Plug-In Brainworx bx_masterdesk

Mit bx_masterdesk bringt Brainworx ein neues Plug-in auf den Markt, mit dem der Mastering-Prozess so geradlinig werden soll, dass er sogar Schlagzeugern gelingen kann. Diese freche Ansage aus dem Handbuch des Plug-ins ist Grund genug, sich dieses Produkt etwas genauer anzuschauen.

Mastering ist für viele Musiker und Produzenten ein Buch mit sieben Siegeln. Während die Aufnahme und die Mischung der eigenen Musik noch irgendwie von der Hand geht, ist spätestens hier ein Fachmann gefragt. Kein Wunder, kann man doch im Laufe der Produktion und beim Durcheinander unterschiedlicher Lautheitsnormen schnell den Überblick verlieren. Genau hier setzt bx_masterdesk an: Das Plug-in soll Produzenten und Musikern ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sich schnell und unkompliziert gute Ergebnisse erzielen lassen.

Überblick Brainworx bx_masterdesk

Auf den ersten Blick wirkt bx_masterdesk vorbildlich übersichtlich und aufgeräumt. Die Mitte ziert ein VU-Meter zur Darstellung des Dynamikbereichs, der von verschiedenen, selbsterklärend beschrifteten Reglern umgeben ist, die nach drei Arbeitsschritten gruppiert sind. Das Plug-in gibt mir tatsächlich per Nummerierung eine Reihenfolge vor!

Die Schritte sind:

  • Lautstärke bestimmen
  • Foundation einstellen
  • Klangfarbe anpassen

Fertig! Ein komplexer Prozess, für den es oft Hochschulwissen und jahrelange Erfahrung braucht, wird in drei simple Schritte zusammengefasst. Viel mehr Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht. Der Anwender des Plug-ins soll sich schlichtweg nicht mit technischen Details aufhalten, sondern sich der Musik widmen. Klingt toll, aber wie sieht das in der Praxis aus?

Das Plug-in in der Praxis

Das Plug-in kommt mit einer ausführlichen englischen Bedienungsanleitung. Darin wird unterhaltsam jeder Arbeitsschritt beschrieben. Ich halte mich ausnahmsweise an die Vorgaben: Ins Projektfenster von Studio One lade ich eine fertig gemischte Stereospur und nutze fortan nur bx_masterdesk. Bereits in Neutralstellung höre ich einen Unterschied. Der Pegel fällt 1-2 dB höher aus, scheint aber klanglich auch bei einer entsprechenden Pegelkompensation aufgewertet. Faszinierend!
Doch nun der Reihe nach: Brainworx empfiehlt die Lautstärke so einzustellen, dass die Nadel des VU-Meters sich im grünen Bereich zwischen 6 und 8 dB wiederfindet. Das gibt einen guten aber auch ziemlich lauten Pegel. Wer für Streaming oder Broadcast mastert, sollte sich besser im Bereich um 8 dB oder darunter bewegen. Wer darüber hinaus genauere Lautheitswerte benötigt, etwa um nach EBU R128 zu mastern, sollte zusätzlich ein Plug-in zur Lautheitsmessung verwenden.
Der Volumeregler stellt gleichzeitig auch die Kompression ein. Je lauter der Track, desto stärker wird dieser auch komprimiert. Dabei lässt sich das Verhältnis zwischen dem Originalsignal und dem Kompressionsanteil frei einstellen. Hinzu kommt ein De-Esser, um bei Bedarf zu scharfe S-Laute in den Griff zu bekommen.
Im zweiten Schritt wird die sogenannte Foundation eingestellt. Mit anderen Worten: der Bassbereich.

Wer denkt, dass dieser Regler lediglich die Bässe anhebt, liegt falsch, denn im Hintergrund passiert deutlich mehr. Mein Track erhält auf Anhieb deutlich mehr Druck und klingt zudem ausgewogener und fetter. Bereits jetzt stelle ich fest, dass es deutlich besser klingt als zuvor.

Beim dritten Schritt geht es um Tone Control. Das Plug-in bietet dazu einen Equalizer, der sich mit Reglern für Bässe, Mitten, Höhen und Presence offensichtlich an Gitarrenverstärkern orientiert. Etwas mehr luftige Höhen und einen bisschen mehr Mitten – mehr braucht die Mischung nicht!

Das klangliche Resultat

Das Ergebnis ist beindruckend. Viel mehr fällt einem nicht dazu ein, denn im A/B-Vergleich zwischen Original und Masterdesk-Version ist uns sprichwörtlich die Kinnlade auf die Tischplatte geknallt. Der Track klingt deutlich ausgewogener, mit einem fetten, aber nicht übertriebenen Bassfundament, warmen Mitten und sanften Höhen. Nach drei Arbeitsschritten ist das der Wahnsinn!
Der Rest ist Feinabstimmung. Per THD-Regler ergänzt man analoge Verzerrungen, ohne den Track damit je zu übersteuern.
Zwei weitere Regler stehen zur Bearbeitung von Mitte-Seite-Signalen bereit: Der Monomaker kann Signale bis 300 Hz als Monosignal zusammenfassen. Das kann hilfreich sein und die Mischung akustisch aufräumen. Umgekehrt lässt sich per Stereo Enhance das Stereobild verbreitern. Darüber hinaus stehen noch zwei Resonanzfilter und vier Kompressormodi zur Verfügung.

Fazit zu Brainworx' bx_masterdesk

Mit bx_masterdesk ist Brainworx eine kleine Sensation gelungen. Das Plug-in hält, was es verspricht. Es ist intuitiv bedienbar und klingt großartig. Durch die geschickten Beschränkungen ist es beinahe unmöglich, etwas falsch zu machen. Mein Testtrack war in zehn Minuten mit absolut hörenswertem Ergebnis im Kasten. Lediglich für exaktere Lautheitswerte benötigt man da externe Hilfe. Insbesondere wenn es schnell gehen muss, ist bx_masterdesk das richtige Werkzeug für professionelle Ergebnisse. Bei aller Euphorie sollte dennoch klar sein: Die Erfahrung und die unabhängige Betrachtung eines professionellen Masteringexperten kann natürlich auch bx_masterdesk nicht ersetzen.

Das Plug-in Brainworx bx_masterdesk im Überblick

Bewertung

  • Komplettlösung mit idiotensicherer Bedienung +
  • analoger Sound +
  • schneller Weg zu professionellen Ergebnissen +
  • Lautheitsanzeige etwas grob -

Vertrieb: Plugin Alliance
Systeme: Windows, macOS,VST2/3, AU, AAX

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