Homerecording: Mixdown Guitar

Nach den Aufnahmen ist vor dem Mix: Besonders bei Gitarren und Bässen ist es wichtig, mit dem richtigen Mix das Maximum aus den Recordings herauszuholen. Wir zeigen euch, wie ihr mit dem Einsatz von Plugins eurer DAW euren Recordings den finalen Schliff verpasst.

Der Mixdown von E-Gitarren und E-Bass sollte zunächst separat angegangen werden. Erst im nächsten Schritt soll die Einheit zwischen den beiden Instrumentengruppen erzeugt werden. Beim E-Bass ist darüberhinaus die Vereinigung mit der Kickdrum ein wichtiger Bestandteil eines guten Mixdowns.

In den meisten Fällen liegen Gitarren links und rechts in Stereo vor und sind identisch gespielt. Beurteilt die Gitarren zunächst im musikalischen Kontext zusammen mit allen Instrumenten und hört, in welches Soundgewand ihr die Gitarren legen wollt.

Auch wenn ihr im finalen Mixdown die beiden hart links und rechts im Panorama platziert, solltet ihr den Sound für erstmal eine Gitarre in der Mitte im Solo-Mode beurteilen. Es fühlt sich einfach komisch an, wenn man die ganze Zeit nur von einer Seite ein Gitarrensignal hört. Wenn beide Gitarren gleich klingen sollen, kopiert ihr einfach die Einstellung von einem Channel-Strip in den nächsten.

Für die Unerfahrenen unter euch empfiehlt sich Trial and Error. Es ist keine Schande, sich mal durch alle Presets eurer DAW zu hören.

Allen Fortgeschrittenen empfehle ich, von einem neutralen Grundsound des Amps auszugehen. Reduziert nicht schon direkt die Mitten, nur weil ihr es gewohnheitsmäßig „immer“ so macht.

Es ist wichtig, den Klang des Pre-Amps, Lautsprechers und Mikrofons innerhalb der Sound Library kennenzulernen. Wählt zunächst den passenden Bestandteil aus und geht erst dann an die EQ-Einstellungen des Pre-Amps und die Mikrofoneinstellungen.

In den meisten Gitarrensound-Emulationen lassen sich

  • Pre-Amp
  • Lautsprecher (Cabinet)
  • Effekte (meist Reverb)
  • Mikrofontyp und Mikrofonabstand

frei einstellen und miteinander kombinieren.

Ein paar Faustformeln zum Verständnis, was bei den einzelnen Parametern passiert:

  • Je direkter das Mikrofon am Speaker, desto isolierter/komprimierter/in-your-face-mäßiger wird der Sound. Durch den Abstand wird der Klang luftiger.
  • Je weiter Richtung Kalotte (Lautsprecher-Mitte), desto heller und krisper wird der Sound.
  • Je weiter Richtung Außenmembran, desto weicher und diffuser das Endresultat.

Für das Recording darf man gut und gerne etwas zu viel Gain reindrehen (nur bei Plugins, nicht beim Amp, da es destrukiv wäre), damit es sich beim Spielen gut anfühlt. Im Mixdown sollte man behutsam mit dem Gain vorgehen.

 

Homerecording: analytischer EQ (Störfrequenzen reduzieren)

Das Gitarren- und Basssignal lassen sich gut von Störfrequenzen befreien, indem ihr mit einem parametrischen EQ mit enger Kurve und starker Anhebung langsam über das gesamte Frequenzband mit dem Curser fahrt. Störfrequenzen sind die, die andauernd gleichmäßig zu hören sind, unabhängig von der Tonhöhe des gespielten Materials an der Gitarre.

EQ auf der Gitarre im Mixdown

Es gibt keine Regeln, aber ein paar Tipps, die im Zweifelsfall hilfreich sein können. Meist ist im Gesamtkontext der Bassanteil einer E-Gitarre störend. Lasst dem E-Bass und der Kickdrum den Platz und setzt einen Low-Cut-Filter zwischen 50 Hz bis 80 Hz. Darüberhinaus beurteilt die Gitarre nicht nur solo, sondern auch im Kontext.

Meist konkurrieren Stimme, (Rhytmus-) Gitarren, Streicher und Pianos im Mittenbereich von 800 Hz bis 3 kHz. Jedes Signal lässt sich in eine bestimmte Richtung tweaken, doch ihr müsst zunächst bedenken, welche Signale beim Mixdown im Vordergrund und welche im Hintergrund stehen sollen.

Da meist das Hauptaugenmerk auf der Stimme liegt, solltet ihr dieser den Bereich von 3 kHz reservieren. Wenn eure Musik auf Rhythmusgitarren basiert, sollten sie in der Priorität unmittel­­­­bar hinter der Stimme stehen. Auch wenn die meisten Gitarristen gern die Mitten bei 1 kHz scoopen, ist in diesem Bereich häufig ein guter Platz für die Gitarren. Meist kann eine Anhebung bei 250 bis 400 Hz den Druck erhöhen und die Gitarre etwas fetter,  brachialer machen. Reduziert bei 1,5 -2 kHz, um dem Piano und den Streichern Platz zu lassen.

Wenn die Gitarre im Mixdown eher im Hintergrund bleiben soll, ist eine breite Reduktion der Mitten im Bereich von 400 Hz bis 2 kHz sinnvoll. Um den Ton nicht komplett zu verlieren, kann man ihn im Bereich von 1 kHz bis 2,5 kHz anheben. Der Bereich von 3 kHz bis 6 kHz sollte minimal reduziert werden.

Das Gitarrensolo oder Lead-Gitarren passieren meist, wenn die Stimme im Hintergrund oder in der Song-Passage gar nicht vorhanden ist. Demnach werden Leads gern bei 1 kHz reduziert (weiterhin Platz für die Rhythmusgitarren) und im Präsenzbereich von 3 kHz gefeatured.

Das Attack kann bei 3 kHz bis 7 kHz besser hörbar gemacht oder reduziert werden.
Einige Mixing-Engineers reduzieren die Rhythmusgitarren schon ab 5  kHz, andere heben über 10  kHz nochmal an, um es luftiger zu machen. Ohne dies bewerten zu wollen, lässt sich aber sagen, dass der Höhenbereich nicht der Fokus der Gitarre ist.
Wenn die Gitarren links und rechts nicht das Identische spielen, bieten sich auch unterschiedliche Sounds an.

Ein häufiger Fehler ist, den Gitarrensound schon in der Mixdown-Phase zu höhenreich zu gestalten. Lasst die Signale zunächst noch etwas matter.  Bedenkt, dass im Mastering dem Gesamtmix noch Höhen und Brillanzen zugefügt werden.

Sollte die Gitarre am Ende immer noch zu muffig sein, sind der Waves API-550-EQ  oder der Plugin-Alliance MeEQ4 starke Hilfsmittel.

Kompression auf der Gitarre

Kompression ist erforderlich, aber lässt die Gitarren unerwünscht schnell pumpen. Der Attack wird gern bei 10 ms bis 50 ms eingestellt. Gerade bei Kompression sollte man die Abhöre eher leise haben, um etwaiges Pumpen schneller registrieren zu können. Durch Erhöhung der Gain-Stufe beim Mixdown geschieht übrigens eine automatische Kompression, sodass man bei krassen Zerrsounds nicht mehr viel komprimieren muss.

High-Gain-Modern-Metal-Sound (Gain-Staging)

Das moderne Metal-Gitarrenspiel hat sich im Vergleich zu den 80ern massiv verändert. Rhythmus und Leadgitarren verschmelzen immer weiter und Passagen werden immer anspruchsvoller zu spielen.
Viele Amp-Simulationen sind in meinen Ohren noch zu Old School und repräsentieren eher Vintage-Metal-Sounds aus den 80er und 90er Jahren.
Empfehlenswert sind die Joey-Sturgis-Guitar-Plugins in Zusammenarbeit mit Jason Richardson und Misha Mansoor. Hier lassen sich glasklare Clean-Sounds und drahtige Rhythm- und Lead-Sounds erzeugen.

Für (Alternative-/Indie-) Rock-Sounds empfehle ich die Native Instruments Guitar Rig oder IK-Multimedia Amplitube.
Der moderne Metal-Sound basiert auf Nutzung mehrerer Gain-Stufen, erzeugt durch Pedal-Simulationen und Amp-Simulationen. Man löst nicht mehr alles mit der einen Amp-Simulation, sondern addiert mehrere unterschiedlich klingende Zerren (ähnlich wie Gain-Staging).

Experimentiert beim Mixdown mit Pedal-Simulationen, fasst den Gain-Regler aber kaum an. Vielmehr soll die Färbung des Pedals den Klang beeinflussen. Denn jedes Pedal – ob analog oder digital – klingt eingenständig. Wenn ihr mehrere Pedale aneinanderreihen wollt, solltet ihr mit dem Gain behutsam umgehen. Empfehlenswert sind Emulationen des Tube-Screamer oder BOSS SD-1 Overdrive.

EQ für den E-Bass

Der Bass soll sowohl die Gitarre anfetten, als auch im Einklang mit der Kick­drum stehen.
Abhängig von der musikalischen und geschmacklichen Ausrichtung bekommt entweder die Kick oder der Bass den tiefen Anteil im Frequenzgang.
Magische Frequenzen sind 50 bis 80 Hz und um die 250 Hz, was den Tiefbass- und Bassanteil angeht. Ich persönlich feature gern die Kickdrum bei 50 Khz bis 80 Hz und reduziere den E-Bass hier ein wenig. Dafür bekommt der E-Bass eine Anhebung bei circa 200 Khz.

Sowohl Kickdrum als auch Bass brauchen ein gutes Attack bei 4 kHz bis 6 kHz. Präsenzen über 8 kHz können dem E-Bass noch etwas mehr Schimmer und Klarheit verleihen.

Kompression beim E-Bass

Grundsätzlich wird ein E-Bass meist stärker komprimiert als E-Gitarren, was die Ratio betrifft. Hier kann man gut und gern in den Bereich von 4:1 bis sogar 20:1 gehen. Der Attack sollte im Bereich 10 ms bis 50 ms liegen, damit der Transient erhalten bleibt.

Side-Chain-Kompression mit Trigger durch die Kickdrum ist empfehlenswert, wenn man die Bassdrum immer durchsetzungsstark haben will. Sollte in eurem Mixdown der Bass die Kick immer etwas verschleiern, ist Side-Chain-Kompression das richtige Mittel.

Legt dazu in den Channel-Strip des E-Bass einen Kompressor, der über einen Side-Chain-Eingang verfügt, an. Als Eingangssignal (Trigger) nehmt ihr die Kickdrum. Nun wird der Kompressor immer aktivert, wenn die Kickdrum gespielt wird. Je stärker die Ratio, desto stärker wird der Bass durch die Kick abgesenkt. Je länger die Release-Zeit, desto länger dauert es, bis der Bass wieder auf Ursprungslautstärke ist.

Sinnvoll ist eine recht kurze Release- und Attack-Zeit mit einer moderaten Ratio, da der Effekt meist nicht hörbar sein und subtil passieren soll.

Homerecording: Effekte einsetzen

Damit das Ursprungssignal nicht zu undurchsichtig oder verschwommen im Mixdown wirkt, sollten Effekte wie Delay, Reverb, Chorus etc. über einen Aux-Channel angesteuert werden und nicht direkt im Channel-Strip liegen. Somit sind die Gitarren noch deutlich erkennbar, aber man bekommt zusätzlich Stereo- und Raumtiefe. Das macht den Mix mehrdimensionaler und größer.

Ich persönlich lege für eine Lead-Gitarre immer drei Busse, die über Aux-Channels bedient werden, an. Einer mit einem Stereo-Delay, einer mit Chorus und einer mit Reverb. Nach Geschmack fahre ich den Effekt im Gesamtmix hinzu und höre, was passiert.

Was im Live-Bereich meist nicht gern gesehen (gehört) wird, ist Delay auf der Rhythmusgitarre. Im Studio ist dies eine gute Möglichkeit, um Mehrdimensionalität zu erzeugen, ohne einen Raumsound zu nutzen. Fast jedes Raum-Plugin klingt sehr eigenständig und nicht immer stellt es einen musikalisch zufrieden, aber nichtsdestotrotz sollen die Rhythmusgitarren mehr Tiefe haben. Das funktioniert gut über Delay und Chorus.
Auch die Anwendung mehrerer Delays (kurze Delay-Zeit bei 350 ms und lange Delay-Zeit über 700 ms), kann gerade bei tragenden Soli noch mehr Dramaturgie erzeugen.

Natürlich können auch auf die Effekte EQs gelegt werden, wenn man zum Beispiel das Delay nur in einem bestimmten Frequenzbereich hörbar machen möchte. Häufig reduziert man den Präsenzbereich großflächiger bei 3 kHz und natürlich die Tiefmitten unterhalb von 300 Hz.
Besonders zu erwähnen ist das Analog-Delay, das bei jeder Wiederholung an Höhen verliert – quasi wie ein reales Echo. Dieser Delay-Typ erzeugt ein warmes Delay, was dem Ursprungssignal noch mehr Präsenz lässt.

Reverb: Viele Reverb-Plugins sind mit einem EQ  ausgestattet. Entweder nur mit Low- und High-Pass-Filtern oder sogar einem parametrischen Equalizer, mit dem mehrere Frequenzbänder bearbeitet werden können.

Es ist manchmal sinnvoll, den Reverb im Frequenzgang zu bearbeiten, damit er den Mix nicht überfüllt. Meist schneidet man pauschal alles unter 100 Hz mit einem Low-Cut-Filter (=High-Pass-Filter) weg, damit genug Platz im Mixdown für die Kick und den Bass bleibt.

Geschmackssache ist, ob man den Mittenbereich oder den Höhenbereich reduziert. Sollte im Mittenbereich in eurem Gesamtmix viel passieren (Vocals mit vielen Backing-Stimmen, umfangreiche Gitarrenarbeit, et cetera), ist es ratsam, eher den Höhenbereich mit Reverb anzureichern.

Beim E-Bass sind oben genannte Effekte nicht standardmäßig, da der tieffrequente Anteil sonst im Mixdown verloren geht. Im schlimmsten Fall verliert der E-Bass beim Einsatz von Modulationen wie einem Chorus das gesamte Fundament. Somit ist es oft ratsam, den Bass trocken zu lassen.
Distortion ist ein aktuelles Thema beim E-Bass vor allem im Modern-Metal (Djent/Core/...).

Besonders spannend ist das Fab-Filter-Saturn-Plugin, das einen Multiband-Verzerrer darstellt.

Somit lässt sich nur ein bestimmtes Frequenzband anzerren. Wenn man den gesamten Frequenzgang des E-Bass' anzerrt (egal ob mit Fuzz, Overdrive oder Booster), kann der Endsound im Gesamtmix schwammig und undefiniert werden.

Daher ist der Saturn von Fab-Filter sehr empfehlenswert. Solltet ihr den E-Bass gern „wet“ mit diversen Effekten gestalten wollen, solltet ihr ihm auch den nötigen Platz im Mix lassen.
Der Bass bekommt zum Beispiel durch einen Octaver und Chorus eine ganz andere Funktion im Mix; er wird breiter, im Frequenzbild umfangreicher und gefühlt lauter. Demnach müssen die Gitarren eventuell hinten anstehen.

Natürlich kann man auch nur gewisse Song-Passagen mit Effekten beim E-Bass anreichern. Sollten in der Strophe beispielsweise nur Bass, Drums und Vocals passieren, ist es ratsam, den Bass interessanter zu gestalten. Dadurch bleibt der Mix größer.

Gitarren-Bus vs. Gitarren- und Bass-Bus

Pauschal lässt sich sagen, dass es einen eigenständigen Gitarren-Bus geben sollte. In manchen Fällen ist auch ein gemeinsamer Bus für E-Gitarre und E-Bass denkbar, wenn diese Instrumente eine  untergeordnete Rolle im Gesamtmix spielen.

Wie auch bei den Drums hat der Bus-Channel für die E-Gitarren die Aufgabe, die Signale zu einer Einheit zu verschmelzen. Ich empfehle, die Solo-Gitarre direkt auf die Main-Summe zu geben, da Rhythmusgitarren final anders bearbeitet werden als die Solo-Gitarre.

Es bieten sich typische Bus-EQs und Kompressoren wie der Plugin-Alliance-SSL-Channel oder Waves-API-EQs und Kompressoren. Gerade bei mehrstimmiger Gitarrenarbeit ist ein gemeinsamer Bus verantwortlich für einen einheitlichen Sound.

Mehr Workshops und Testberichte rund um das Thema Band-Equipment findet ihr hier.