Performance Coaching: vom Bandkonzept zum Showkonzept

Ein stimmiges Showkonzept ist der Schlüssel zu jedem Live-Auftritt. Neben dem Band- beziehungsweise Bühnenkonzept sollte ein Showkonzept Bestandteil jedes Auftritts sein und eingeübt werden. Denn das Ganze ist auch hier mehr als die Summe seiner Teile. 

Eine Show kann aus sehr vielen Teilen bestehen, wie zum Beispiel Intro, Bühnenaufgang, Ansagen, Songs, Bühnen-Performance, Zugabe, und Bühnenabgang. Die Show wird vom erarbeiteten Bühnenkonzept unterstützt und getragen. Dies geschieht indem man ein bewusstes Showkonzept erarbeitet, in dem die Einzelheiten einer Show zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Das gibt der Band Sicherheit während des Auftritts.

Folgt nun die Band einem Showkonzept, kann ein Showfluss entstehen, der durch ein Konzert trägt und die Zuschauer mit einbezieht. Dadurch wird das große Ganze auf der Bühne zu einem gemeinsamen Erlebnis aller Beteiligten eines Konzerts. Der zentrale Baustein dazu ist der Showplan.
Der Showplan sollte alle wichtigen Details einer Show enthalten. Er wird um die Setlist herum aufgebaut und enthält so die wichtigsten Details einer Show:

  • Setlist
  • Ansagen
  • Übergänge
  • Intro
  • Outro
  • Bühnenaufgang und -abgang
  • Zugabe
  • Verbeugen
  • Licht- und Showeffekte
  • andere Besonderheiten

Man kann den Showplan auch als erweiterte Setlist betrachten, in der alle zur Show relevanten Details festgehalten werden. Mit Hilfe des Showplans kann sich eine Band oder ein Einzelkünstler der Abläufe einer Show im Vorfeld eines Auftritts bewusst werden.

Im Zentrum des Showplans steht die Setlist. Die Setlist sollte sich zeitlich nach der zur Verfügung stehenden Auftrittszeit richten und lieber einen Song weniger als mehr beinhalten, damit eine Performance ohne zusätzlichen Zeitdruck während der Spielzeit über die Bühne geht. Die Setlist sollte einen Spannungsbogen haben, bei dem der erste Song das Statement darstellt und abwechslungsreiche Musikstücke das Set abrunden. Es sollte darauf geachtet werden, dass gegen Ende ein „Hit“ der Band gespielt wird, denn die menschliche Wahrnehmung ist darin geschult, dem Anfang und dem Ende einer Show besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn möglich, sollte die Setlist nicht bei jedem Gig geändert, sondern ergänzt werden, wenn sich die zeitlichen Vorgaben ändern. Nur durch eine möglichst kontinuierliche Setlist kann sich ein Showablauf einspielen und etablieren.

Dabei sollten Songs, die auf der Bühne nicht funktionieren, ausgetauscht werden. Aber Vorsicht: Nicht immer wieder neue Songs ins Programm aufnehmen, sonst fehlt die Kontinuität und damit auch ein gewisses Wiedererkennungsmerkmal.

Probt eure Performance!

Ist die Setlist vollständig, werden die Ansagen beziehungsweise Übergänge eingefügt. Das bedeutet, es sollte von vornherein klar sein, welche Songs angesagt werden und welche nicht. Werden die Songs nicht angesagt, sollten die Übergänge von einem Song zum anderen festgelegt werden. Gibt es einen „stumpfen“ Übergang oder wird in den nächsten Song vielleicht mit einem Keyboard oder einem Gitarren-Riff übergeleitet? Kann während eines Übergangs oder einer Ansage vielleicht die Gitarre gestimmt werden und wie kann das aussehen oder sich anhören? All das sollte im Vorfeld einer Show geklärt und im Showplan vermerkt werden, damit der Ablauf der Ansagen und der Übergänge allen klar ist.

Es sollte auch geklärt, geprobt und im Showplan vermerkt werden, ob es zu Beginn einer Show ein Intro gibt und wie es gestaltet wird. Wie wird der Bühnenaufgang der Musiker inszeniert? Gehen alle gemeinsam auf die Bühne oder gehen alle Einzeln zum Beispiel bei einem bestimmten Signal während des Intros? Das Gleiche gilt für den Bühnenabgang. Gibt es überhaupt einen und wie sieht er genau aus? Gibt es ein Outro? Wie sieht der Zugabe-Block aus und wie wird er gestaltet? Gibt es ein abschließendes Verbeugen der gesamten Band, damit sich Musiker und Zuschauer nach der Performance verabschieden können? Oder bleiben die Musiker auf der Bühne und beginnen mit dem Verklingen des letzten Tons ihre Instrumente abzubauen?

Dies sind Show-Aspekte, die für Zuschauer einen hohen Stellenwert besitzen. Gerade die differenzierte Herangehensweise an diese Fragen bringt nicht nur eine größere Sicherheit, sondern auch ein höheres Bewusstsein für die Inhalte einer Show mit sich. Da diese Inhalte gemeinsam festgelegt und in Kontakt und Beziehung während einer Show umgesetzt werden, wird der Selbstwert der einzelnen Musiker automatisch steigen.

Die Besonderheiten einer Bühnen-Performance können genauso Bestandteil eines Showplans sein. Eine stimmige Performance hat spezielle Punkte in einer Show, die auch in den Showplan aufgenommen werden können. Das sind beispielsweise

  • spezielle Laufwege
  • Publikumsanimation durch Klatschen oder Mitsingen
  • eine spezielle Formation der Band zu Beginn eines Musikstücks
  • gemeinsame Aktionen, Interpretationen
  • bewusste Blickkontakte

Diese Punkte sollten als Haltepunkte der Band in einer Show verstanden werden, die bewusst und authentisch erarbeitet und gestaltet werden. Genau wie der Einsatz von Licht oder Lichteffekten kann der Musiker durch diese Haltepunkte Akzente setzen, welche die Stimmung der Songs hervorheben  und auf das Publikum übertragen.
Den Showplan kann man gemeinsam im Proberaum erarbeiten; er entspricht dem „Drehbuch“ einer Show. Als Beispiel soll der nachfolgende Showplan zeigen, welche Rubriken vermerkt sein sollten, die sich wiederum an dem Bühnenkonzept orientiert.

Auf welchem Bühnenkonzept basiert eure Performance?

Bildet ein funktionales Bühnenkonzept die Basis des Showkonzepts, kann der Showplan in drei Rubriken aufgeteilt werden:

  • Ansagen/Übergänge
  • Songs
  • Technik

Steht der künstlerische Ansatz im Bühnenkonzept im Vordergrund, so basiert der Showplan auf vier Rubriken:

  • Ansagen/Übergänge
  • Songs
  • Technik
  • Performance

Wird der Showplan auf einem umfassenden Bühnenkonzept aufgebaut, kann er Showplan fünf Rubriken enthalten:

  • Ansagen/Übergänge
  • Songs
  • Technik
  • Performance
  • Konzept

Rubriken eines funktionalen Showplans:

  • Ansagen / Übergänge
  • Songs
  • Technik

Rubriken eines künstlerischen Showplans:

  • Ansagen / Übergänge
  • Songs
  • Technik
  • Performance

Rubriken eines umfassenden Showplans:

  • Ansagen / Übergänge
  • Songs
  • Technik
  • Performance
  • Konzept

Die Untergliederung dient allein einer besseren Übersicht und ermöglicht daher eine differenziertere Sicht der Beteiligten auf die Show. So können einzelne Aspekte besser kenntlich gemacht werden und zum Beispiel in einer Nachbesprechung einer Show genauer benannt werden.

Der Showplan sollte einmal erstellt und nach den ersten Auftritten anhand der Reaktionen des Publikums überprüft und gegebenenfalls geändert werden. Es reicht natürlich vollkommen, wenn die einzelnen Punkte stichwortartig aufgezählt werden. Darüber hinaus nützt es wenig, den Showplan nur theoretisch zu erörtern.

Es lohnt sich im Vorfeld einer Show im Proberaum oder auf einer Übungsbühne diesen in einem Stück umzusetzen. Das heißt: Stellt im Proberaum eine reale räumliche Bühnensituation mit imaginärem Publikum her und spielt einen ganzen Auftritt ohne Unterbrechungen. Diesen Probe-Gig setzt ihr mit Ansagen, Übergängen, Performance und je nach Ausstattung des Proberaums oder der Übungsbühne mit der entsprechenden Technik oder dem Konzept um. Dies dient hauptsächlich der körperlichen, geistigen und seelischen Verankerung der Showabläufe.
Nur wenn das „Wie“ und das „Wo“ geklärt ist, kann das „Was“ zur vollen Entfaltung kommen. Das verhindert peinliche Momente auf der Bühne, wie

  • verbale Unterbrechungen durch einen Mitmusiker bei Ansagen
  • lange Pausen zwischen den Songs
  • das Erbitten einer Zugabe

Durch klare Absprachen, bestimmende Gesten oder Worte, durch unmissverständliche Bewegungen wird eine Show prägnanter und eindringlicher. Eine Show ist wie ein Musikstück: Auch da darf der Musiker den Einsatz nicht verpassen und die Musik folgt einem gewissen und sorgfältig arrangiertem Plan. Und trotzdem ist noch Platz für Improvisation. Bei einer Show gibt es ebenfalls Einsätze, die nicht verpasst werden dürfen. Die Show sollte einem ausgearbeiteten Showplan folgen und das Showkonzept umsetzen. Trotzdem ist ein großer Spielraum für den Augenblick.

Das erarbeitete Bühnenkonzept liefert den Rahmen für das Showkonzept. Das Bühnenkonzept, das aus dem Bandkonzept abgeleitet und auf verschiedenen Ebenen entwickelt wurde, ist ebenso Bestandteil des Showkonzepts wie Teile des Bandkonzepts.

Das heißt, im Showkonzept sammeln sich viele Attribute, die eine Band ausmachen. Das Konzept definiert eine Band und harmoniert im besten Fall mit der Musik und den Texten. Weiterhin transportiert es das Image der Band nach Außen. Dadurch wird der Kern einer Band für den Konsumenten einer Show sichtbar. Dies ist vor allem für die Identifikation des Publikums mit der Band wichtig und für die Fanbindung unerlässlich.

Damit die einzelnen Komponenten des Showkonzepts adäquat umgesetzt werden können, kommt es auf eine gute Vorbereitung an. Im Vorfeld eines Auftritts sollte die Bühnengröße und die technische Ausstattung des Venues abgeklärt werden.

Pünktliches Erscheinen am Veranstaltungsort sowie die physische und mentale Vorbereitung auf die Performance sind ebenso Grundvoraussetzungen für professionelles Arbeiten auf der Bühne und vermeidet böse Überraschungen: Zeitdruck beim Aufbau beziehungsweise während des Soundchecks oder unkonzentriertes und fahriges Auftreten.

Eine gute Vorbereitung beginnt jedoch nicht nur am Veranstaltungsort, sondern schon im Proberaum beispielsweise beim Zusammenpacken der benötigten Dinge für den Auftritt. Eine Liste mit den Instrumenten, technischen Geräten, Bühnenaufbauten, Kostümen, Schminkutensilien, Merchandise, Wechselgeld, Autogrammkarte, et cetera, kann hilfreich sein, damit diese nicht vergessen werden. So wird unnötiger Stress beim Organisieren vor Ort erspart oder Ärger, der sich meist sehr ungünstig auf das Bandklima und somit auf den anstehenden Auftritt auswirkt.

Die individuelle physische und mentale Vorbereitung auf einen Auftritt ist ein weiterer zentraler Punkt in den Vorbereitungen. Ob sich der Musiker durch Gesangsübungen, Warmspielen, Entspannungstechniken oder durch Zusammensein mit den Bandmitgliedern im Backstage-Bereich auf den Auftritt mental und physisch vorbereitet. Jeder muss selbst herausfinden, wie und durch was er die beste Zentrierung und Energie erlangt, um die bestmögliche Leistung auf der Bühne abzurufen. Gerade ein gemeinsames Band-Ritual vor dem Auftritt vermag der Energie und Zentrierung noch einmal einen entscheidenden Impuls zu geben. Anschließend kann man die Bühne betreten und die einzelnen Teile des Showkonzepts zu einem großen Ganzen zusammenzufügen: der Performance.


Showkonzept

Entwickelt euren Showplan: Anhand eures entwickelten Band- und Bühnenkonzepts legt ihr die Rubriken eures Showplans fest. Dann erstellt ihr eine Setlist, mit der ihr meistens auftretet. Achtet darauf, dass die Setlist abwechslungsreich gestaltet ist und ein „Hit“ am Ende steht. Klärt ab, vor welchen Songs es Ansagen oder Übergänge und ob es ein Intro und/oder ein Outro gibt. Klärt auch den Schluss eurer Show ab: Spielt ihr eine Zugabe? Verbeugt ihr Euch gemeinsam? Danach solltet ihr die Rubriken mit Stichworten ausfüllen und die entsprechenden Einstellungen und Handlungen auf der Bühne oder Besonderheiten während des Showablaufs eintragen.
Nach einer Show könnt ihr den Showplan ergänzen. Wenn zum Beispiel ein Song zum wiederholten Male beim Publikum nicht gut ankam und ihr ihn durch einen neuen ersetzt, dann muss das im Showplan vermerkt werden. Die Rubriken zu diesem Song müssen auch wieder neu besetzt werden.

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