Interview: Wolfgang Niedecken

Wolfgang Niedecken ist umtriebig wie eh und je. Wir haben mit ihm über die Produktion seines Solo- Albums und die aktuelle BAP-Tour gesprochen ... Ausgabe 03/2014

Für das Album „Zosamme alt“, das bereits letzten September erschien, hat Niedecken sich mit dem britischen Singer-/Songwriter Julian Dawson zusammengetan und die Songs mit bekannten US-Musikern eingespielt. Ab März wird Niedecken mit BAP auf große Unplugged-Tour gehen. Im SOUNDCHECK-Interview erzählt der 62-Jährige unter anderem von Begegnungen mit seinem Idol Bob Dylan und von Bühnenpannen.



SOUNDCHECK: Nach deinem Schlaganfall im November 2011 ist dir eine unglaubliche Welle von Sympathie entgegengeschlagen. Wie hast du das erlebt?
Wolfgang Niedecken: Das Interesse an meiner Genesung war unglaublich. Selbst bei Leuten, die mit mir oder BAP nicht furchtbar viel am Hut haben. Das war eine schöne Erfahrung.



SC: Wie geht es dir denn heute?
WN: Gut, ich bin wieder völlig hergestellt und denke gar nicht mehr an den Schlaganfall, der ja durch einen Husten hervorgerufen wurde. Ich merke es nur noch an kleinen Dingen: Ich bin schneller aus dem Konzept zu bringen, darf nicht mehr zweierlei Sachen auf einmal machen. Mein Sohn stellte dazu neulich ganz treffend fest: „Vatter macht jetzt immer nur noch eine Sache gleichzeitig.“



SC: Dein neues Album „Zosamme alt“ hast du deiner Frau gewidmet.
WN: Ja, es ist eine Hommage an meinen Schutzengel. Denn wenn sie damals nicht das Richtige getan hätte, nämlich sofort den Notarzt zu rufen, säße ich heute wohl nicht hier. Aber mal abgesehen von dem Titelstück sind es lauter Lieder, die ich über die 25 Jahre, die wir zusammen sind, für ich für sie geschrieben habe. Das Album erzählt unsere Geschichte – mit allen Höhen und Tiefen.



SC: Du hast die Platte in Woodstock aufgenommen. Ist auch der Vibe des „Woodstock Festivals“ auf dem Album?
WN:
Das Festival war ja so weit von Woodstock entfernt wie Köln von Koblenz! Ich war im richtigen Woodstock, da wo Bob Dylan auch gelebt hat. Eine sehr angenehme Stadt mit einer tollen Atmosphäre. Aber natürlich lebt der Ort von den Woodstock-Touristen. Wir haben uns so gefühlt, wie sich wahrscheinlich „The Band" vor 45 Jahren  gefühlt haben, als sie „Music From Big Pink“ aufnahmen. Das ist eigentlich wie ein Kolumbus-Ei – du gehst dorthin und machst einfach mal Musik ...