Interview – Deep Purple

Wenn es um die Erfahrung geht, die eine Band mitbringt, kann wohl kaum jemand mit Deep Purple konkurrieren - schließlich sind die englischen Rocker schon weit über 40 Jahre live unterwegs. Wir zeigen euch, wie das Team der Band arbeitet und wie der Arbeitsalltag der Musiker aussieht. Vorhang auf.

 

Am 30. November waren Deep Purple zu Gast in der Olympiahalle München. Nachmittags hatten wir Gelegenheit, uns mit drei Leuten aus der Produktion zu unterhalten. Zusammen mit Tommy Anderson, Tobi Hoff und Lothar Strunk geben wir euch in der nachfolgenden Reportage einen kleinen Einblick in das Tour-Management, die Ton- sowie die Giarren-Technik. Nachdem wir erst einmal komplett um die Olympiahalle gelaufen sind, finden wir doch noch pünktlich den richtigen Eingang. Den ersten Halt machen wir bei Lothar Strunk, dem Produktions-Manager.

Lothar Strunk im Interview

SOUNDCHECK: Kannst du uns erklären, wie solch eine Tour geplant wird?

Lothar Strunk: Das beginnt schon Wochen oder eher Monate im Vorfeld mit der generellen Planung. Zunächst wird ein Lichtdesign erarbeitet. Dann wird bei entsprechenden Firmen nach Material angefragt. Weiterhin müssen Hängepläne erstellt werden, die an die Tournee-Veranstalter weitergeleitet werden. Alles ist im Grunde genommen ein laufender Prozess. Ich vertrete die Band weltweit und bin sechs Monate pro Jahr mit ihnen auf Tour. Momentan bereite ich schon wieder die nächste Australien-Tour vor.

Wie beginnt der Tag im Venue?

LS: Morgens müssen erst einmal über der Bühne die Hängepunkte eingezeichnet werden. Dann werden mit den Haus-Riggern die Punkte gehängt, sprich Motoren in die Decke montiert, um Traversen, Lautsprecher, Video-Leinwände, Projektoren - also alles was fliegt - unter die Decke zu kriegen. Im gleichen Zug werden die ersten Trucks ausgeladen und Helfer eingeteilt.

Wie viele Stunden arbeitest Du täglich?

LS: Sagen wir mal so: Ich bin morgens zwischen 8 Uhr und 9 Uhr in der Halle und zwischen 1 Uhr

und 2 Uhr nachts ist Feierabend.

Welche Probleme können denn auftreten?

LS: Dass Leute die Bühnenanweisungen nicht lesen oder Dinge, die bestellt sind, für nichtig erachten. Wie zum Beispiel die Garderobenausstattung. Das sind ja auch Dinge, die nicht von selbst passieren. Die Band hat gewisse Vorstellungen wie ihre Garderobe aussehen soll. Alleine da gibt es schon viele Ansatzmöglichkeiten für Fehler. Wenn jemand nicht aus dem Gastro-Bereich kommt, richtet er ein Buffet eben anders an als jemand, der das jeden Tag macht. Und das sind dann eben die klassischen Ärgernisse. Oder es fehlen immer mal wieder Helfer oder sie finden sich nicht ein, sprich drücken sich vor der Arbeit. Das sind dann halt Momente, wo man durchaus mal etwas lauter werden muss.

Für so etwas bist auch du zuständig?

LS: Wenn die Sache aus dem Ruder läuft, kommen die Leute eben zu mir und beschweren sich. Ich muss dann von oben nach unten die Hierarchie-Kette abarbeiten und den oder die Verantwortlichen finden. In diesem Fall dann den Helfer-Chef, von dem ich mir erklären lassen muss, wo seine Leute geblieben sind. Und wenn gar nichts hilft, werden dann Leute auch mal nach Hause geschickt. Hält die Fäden während der Tour in der Hand: Lothar Strunk.

Geht Dir so etwas nicht auf die Nerven?

LS: Das sind nicht unbedingt die Aufgabenbereiche, die ich gerne erledige.

Welche Dinge machen dir denn Spaß, was ist der Grund für dich, den Job zu machen?

LS: Ich mach das schon sehr, sehr lange. Ich war Anfang der 80er Jahre schon bei Deep Purple, damals noch als Toningenieur.

Wie kam dann der Sprung vom Tontechniker zum Tourmanager?

LS: Ich habe nebenbei bei einer größeren PAFirma im oberen Management gearbeitet. Dadurch gab es auch organisatorische Tätigkeiten, die ich erledigen musste. Somit rückte der Job als Tontechniker immer weiter in den Hintergrund. Und 1998 habe ich die Marius-Müller-Westernhagen-Tournee als Mischer mitgemacht. Danach dachte ich mir: Größer kann es für mich als Tontechniker eh nicht werden, dann machst du jetzt mal was anderes. Ich habe das erreicht, was ich machen kann und damit lasse ich es nun auch. Auf Club-Touren hatte ich keine Lust mehr.

Gab es denn schon einmal etwas, das richtig schief gelaufen ist?

LS: Mit jeder Band für die ich bisher tätig war, ist die Backline schon einmal abgesoffen. Auch im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich während eines Tornados. Das war dann zwar nach fünf Minuten vorbei, aber die Instrumente waren nicht mehr einsetzbar. Wir haben derzeit auch mit unserer zweiten Backline, die in New York ist, Probleme. Schuld war Hurricane Sandy. Das sind so Sachen die schief gehen. Aber große Katastrophen sind bisher Gott sei Dank ausgeblieben.

Roger Glover im Interview

Um auch einen Eindruck zu bekommen, wie der Alltag der Musiker auf Tour aussieht, baten wir Roger Glover zum Interview. Hier gibt er detaillierte Einblicke in das Leben On The Road.

SOUNDCHECK: Hi Roger, du bist gerade wieder mit Deep Purple auf Tour. Wie läuft es so?

Roger Glover: Soweit gut. Die letzte Tour war, was die Performance der Band angeht, eine der besten seit Jahren, wenn du mich fragst. Wir waren sowieso schon immer eher eine Live- als eine Studioband, denn der einzige Weg, wirklich neue Fans zu gewinnen, ist, zu ihnen zu gehen, wo auch immer sie sind. Und natürlich ist das Touren für uns mittlerweile auch existenziell, seit die CD-Verkäufe zurückgegangen sind.

Ihr spielt ja eine ganze Menge Shows in recht kurzer Zeit. Wie bereitet ihr euch auf so eine Tour vor und wie haltet ihr euch fit?

RG: Die Erwartungshaltung bestimmt die Vorbereitung. Verschiedene Touren verlangen auch eine unterschiedlich intensive Vorbereitung, je nach Bandmitglied. Zum Glück sind wir alle gute Musiker, es kommt also öfter vor, dass ein Song nur kurz im Proberaum besprochen wird und wir ihn dann möglicherweise das erste Mal direkt vor Publikum zusammen spielen. Das mag gefährlich sein, ist aber auch aufregend. Und wir haben schon so unsere gesundheitlichen Probleme wie jeder andere auch, aber vielleicht ist es ja die Musik, die uns fit hält.

Welches Equipment benutzt du auf der aktuellen Tour?

RG: Ich habe Vigier-RG-Special-Viersaiterbässe dabei, dazu den Blacksmith mit 4-x-10"-Boxen, alles von TC Electronic. Außerdem nutze ich für Solos noch einige Effekte TC Electronic und EBS.

Welche Art von Monitoring bevorzugst du und warum?

RG: Auf der Vorderseite der Bühne haben wir gar keine Monitore, nur Sidefills - ich habe es nie gemocht, wenn Wedges die Bühne zumüllen. Don Airey und lan Paice haben ihre eigenen Monitorboxen. Ich habe vor ein paar Jahren auch mal ln-Ear-Monitoring ausprobiert, aber nach zwei Wochen habe ich das wieder sein lassen - es hat sich nicht richtig angefühlt.

Wie muss man sich einen typischen Tourtag bei dir vorstellen?

RG: Ich stehe auf, bisweilen sogar rechtzeitig zum Frühstück. Dann packe ich meine Koffer und es geht ab in die nächste Stadt, dann zum Hotel und später ist vielleicht noch Zeit für einen Spaziergang, Abendessen, für etwas Arbeit am Computer oder um sich etwas auszuruhen. Wenn ich mich dann fertig gemacht habe, geht es auf zum Konzert, wir sagen der Crew Hallo, essen und trinken noch etwas, ziehen uns um und treffen uns kurz zu fünft, bevor wir auf die Bühne gehen. Nach der Show nehmen wir uns rund eine Stunde Zeit zum Umziehen, um noch etwas zu essen und Fans und Freunde zu treffen. Dann geht es ins Hotel, eventuell noch auf einen Absacker in der Bar und dann versuchen wir zu schlafen.

Wie entscheidet ihr, welche Songs ihr spielt? Und wechselt ihr die Songs von Show zu Show?

RG: In den letzten Jahren waren die Änderungen der Setlist eher minimal und meist kontrovers diskutiert. Letztendlich spielen wir, was wir für eine gute ausgewogene Show halten. Manchmal tauschen wir bestimmte Songs. Aber in diesem Jahr werden wir viel neues Material in das Set packen.

Ihr spielt alte wie neue Songs. Haltet ihr euch dabei an den jeweiligen Albumsound?

RG: Wir spielen, wie wir spielen. Da wir uns unsere alten Alben nur sehr selten anhören, kopieren wir die Songs nicht, sondern versuchen, ihnen neues Leben zu verleihen.

Wie haltet ihr Kontakt zu den Fans? Eher direkt nach den Konzerten oder auch über Facebook und Co.?

RG: Seit dem Aufkommen des Internets hat sich unsere Beziehung zu den Fans komplett verändert. Über die Jahre wurden so viele Fans zu richtigen Freunden, weil die Kommunikation jetzt viel einfacher ist, als über einen traditionellen Fanbrief, bei dem ich ehrlich gesagt kaum jemals Zeit hatte, ihn zu beantworten, ganz abgesehen davon, zum Postamt zu gehen und ihn abzuschicken. Aber Facebook interessiert mich nicht, dafür habe ich keine Zeit.

Hast du noch einen Tipp für junge Musiker, die eine Profikarriere anstreben?

RG: Das hängt ganz davon ab, was du von einer Karriere erwartest. Wenn du nur berühmt werden willst, bist du schon auf dem Holzweg. Wenn du allerdings fest entschlossen bist und bereit bist, alles auf eine Karte zu setzen und dir den Arsch abarbeiten willst, weil du weißt, dass die Zeichen schlecht stehen, dann nur zu. Wenn du Musik liebst und ein Genie bist, musst du nicht darüber nachdenken. Wenn du voll motiviert bist, versuch es; denn Musik ist etwas Tolles um darin involviert zu sein - und man muss ja nicht Millionen von Alben verkaufen, um es zu genießen und sich eine Karriere aufzubauen.

Was sind die weiteren Pläne der Band?

RG: Das neue Album "NOW what?!" ist jetzt fertig, neue Livesongs und jede Menge Touren.

Von Lothar werden wir in die Halle geführt, wo gerade der Linecheck durchgeführt wird. Der  Tontechniker, Tobi Hoff, ist nach kurzer Wartezeit gut gelaunt bereit für unser Interview.

Tontechniker Tobi Hoff im Interview

 

Tobi, schildere uns den typischen Arbeitstag als Tontechniker.

Tobi Hoff: Mein Arbeitstag beginnt zwischen 11 und 12 Uhr, also relativ entspannt. Ich kann in der Regel ausschlafen oder etwas Sport machen. Dann wird die Backline aufgebaut, die ich mikrofoniere. Irgendetwas muss ich ja noch machen (lacht). Das klingt jetzt vielleicht alles etwas zu entspannt, ich war allerdings vorher schon bei Deep Purple acht Jahre als System-Techniker unterwegs und erst seit einem Monat habe ich die Position als FOH-Engineer. Die Band selbst taucht nie zum Soundcheck auf. Es gibt nur einen Linecheck mit den Backlinern. Das ist eine Sache von 15 Minuten und das wars dann.

Wie bist du als Systemtechniker zu Deep Purple bekommen?

TH: Ich war früher als freier Tonmann für TDR aus Essen tätig, die für Mitteleuropa das Material für die Deep-Purple-Show stellen. So bin ich mit der Produktion in Kontakt gekommen. Nach der letzten Tour ist mein Vorgänger ausgestiegen und hat mich vorgeschlagen.

Findest du deinen Job stressig?

TH: Nein, eigentlich nicht. Die Jungs machen das seit 40 Jähren und wissen sehr genau, was sie tun. Der ganze Tagesablauf ist extrem routiniert und es gibt selten Dinge, die unvorhergesehen passieren.

Welches Mischpult benutzt du?

TH: Eine Midas Pro 6.

Arbeitest du nur digital?

TH: Mittlerweile ja. Ich hätte auch kein Problem mit einer analogen Konsole. Bis vor sechs Jahren war es auch noch ein analoger Tisch, der da stand (Heritage 3000, davor Yamaha PM4000). Aber da mein Vorgänger bereits digitales Besteck hatte (Soundcraft Vi6), habe ich das erstmal so übernommen. Ich bin nur durch Zufall auf die Midas-Konsole gestoßen. Die ist zwar in der Bedienung erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, soundmäßig merkt man aber, dass da Midas dahintersteht. Selbst die Preamps sind denen der analogen Konsolen sehr ähnlich. Und es macht Spaß auf dem Ding zu mischen. 

Welches Material bringt ihr selbst mit und was wird euch zur Verfügung gestellt?

TH: Die Mikrofonie und Verkabelung haben wir komplett selbst dabei. Die ist in unserem Fall relativ speziell, da die Mikrofone teilweise in die Instrumente verbaut sind. Wir haben auch keine klassische Overhead-Mikrofonie, sondern an jedem Becken ein Mikro. Außerdem haben wir Teile des Monitorings dabei (Drumfill, Keyboard Wedges). Je nach Tour wird die Anlage mitgenommen oder zur Verfügung gestellt. Es gibt zum Beispiel keine Wedges und auch kein InEar, sondern Sidefills. Da gibt es nur wenige Konstellationen die gut funktionieren. Auf der Bühne ist es dann auch relativ laut, die Band ist das aber gewohnt und will das so haben. Die Stimme ist brettlaut und die Instrumente ebenso. In großen Hallen ist das natürlich kein Problem, aber es gab auch schon Zeiten, wo der Sound von vorne so laut kam, dass es beim Mischen problematisch war.

Legst du Wert auf bestimmte Mikrofone?

TH: Es gibt natürlich Mikrofone, die an manche Stellen besser funktionieren. Auch da habe ich viel von meinem Vorgänger übernommen. Ich benutze das Shure Beta 91 und das Beta 52 in der Kick, ein in die Toms eingebautes Spezialsystem, Audio-Technica 40 und 50 für Gitarren, sowie das Sennheiser MD 421 und das e604 fürs Leslie.

Benutzt du viele Kompressoren und Gates?

TH: Ja, allerdings nicht sehr stark. Der Drummer spielt sehr dynamisch. Grundsätzlich ist das etwas, das einem als Tonmann nicht so gefällt und wo man gerne zum Kompressor greift. Hier arbeite ich aber mehr mit dem Fader, wenn es mal zu laut wird. Bei den Toms ist es ähnlich. Da benutze ich zwar Gates, die machen aber relativ schnell auf.

Mischst du eher puristisch oder benutzt du viele Effekte?

TH: Definitiv puristisch. Die Band macht auf der Bühne schon einen Sound, der sehr authentisch ist. Der war schon immer so und ich bin der Meinung, dass man da nicht zu viel verändern sollte. Man kann das natürlich durch ein paar Hallräume unterstützen, um es angenehm zu machen.

Wie begegnet ihr - gerade in großen Hallen wie hier - der langen Nachhallzeit?

TH: Das ist eine Frage des Systemdesigns. Das Entscheidende ist, dass in einer Halle nur die Flächen angeregt werden sollen, an denen auch tatsächlich Leute sitzen. Mit modernen Lautsprechersystemen ist das möglich. Gerade hier in der Olympiahalle finde ich den Nachhall relativ homogen. Wesentlich unangenehmer ist es, wenn man bei kleineren Venues im Bassbereich stehende Wellen hat. In Deutschland gibt es sehr viele Hallen, die als Mehrzweckhallen aufgebaut sind. Da tut man sich schwerer als etwa in Frankreich, wo Gebäude existieren, die nur für Konzerte gebaut sind und auch dementsprechend akustisch ideal sind.

Spielt ihr immer mit der gleichen Anlage?

TH: In Zentraleuropa ja. Aber in Russland gab es schon jeden Tag eine andere Anlage.

Du musst dich dann also mit dem anfreunden was dann da hängt?

TH: Prinzipiell ja, jedoch wird im Vorfeld bereits kommuniziert, was benötigt wird und in 80 Prozent der Fälle passt das dann auch.

Wie hat sich das Touring und die Technik verändert und ist es heute leichter, einen guten Sound zu machen?

TH: Mittlerweile gibt es fast überall gut klingende Lautsprecheranlagen. Früher gab es da schon oft Dinger, die gingen überhaupt nicht. Irgendwelche Selbstbau-Teile, die auseinanderfielen oder so etwas. Heute klingen die meisten Lautsprecher von vielen Herstellern wirklich ok. Tendenziell ist es also definitiv leichter geworden zu mischen. Des Weiteren hat man heutzutage - bedingt durch die Digitaltechnik - nicht mehr so viele Racks neben sich stehen, obwohl das natürlich schon Spaß macht.

Benutzt Du überhaupt noch Outboard bei Deep Purple?

TH: Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, aus Sicherheitsgründen ein schönes Hallgerät von T.C. Electronic mitzubringen und es in meine Profi einzubinden. Allerdings klingen die internen Pluglns schon so gut, dass das eigentlich nicht nötig ist.

Welche Effekte verwendest Du?

TH: Ich nutze drei Hallräume, ein Echo und habe zudem noch einen Multibandkompressor auf der Stimme und das funktioniert alles einwandfrei. Auf der Summe ist ein EQ, den benutze ich aber nur, wenn ich während der Show merke, dass ich irgendwo noch ein paar Frequenzen leicht anheben möchte, um das Ganze schöner zu machen. Die meiste Arbeit macht da schon der Systemtechniker, der dafür sorgt, dass die Anlage gut klingt.

Nun werden wir zur Bühne geführt, um ein paar Fotos zu machen und uns die Technik nochmals aus der Nähe anzusehen. Währenddessen ist Gitarrentechniker Tommy Anderson so freundlich, uns etwas zu Steve Morses Equipment zu erzählen.

Gitarrentechniker Tommy Anderson im Interview

Tommy, was ist deine allererste Tätigkeit an einem Tag wie heute?

Tommy Anderson: Das erste, was wir tun, ist, eine Dusche zu finden (lacht). Wenn das erledigt ist, beginnen wir damit, die Backline aufzubauen. Die Instrumente werden konfiguriert und wir stellen sicher, dass alles funktioniert. Als erstes baue ich die Boxen auf, insgesamt sechs Stück, die von zwei Amps gespeist werden. Es sind jeweils zwei gestackt und nach dem Prinzip „links-mitterechts" angeordnet. In der Mitte kommt das reine Effekt-Signal an, links und rechts das trockene Gitarren-Signal. Die Effekte sind also immer separat vom trockenen Signal, denn dieses soll unverfälscht aufrecht erhalten werden. 

Welche Effekte benutzt Steve Morse?

TA: Es gibt drei Effekte beim Deep-Purple-Gitarrensound. Eine "Harmony Machine", ein sehr kurzes Delay und ein sehr langes Delay. Alle drei Pedale sind von TC Electronic und bekommen das Signal vom „Dry-Amp". Das Setup an sich recht simpel.

Erstellst du das Setup?

TA: Ja. Steve lässt mich da machen, weil er weiß, dass ich seinen Sound kenne und weiß, was er hören will. Wenn ich etwas finde, was ihm gefallen könnte, bringe ich es mit und lasse es ihn testen.

Welche Gitarrenverstärker benutzt ihr?

TA: Wir benutzen ausschließlich Engl Amps. Engl hat ein spezielles 100-Watt-Steve-Morse-Modell entworfen, das genau den Sound macht, den er haben will. Er klingt ein bisschen schärfer als die Standardmodelle. Außerdem hat er seine Steve-Morse-Gitarren von Music Man dabei.

Erzähl uns doch mal, was du während des Soundchecks machst!

TA: Beim Soundcheck stelle ich sicher, dass die Gitarren funktionieren, gestimmt und spielbereit sind. Ich prüfe außerdem ob die Saiten in Ordnung sind. Während der Show helfe ich Steve beim Wechseln der Instrumente. Ich habe eine Setlist, damit ich weiß, welcher Song als nächstes kommt, sprich, welche Gitarre er braucht und stelle sicher, dass sie absolut spielbereit ist.

Du spielst die Gitarren also auch beim Soundcheck?

TA: Als Gitarrist und großer Steve-Morse-Fan bin ich sogar in der Lage, sehr ähnlich zu spielen. Wenn Steve zum Venue kommt, hänge ich ihm nur noch die Gitarre um. Dann geht er auf die Bühne und das wars. Ich warte dann darauf, dass er seinen Blick zum Publikum wendet. Dadurch weiß ich, dass alles OK ist. Falls nicht, geht er hinter zu seinem Amp, was aber nie passiert.

Ist es wichtig für dich, zu simulieren was er spielt?

TA: Ich denke, es hilft sehr viel. Ich kenne ihn seit einigen Jahren und habe schon früher viel von seiner Musik selbst gespielt. Ich bin also sehr vertraut mit seinem Sound und daher ist es einfach für mich, nachzuahmen was er tut.

Es ist also schon eine Ehre, für Steve Morse zu arbeiten?

TA: Wahrscheinlich wäre ich gar kein Gitarrentechniker, wenn ich nicht für Steve arbeiten würde. Denn ich spiele selbst zu Hause. Sehr viel und schon mein ganzes Leben. Mein Vater hat Gitarren gebaut und so hatte ich sie schon immer um mich. Für Deep Purple arbeite ich zwar erst seit vier Jahren, aber für Steve schon länger. Als er vor zehn, zwölf Jahren mal mit seiner Band in meiner Gegend gewesen ist, gab es Probleme mit einem Marshall. Da wir uns schon kannten, rief er mich an. Ich nahm den Amp mit nach Hause, reparierte ihn und brachte ihn für die Show am nächsten Abend zurück. Damals realisierte er wohl, dass ich mehr als nur spielen kann. Seit dieser Zeit holten sie immer mich dazu, wenn es irgendwelche Probleme gab. Heute sind wir beste Freunde. 

Wer jetzt noch mehr Lust auf Deep Purple bekommen hat, hier geht es zum Porträt von Ian Paice.