sind gelegentliche "Real-life-Treffen" zwecks Unterstützung empfehlenswert. Tauscht Wissen aus, fragt Kollegen, wie man möglichst hochwertig mikrofoniert oder welche Parameter ein Kompressor besitzt. Schmeißt euer Know-how für das beste Endergebnis zusammen.

Equipment: Klasse statt Masse

Neben dem eigenen Instrument ist Recording-Hardware angesagt. Ein Mikrofon, ein Audiointerface oder ein kleines Mischpult stellen die Grundausstattung dar. Mit ihrer Hilfe verwandelt ihr eure Töne in digitale Daten. Bei der Auswahl gilt wie so häufig der Satz: Klasse statt Masse.

Besser ihr kauft ein Interface mit zwei hochwertigen Mikrofonkanälen oder ein gutes Kondensator-Gesangsmikrofon, als das Mischpult mit 24 Kanälen oder 5 verschiedene Mikros, die aber alle nur mäßige Soundqualität liefern. Oftmals bringen kleine Investitionen deutliche Verbesserungen. Das kann ein Poppfilter, ein stabiles und entkoppeltes Mikrostativ oder ein Diffusor für eure Aufnahmeecke sein. Saiteninstrumentalisten gewinnen durch ein hochwertiges Instrumentenkabel, Drummer durch neue Felle oder Dämpfungsutensillien.

Mehr dazu, wie ihr euer Bandprojekt erfolgreich über das Web umsetzt, erfahrt ihr hier.