IMG Stageline DM-101

Mikrofone in nostalgischem Vintage-Design sind derzeit absolut en vogue. Mit dem neuen DM-101 schlägt nun auch IMG Stageline in diese Kerbe. Was man vom DM-101 erwarten darf, verrät euch unser Praxistest.

Das moderne Mikrofon-Design ist größtenteils geprägt durch funktionale Aspekte und weitgehend standardisierte Formgebung. Auch der Anbieter IMG Stageline hat ein entsprechendes Repertoire an Schallwandlern im Produktportfolio. Neben vielen zeitgemäßen Mikros im gewohnten Look bietet der Bremer Elektronik- und Veranstaltungstechnik-Spezialist mit dem jüngsten Mitglied der Mikrofonfamilie nun einen Schallwandler, der einen – zumindest optisch – sofort in die „gute, alte Zeit“ von Dean Martin und Elvis Presley zurückversetzt.

Der erste Eindruck des DM-101

Ausgeliefert wird das DM-101 in einem schlichten, stabilen Karton. Nimmt man diesen in die Hand, um das Mikrofon von seiner Verpackung zu befreien, wird man sofort von dem überdurchschnittlichen Gewicht von stolzen 740 Gramm überrascht. Nach dem Anheben des Deckels und dem Entfernen eines Schaumstoffdeckels wird das Gewichtsgeheimnis gelüftet. Ein massives, sauber verarbeitetes und robustes Zinkgehäuse in nostalgischer Brikettform gibt dem Mikrofon sein charakteristisches Design. In den Handgriff eingearbeitet finden wir neben einem 1/2"-Stativgewinde und dem symmetrischen XLR-Kabelanschluss einen Ein-/Aus-Schalter. Das Innenleben des Mikros ist gut geschützt hinter einem schwarzen, in das Zinkgehäuse eingelassenen Metallkorb-Geflecht, das mit akustischem, schwarzem Gewebe hinterfüttert ist. Die Dual-Mikrofonkapseln, die der dynamischen Kapsel des DM-101 ihren charakteristischen Klang geben, sind in einer neu entwickelten Kapselaufhängung montiert. Ein silbernes, holografisch schimmerndes Logo ziert die Rückseite des Mikros und unterstützt den hochwertigen Gesamteindruck. Im Lieferumfang enthalten ist, neben dem Mikrofon selbst, auch eine dick gepolsterte Mikrofontasche sowie eine mehrsprachige, gedruckte Bedienungsanleitung, die auch aus dem Internet heruntergeladen werden kann, falls sie mal verloren gehen sollte.

Testsetup und Vergleichskandidaten

Mit einem Gewindeadapter von 1/2" auf 3/8", der leider nicht im Lieferumfang enthalten war, montierten wir das Mikrofon für unseren Praxistest auf einem handelsüblichen Stativ und schlossen es mit einem XLR-Mikrokabel an unser Soundcraft-Spirit-Studio-Mischpult an. Die 24 Kanäle wurden sodann über ein Motu-24-I/O-AD/DA-Interface an unseren Studiorechner übertragen. Als Vergleichskandidaten nutzten wir das wohl bekannteste Live-Gesangsmikrofon, das Shure SM 58, sowie vergleichbare Kandidaten der Hersteller Electro-Voice und Sennheiser, die in gleicher Weise an das Mischpult angeschlossen wurden. Beim Setup wurde darauf geachtet, dass alle Mikrofone dynamisch sind, Kondensator-Mikrofone kamen nicht zum Einsatz. Als neutrale Messlatte hatten wir ganz bewusst das Neumann TLM103, als von uns standardmäßig am meisten verwendete Studio-Mikrofon mit im Testsetup. Zur Wiedergabe stand uns ein Studio-Monitor-System des Herstellers Adam Audio zur Verfügung, welches über einen nahezu linearen Frequenzgang von 25–35.000 Hz verfügt. Da live allerdings eher selten ein Lautsprecher-System dieser Güte zu finden sein dürfte, verbanden wir zur Simulation einer Live-Situation alternativ noch zwei aktive Zweiweg-Monitor-Boxen mit zwei Gruppen-Ausgängen des Mischpults.

Wie wurde das DM-101 getestet?

Getestet wurden sowohl Sprache als auch Gesang – jeweils mit männlichen und mit weiblichen Stimmen. Die jeweils mit den unterschiedlichen Mikrofonen produzierten Stücke wurden als Tracks in unserer Cubase-DAW aufgezeichnet. Bei den Aufnahmen wurde darauf geachtet, dass alle EQs in Flat-Einstellung und alle PANs zentriert waren. Alle Mikrofone verwendeten die gleichen Pre-Amps unserer Mischpult-Kanalzüge und auch sonst wurde auf gleiche Rahmenbedingungen geachtet. Die Ergebnisse wurden dann über das Studio-Monitor-System wiedergegeben und bewertet. Nach den Aufnahmen erfolgte jeweils der zusätzliche Test mit den aktiven PA-Monitor-Boxen, wobei unter anderem auch das Feedback-Verhalten genau geprüft wurde.

Das Testergebnis

Die Testergebnisse des DM-101 sind im Vergleich zu denen seiner „Mitbewerber“ keineswegs als „veraltet“ oder „nostalgisch“ zu bezeichnen. Der Ein-/Aus-Schalter arbeitet absolut geräuschfrei und auch sonst ist das Mikro, dank seiner innovativen Kapselaufhängung, extrem unempfindlich gegenüber Handgeräuschen oder Geräuschen, die bei der Nachjustierung des Stativs entstehen können. Auch der XLR-Anschluss ist ideal gelöst. Durch die Unterbringung im Handgriff, mit dem das Mikrofon auch auf das Stativ montiert wird, verläuft das Kabel immer parallel zum Stativ, ohne einen Knick am Stecker zu verursachen. Besonders hervorzuheben sind die klanglichen Eigenschaften der Dual-Mikrofonkapseln. So ist das am Mischpult ankommende Signal spürbar stärker als zum Beispiel beim Shure SM 58 und auch der Nahbesprechungseffekt ist stärker ausgeprägt.

Durch die leichte Anhebung des Signals in den tiefen Frequenzen und in den Höhen, die auch auf dem Frequenzdiagramm in der Bedienungsanleitung ersichtlich ist, klingen die Stimmen warm und rund, wobei die angehobenen Höhen für eine sehr gute Sprachverständlichkeit sowie für den berühmten und vielbeschworenen, seidigen Glanz der Gesangsstimmen sorgen. Erinnert man sich etwa an die warme Stimme von beispielsweise Dean Martin, so kann mit dem DM-101 ein ähnlich authentischer Sound erreicht werden. Auch der Test mit den PA-Monitor-Boxen bestätigte den ersten Eindruck der uns bereits über die Studio-Monitore übermittelt wurde. Bedingt durch die Supernieren-Charakteristik war der Spielraum vor dem Mikrofon etwas größer als bei anderen dynamischen Testkandidaten und auch die große Feedback-Unempfindlichkeit ist erwähnenswert. Insgesamt gesehen bekommt man mit dem DM-101 ein modernes, leistungsfähiges, dynamisches Mikrofon für den Live-Einsatz, das zusätzlich zu seinen hervorragenden Klang-eigenschaften auch noch ein optischer Hingucker ist.

Fazit und Einsatzempfehlung

Das DM-101 könnte man, wie der Test gezeigt hat, als „Wolf im Schafspelz“ bezeichnen. Modernste, dynamische Mikrofontechnologie ist hier verpackt in ein sehr sauber verarbeitetes, nostalgisch anmutendes Gehäuse. Das Mikrofon färbt die Stimme durch die Anhebung der tiefen und hohen Frequenzen etwas ein, wobei das entstehende Gesamtklangbild jederzeit angenehm warm, kräftig und rund gerät und zudem mit den in der Tontechnik so begehrten seidigen Höhen angereichert ist. Das DM-101 eignet sich daher sehr gut als Sprach- und Gesangsmikrofon für den Live-Einsatz. Seine Stärken kann es am besten bei ausdrucksstarken Gesangsparts zeigen. Ihnen verleiht das Mikro definitiv diesen intimen, unter die Haut gehenden und authentischen Charakter.