Eure Band online präsentieren

Wer sich als Künstler mit seiner Musik online präsentieren möchte, kann auf eine Vielzahl von Plattformen und Tools zurückgreifen. Wir zeigen, wie ihr euch oder eure Band im Web präsentieren könnt.

Hauptsache dabei sein – das scheint die Devise vieler Musiker, wenn es um die eigenen Online-Aktivitäten geht. Man möchte den Anschluss nicht verpassen und meldet sich daher mit seinem Projekt flugs bei Facebook, Twitter, Soundcloud, YouTube, Instagram, ReverbNation und einem Dutzend anderen Social-Media-Plattformen an. Und nebenbei gilt es ja auch noch, die eigene Website zu betreiben, und irgendwann wollen auch die Songs fürs nächste Album geschrieben, aufgenommen und schließlich live präsentiert werden. Was folgt, ist dann oft Content-Dürre. Auf YouTube werden keine neuen Videos mehr hochgeladen, Tweets und Posts geraten immer rarer und/oder trivialer und die Band-Website wurde zum letzten Mal vor einem halben Jahr aktualisiert … 

Online Content und Social-Media für Bands

Ein Tag hat leider nur 24 Stunden. Selbst wenn man eine Band online repräsentieren möchte, man also die Aktivitäten leicht auf mehrere Personen verteilen kann, kommt man gerade als Künstler ohne Major-Deal schnell an seine Social-Media-Grenzen. Wer sich neben der Promotion im Netz auf etlichen Plattformen auch noch selbst um Presse-Arbeit, Live-Booking, Merchandise, Management und Album-Produktion kümmern muss, ist oft bereits überlastet. Hilfreich ist es dann, sich auf höchstens vier Online-Aktivitäten zu konzentrieren. Stets sollte in dieser Liste die eigene Website enthalten sein – auch wenn man auf der eigenen Internet-Seite normalerweise längst nicht mehr einen so hohen Traffic generiert, wie er auf den Plattformen anderer Anbieter herrscht, ist ein eigener Auftritt im Worldwide-Web Pflicht (mehr dazu später). Gute Anlaufstellen für den Online-Auftritt sind dann weiterführend zum Beispiel YouTube, Facebook und Twitter oder Instagram. 

YouTube ist heute hinter Google die zweitbeliebteste Suchmaschine; geht es um Musik belegt YouTube sogar den ersten Platz. Jeder kennt den Ablauf: Wie heißt die Band? Noch nie gehört. Mal eben auf YouTube schauen, was für Musik die machen … Facebook ist (noch) die beliebteste Social-Media-Seite. Aber selbst gesetzt den Fall, dass man hier massenhaft „Freunde“ sammelt – viele Follower bedeuten noch nicht, dass auch viele eure Posts zu Gesicht bekommen, geschweige denn lesen (mehr dazu in den 7 goldenen Regeln). Und ja, Twitter und Co. sind ein gutes Mittel, um Fans tagesaktuell auf dem Laufenden zu halten und interaktiv zu werden. Allerdings gibt es auch hier bedeutende Hürden, die einen daran hindern können, von einer breiteren Masse wahrgenommen zu werden (dazu ebenfalls mehr in den 7 goldenen Regeln).

 

Eine der wichtigsten Online-Aktivitäten ist fraglos die Präsentation eigener Videos. YouTube ist das Musikfernsehen unserer Zeit. Es muss nicht unbedingt ein klassisches Musikvideo oder ein Live-Mitschnitt sein, mit dem man hier auf sich aufmerksam macht. Es bieten sich auch viele weitere Formen an: Kurze Einblicke in den Tour-Alltag etwa, mit Videos aus dem Backstage-Bereich, dem Tourbus, Hotelzimmer und so weiter. Wichtig: Meldet euch nicht bloß, wenn es etwas zu verkaufen gibt. Wendet man sich nur dann an seine Fans, sobald Konzert-Tickets abgesetzt oder T-Shirts verkauft werden sollen, langweilt man nicht nur, sondern hinterlässt im schlimmsten Fall einen schäbigen Eindruck. 

Bringt ihr das nötige Talent zur freien Rede mit, könnt ihr zum Beispiel auch einen Podcast oder Vlog als Promo-Tool nutzen. Das ist keineswegs eine Aktivität, der sich nur Amateure zuwenden. So unterschiedliche Künstler wie der kanadische Garage-Rock-Held Danko Jones, der Jazzpianist Chick Corea oder die Brit-Pop-Ikone Jarvis Cocker haben schon mit Podcasts auf sich aufmerksam gemacht. Auch hier gilt natürlich: Das Ganze sollte nicht zum totalen Werbe-Tool verkommen. Und letztlich macht ein eigener Podcast auch nur dann Sinn, wenn man ohnehin Zeit und Lust hat, sich regelmäßig unterschiedlichen Themen in Form von Audio-Beiträgen zu widmen. Kurz: Es sollte auch abseits der Promo-Zwecke echtes Interesse bestehen. Ähnliches gilt für das Betreiben eines Blogs oder Vlogs. Überlegt euch also, wo eure eigenen Interessen liegen! Ihr macht gerne Fotos? Dann holt euch einen Instagram-Account und haltet diesen up to date. Ihr schreibt gerne? Dann betreibt einen Blog. Es gibt jede Menge Möglichkeiten, sich abseits rein ich-bezogener Themen zu Wort zu melden.

Ein Tweet mit einem genialen Aphorismus kann sich wie ein Lauffeuer verbreiten, ein Wettbewerb auf Facebook mag sich als grandioser Marketing-Clou erweisen und ein eigener Blog oder Podcast kann Fans auf Dauer an euch binden – trotzdem sind am Ende bewegte Bilder das, wodurch sich für gewöhnlich auf schnellstem Wege die meiste Aufmerksamkeit generieren lässt. Dem Video kommt so auch für Musiker eine zentrale Bedeutung zu. Kennt ihr noch erfolgreiche Bands, die man in überhaupt keinem Video zu Gesicht bekommt? Eben …

Musikvideos zur Selbstvermarktung

Videoclips sind ein fantastisches Mittel, um sich als Band zu vermarkten. Schließlich stellen bewegte Bilder eines der besten Marketing-Mittel dar. Auch wer nicht über einen Major-Deal und das entsprechende finanzielle Backing verfügt, kann heute Musikvideos drehen, die hochwertig daherkommen. Zwar ist die große Zeit von MTV und Viva passé, aber daran, dass wir in immer visuelleren Zeiten leben, hat dies nichts geändert. Ob in älteren Medien wie dem Kinofilm beziehungsweise Fernsehen oder am Laptop, Tablet und Smartphone – es gibt täglich etliche Situationen, in denen uns bewegte Bilder begegnen. Sicher kann man seinen Song auch nur mit einen Cover oder Band-Promo-Foto bei YouTube hochladen. Bewegte Bilder lassen den Nutzer jedoch nachweislich zuverlässiger dranbleiben.

Zu Recht traut sich nicht jeder zu, in Eigenregie ein Video zu drehen. Den meisten fehlt hier Praxis und Wissen. Und es hat auch nicht jeder einen guten Freund, der einem etwa für seine Abschlussarbeit an der Filmhochschule ein Video maßschneidert. Mittlerweile gibt es aber auch einige Anbieter, die Videoclips auf professionellem Niveau für relativ kleines Geld anbieten. Entscheiden ist hier natürlich, dass man zunächst die Seriosität des Unternehmens prüft. 

Wer ein komplettes professionelles Video für 500 Euro verspricht, verspricht vermutlich zu viel. Wichtig sind zudem Referenzen. Findet ihr solche nicht auf der Website des Anbieters, fragt nach entsprechenden Arbeiten. Ihr solltet unbedingt einen Eindruck davon bekommen, was euch erwartet. Wer online Preise nennt, macht sich verdächtig, da dies in der Branche nicht üblich ist – schon deshalb, weil je nach Projekt hier sehr unterschiedliche Beträge im Raum stehen.

Wenn ihr euch zutraut, selbst ein Video zu drehen, gilt es als erstes, ein Konzept zu entwickeln. Am besten hält man dies auch exakt schriftlich fest. So kommt es dann später etwa zwischen Regisseur und Künstler, aber auch zwischen den Künstlern untereinander weniger zu Missverständnissen. So beugt man nervenden und letztlich eventuell auch kostspieligen Diskussionen am Set über die vermeintlichen Ziele des Video-Projekts vor. Gerade wenn man sich kostenpflichtig Equipment geliehen oder Mitarbeiter engagiert hat, zählt jede Minute.

Das Konzept bestimmt, welches Budget ihr benötigt. In Deutschland kann man für eine professionelle Produktion schon mal mit 20.000 Euro rechnen. Vielen wird selbst dieser im Vergleich zu den goldenen Zeiten des Musikfernsehens geringe Preis noch deutlich zu hoch sein. Natürlich kann man – je nach Konzept – auch deutlich günstigere Produktionen umsetzen. Dementsprechend muss dann halt auf entsprechende Kulissen, Schauspieler, Produktionsdesigner, Maskenbildner, Statisten, Kamerawagen und so weiter verzichtet werden. Glück hat hier, wer auf Freunde in der Film- und TV-Branche zurückgreifen kann, die womöglich für ein geringes Honorar oder gar kostenfrei zur Verfügung stehen. Eine kleine Produktion mit drei, vier Beteiligten (Semi-)Profis und genügsamer Ausstattung lässt sich so auch schon für ein paar Tausend Euro oder weniger realisieren – vorausgesetzt, man möchte sich nicht gerade ein Fußballstadion als Kulisse mieten.

 

Die Kamera für eure Bandvideos 

Für Einsteiger empfiehlt sich eine Spiegelreflex-Kamera mit Videomodus und mindestens zwei Wechselobjektiven. Notfalls reicht auch ein Zoom-Objektiv. Im Zweifel leiht man sich eine Kamera; die Kosten halten sich hier pro Tag in Grenzen. Eine gute und beliebte Kamera ist etwa die Canon EOS 5D (noch Ende 2015 soll das neue Modell der Reihe vorgestellt werden). Eine Vielzahl professioneller Videos  bekannter Bands sind bereits mit dieser Kamera gedreht worden. Noch etwas hochwertiger wird es dann zum Beispiel mit einer Blackmagic Cinema, was euch von der Qualität der Bilder dann schon aus dem Bereich Digital-Video in den Digital-Film-Bereich führt.

Das passende Licht zum Videodreh

Wer nicht komplett auf das vorhandene Licht der Location setzt (und oft ist dies – etwa in einer Halle – ja gar nicht möglich), sollte mindestens drei Scheinwerfer einplanen. Damit lässt sich dann eine Standard-Drei-Punkt-Beleuchtung umsetzen. Das heißt, man hat erstens als Hauptlicht ein sogenanntes Führungslicht, das die stärkste Lichtquelle in einer Szene darstellt und die Richtung festlegt, aus der das eigentliche Licht kommt. Zweites Element im Bunde ist das Aufhell-Licht. Dieses dient zur Minderung von Schatten, die durch das Führungslicht hervorgerufen werden. Als Aufhellung wählt man in der Regel ein relativ weiches Licht. Drittens kommt ein sogenanntes Spitzlicht zum Einsatz, dessen Funktion darin besteht, das im Mittelpunkt stehende Objekt vom Hintergrund abzuheben. Dies ist wichtig, um für Tiefe sorgen zu können.

Richtig drehen Wichtig für Anfänger: Ruhige Kameraführungen. Videos werden normalerweise nicht aus der Hand gefilmt und wenn doch, bringen die Profis hierfür das nötige Know-how und gegebenenfalls wichtige zusätzliche Technik mit. Zweiter wichtiger Faktor ist die Location. Ein Video für eine Black-Metal-Band kann man ironiefrei nun mal nicht auf dem Oktoberfest drehen. Gleichzeitig sollte man bestimmte Klischees auch nicht überstrapazieren. Sprich: Muss die Metal-Combo unbedingt in einem mittelalterlichen Gemäuer spielen, und fällt einem wirklich nichts Besseres ein, als den Rapper mit dickem BMW vor einer graffiti-übersäten Problemviertel-Architektur vorfahren zu lassen?

Drittens: Macht euch Gedanken über die Einrichtung des Bildes. Was soll in der Szene eingefangen werden? Welche Stimmung gilt es zu vermitteln? Je nachdem blendet man hier Elemente aus oder fängt sie ein, rückt Dinge in den Hinter- oder Vordergrund, wählt eine extreme oder herkömmliche Perspektive, einen weiten oder engen Bildausschnitt. Bedenkt auch, an welcher Stelle des Songs die gedrehte Szene vermutlich auftauchen wird. Schließlich können die musikalischen Parts sehr verschiedene Stimmungen vermitteln.

Viertens: Lasst euch inspirieren. Schon bevor ihr überhaupt ein Konzept entwickelt, ist es hilfreich, sich Videos von anderen Künstlern anzuschauen, um einen Überblick davon zu bekommen, was möglich ist. Nicht zu empfehlen ist hier natürlich, sich an den vermutlich 100.000 Euro und mehr teuren Videos der Superstars des Pop-Geschäfts zu orientieren. Mit der Ausstattung und dem Profi-Know-how, das in der Oberklasse zum Einsatz kommt, wird man sehr wahrscheinlich nicht mithalten können. Die gute Nachricht: Kreative Ideen kann man glücklicherweise auch ganz unabhängig vom Budget haben!

Künstlervideos schneiden

Wer sich zum ersten Mal als Video-Regisseur versucht, sollte keine großen Summen in ein Schnittprogramm investieren. Für 80 bis 100 Euro bekommt man als Anfänger schon Programme, die einem erste Schritte erlauben und mit denen man prüfen kann, ob das ganze einem überhaupt liegt oder ob man nicht vielleicht doch einen Außenstehenden beauftragen sollte. Professionelle Software wie Final Cut Pro X ist auch schon für rund 300 Euro zu haben. Gefällt einem die Arbeit mit bewegten Bildern, lohnt sich so ein Programm vielleicht schon. Wenn das Video fertig ist und erstmal kein weiteres ansteht, macht ja auch das Schneiden von Urlaubsvideos vielleicht so viel Freude, dass 300 Euro sich schnell in puncto Spaßfaktor rentiert haben. 

Ein Video für das Image

Ein Video ist heute eigentlich für jeden Musiker, der Erfolg haben will, ein unverzichtbarer Bestandteil seines Promo-Portfolios. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen typischen Musik-Videoclip handeln. Auch Live-Mitschnitte oder Ähnliches reichen je nach Künstler schon aus: Wer als Top-40-Band unterwegs ist, möchte vor allem seine Qualitäten auf der Bühne zeigen, während jemand, der es selbst mit eigenem Material in die Top 40 schaffen will, vermutlich ein anderes Format wählt. 

Eine Folge der digitalen Revolution ist, dass man mit billig oder schlampig umgesetzt wirkenden Videos heute kaum noch jemanden auf seinen kreativen Output aufmerksam machen kann, ohne lächerlich zu wirken. Während man vor zehn Jahren noch Videos in VHS-Qualität verziehen haben mag und über schlecht ausgeleuchtete Szenen und verwackelte Kamerafahrten hinweggesehen hat, sorgen solche Fehltritte heute schnell dafür, dass weggeklickt wird, ohne dass die Musik überhaupt ernsthaft bewertet wurde. Sprich: Der gestiegene Video-Standard hat zur Folge, dass man sich visuell heute schneller blamiert. Genauso wie man mittlerweile keine offensichtlich aus einzelnen Papierschnipseln zusammenkopierte Pressemappe abliefert, sollte man es sich auch verkneifen, mit der 50-Euro-Digitalknipse im unterbeleuchteten Hobby-Keller entstandene Videos hochzuladen, die dann das musikalische Schaffen adäquat präsentieren sollen.