Interview: Ennio Morricone

Einst spielte er das Lied vom Tod. Heute lässt er sich von Metallica zum Essen einladen. Im Interview spricht er über 50 Jahre Musik und seine gleichnamige Tour ... Ausgabe 01/2014

Morricone, der 1928 in Rom geboren wurde, hat seine Heimat trotz der Verlockungen von Hollywood nie verlassen. Seine erste Filmmusik komponierte der Italiener 1961 für die Kriegskomödie Il federale – Zwei in einem Stiefel von Luciano Salce. Anfang 2014 wird der 85-Jährige seine bekanntesten Melodien in Berlin, München und Köln live mit Orchester vorstellen. SOUNDCHECK hat den Mann, den viele nur den Maestro nennen, nach seinem Konzert in Dublin getroffen. Und er war viel gesprächiger, als es ihm gemeinhin zugeschrieben wird.

SOUNDCHECK: Maestro, gestern fing der Taxifahrer sofort an, die Melodie von Zwei glorreiche Halunken zu summen, als ich erzählte, dass ich Sie treffe. Passiert Ihnen so was auch, dass Leute Ihnen Ihre Melodien vorsingen?
Ennio Morricone: Auf der Straße erkennen mich die Leute meist nicht! Aber neulich hat sich ein Freund in Rom einen Spaß mit mir gemacht: Er ging auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig, und ich hatte ihn nicht gesehen. Er fing daraufhin an, die Melodie aus besagtem Film zu pfeifen. (pfeift die Melodie) Reflexartig drehte ich mich um, um nachzuschauen, was da los ist. Ihn hat das sehr amüsiert.

SC: Wie kamen Sie damals auf dieses musikalische Thema?
EM: Vielleicht merken es die meisten Menschen nicht, aber die Melodie ist nichts anderes als Kojoten-Geheule in Musik übertragen (heult wie ein Kojote). Genau das habe ich gemacht!

SC: Dem dafür etablierten Begriff Spaghetti Western konnten Sie aber nie etwas abgewinnen.
EM: Nein, denn wir sind hier nicht im Restaurant. Nennen Sie es doch bitte Italo-Western.

SC: Aber Spaghetti mögen Sie ansonsten?
EM: Ich bin absoluter Pasta-Fan!

SC: Gibt es einen Westernhelden den Sie, abgesehen von Clint Eastwood, bewundern?
EM: Ich habe die Filme gesehen, die Sergio Leone mit Klaus Kinski gemacht hat. Kinski war anders, er spielte so böse und aggressiv. Das ist mir sehr im Gedächtnis geblieben, auch wenn ich seine Tochter noch lieber mag ...