Digitale Mischpulte fernsteuern

Zwischen Band und "Front of House" liegen Kabel. Dicke Kabel. "Den Aal aufrollen". Das muss aber nicht mehr sein. Wir zeigen, wie man digitale Mischpulte über mobile Tablets bedient - und geben sieben goldene Regeln an die Hand.

Bei großen Konzerten gibt es keine Alternative zu Ton- und Lichtplätzen, die mitten im Publikum oder an anderen Stellen mit freier Sicht auf die Bühne platziert sind. Bei manchem Gig mischt sich eine Band selbst von der Bühne aus. Dazwischen gibt es eine Menge Zweifelsfälle, die die Frage aufwerfen, ob das ganze Processing nicht auf der Bühne verbleiben kann. Ein Tonmensch schreitet stattdessen das Publikum ab und kann mit dem Tablet das digitale Mischpult steuern.

Dieses Verfahren gibt es seit einigen Jahren und es dürfte immer beliebter werden. Inmitten der Zweifelsfälle zwischen „geht von der Bühne aus“ und „um den FoH-Platz kommst du nicht herum“ stehen Stadtfest- und Club-Gigs. Für die werden oftmals Gagen gezahlt, bei denen man den Euro mehrfach umdrehen muss, und bei denen deswegen der Auf- und Abbau-Aufwand gering ausfallen sollte.

Ein FoH-Platz bedeutet einen enormen Aufbau-Aufwand. Beim Open Air braucht man einen geeigneten Wetterschutz. Tonstrom muss von der Bühne zum FoH-Platz verlegt werden und ein Multicore. Diese Kabel sollen so verlegt und gesichert sein, dass es keine Stolperfallen gibt, und beim Stadtfest müssen diese Kabel gegen Wetter, die Stoffwechselprodukte angetrunkener Szene-Gänger sowie gegen Überfahrenwerden von Lkws geschützt werden.

Und wenn doch ein Fußgänger darüber stolpert und sich verletzt, muss es eine Versicherung geben. Diese Kabel und ihre Sicherungen sind schwer, groß, teuer, dreckig, zeitaufwändig beim Auf- und Abbau – und obendrein wartungsintensiv. Das sind triftige Gründe, sich diesen Aufwand zu ersparen, auch wenn ein schöner Tonplatz durch nichts zu ersetzen und ab einer gewissen Größe der Veranstaltung auch unverzichtbar ist. 

Der FoH-Ton- und Lichtplatz ist schließlich nicht nur ein sicheres Refugium für lange Arbeitstage mit guten Hör- und Sichtverhältnissen. Er liefert die richtigen Bedingungen für Side-Racks, separate Zuspieler wie den CD-Player, das Lichtpult und Sitzgelegenheiten. Insbesondere bietet das FoH Platz für die Fader des digitalen Mischpult. Also beste Haptik und intuitiven Zugriff auf die allerwichtigsten Soundparameter. Zugleich kostet dieser Platz aber auch Raum für Gäste oder Tresen.

Digitale Mischpulte gibt es in niedrigen dreistelligen bis siebenstelligen Preisbereichen. Wir interessieren uns hier nur für solche, die halb soviel kosten wie ein Auto, aber auch nur für solche, die eine Band bedienen können, die aus mehr als drei Musikern besteht – und die von Tablets (Android und/oder iOS) drahtlos fernbedient werden können. 

Was digitale Mischpulte bieten

Natürlich ist es eine Kostenfrage, was wir von digitalen Mischpulten an Leistungsmerkmalen erwarten dürfen. Aber die Kernpunkte eines Lastenhefts lassen sich benennen, die man von digitalen Mischpulten heute erwarten kann und abfragen muss. Die vorgestellten Mischpulte bieten kaum alle Komponenten, aber oft die meisten davon:

  • Dynamics (Kompressor/Limiter) in allen Ein- und Ausgängen, Gates in allen Eingängen
  • Voll parametrische Equalizer in allen Kanalzügen und in allen Ausgängen, gegebenenfalls zusätzlich Grafik-EQs mit Analyzern in allen Ausgängen
  • Programmierbare Gain-Regler, Flying Faders (Motorfader), und damit auch: Total Recall, Programmierbarkeit von Scenes und Scene-Automation
  • Integrierte Effektprozessoren, die neben Nachhall und Echo auch ein breites Portfolio an Effekten für einzelne Instrumente liefern, etwa den obligatorischen Chorus zur Stereofonisierung von Gitarren
  • Funktionalität als Audio Interface für Computer, mit der Maßgabe, dass ein angeschlossener Computer als Harddisk-Recording-System fungieren kann. Bei einigen digitalen Mischpulten können serienmäßig oder über Erweiterungskarte Festplatten oder Speicherkarten ohne Computer direkt angeschlossen werden
  • Vom Audio-Interface unabhängiger Anschluss für ein digitales Multicore und eine digitale Stage-Box respektive eines Erweiterungs-Mischpults („Monitor-Mixer“)
  • Optionale Karten für digitale Multicores kompatibel zum Dante-Standard
  • Bedienung vom Tablet und/oder Smartphone aus, plus übersichtliche Bedienung über einen farbigen Touch-Screen direkt am Gerät. Multi-Touch mehrerer Fader simultan
  • Genug analoge Eingänge als separat phantomgespeiste XLR-Ins mit Einschleifpunkten, ergänzt durch eine angemessene Anzahl an Klinken- und Cinch-Eingängen, gegebenenfalls digitale Ein- und Ausgänge (S/PDIF, AES/EBU)
  • Direkte Wiedergabe von MP3- oder WAV-Dateien von USB-Stick oder SD-Karte, etwa zum Zuspielen von Einlassmusik oder Playbacks

Diese zehn Punkte werden von einigen hier vorgestellten Geräten unterboten oder überboten, aber sie markieren den Kern dessen, was für Bands wichtig sein kann. Ein Gerät mit diesen Eigenschaften ersetzt all dies, was in den Tagen analoger Mischpulte separat mitgebracht und installiert werden musste:

• Mischpult

• Multicore

• Stagebox

• Equalizer, Kompressoren, Limiter im Side-Rack

• Effektgeräte im Side-Rack

• PA-Controller im Side-Rack, Analyzer

• Zuspieler für Einlassmusik und Cues (CD-Player)

• Der gesamte Tonplatz

Maximale Reduktion: auch das digitale Mischpult einsparen

Den extremsten Ansatz bieten Geräte, in denen das gesamte Processing in einer Art digitaler Stagebox verschwindet. Keine Fader, womöglich kein Bedienfeld, nur noch die Anschlüsse der Ein- und Ausgänge nebst Netzwerk-Fernbedienung. Solche Geräte sparen Platz und bieten die gesamte Funktionalität eines digitalen Mischpults inklusive Side-Rack, Total Recall und Automation.

Sie sind bei den ganz großen Systemen teils fernbedienbar mit Mischpult-ähnlichen Bedieneinheiten. Im für Musiker relevanten Markt verzichten sie vor allem auf den Bedienkomfort der Fader und setzen stattdessen auf die heute zumeist Multitouch-fähigen Tablets, mit denen mehrere virtuelle Fader simultan bewegt werden können. 

Wie so häufig, wenn es um die digitale Technik geht, muss man festhalten: Virtuelle Fader unter Glasscheiben sind nie so gut wie richtige Motorfader. Aber diesen Kompromiss einzugehen, kann – wenn man es mit den analogen Mischpult-Zeiten vergleicht – viel Kosten und Aufwand sparen.

Dies gilt umso mehr, wenn in der PA Anlage ebenfalls zusammengewachsen ist, was zusammengehört:

  • Controller
  • Endstufen und Lautsprecher in einem Gehäuse
  • Frequenzweiche im Subwoofer, auch „aktive Prozessor-PA“ genannt

In diesem Fall ist es damit getan, je ein XLR-Kabel zu verwenden, um vom digitalen Mischpult analog in den Eingang des linken und des rechten aktiven Subwoofers zu gehen. Der linke und rechte PA-Turm werden dann nur mehr mit Systemkabel gepatcht, und Strom ist zu legen.

Ähnlich simpel ist es mit den Monitoren, wenn sie aktiv sind. Einmal Strom, einmal XLR pro Box, fertig ist die Verkabelung der PA Anlage. Das gilt auch für In-Ear-Sender.

Steuerung digitaler Mischpulte über Netzwerke

Die meisten digitalen Mischpulte können heute über ein Netzwerk von mehreren externen Geräten ferngesteuert werden. Dabei kann es sich um mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones handeln, oder um Computer, also typischerweise Laptops.

Es stellt sich also die Frage, für welche Betriebssysteme der Hersteller digitaler Mischpulte oder auch ein Drittanbieter Apps anbietet, die es erlauben, alle, fast alle oder eine Auswahl von Parametern fernzusteuern. Ganz klar die Nase vorn hat dabei iOS, das Betriebssystem von Apples iPad, iPhone und iPod.

Bei Hard- und Software muss man ebenso wie bei der Firmware des digitalen Mischpults immer Versionsnummern beachten, um Mindestvoraussetzungen zu prüfen. Oftmals werden auch Android-Smartphones unterstützt; insbesondere, wenn es um das sogenannte Personal Monitoring geht.

Damit ist der Zugriff eines Musikers auf nur wenige Parameter gemeint, die typischerweise nur seinen Monitor-Mix betreffen (beispielsweise der den In-Ear-Monitorweg speisende „Aux 4 Send“ aller Kanalzüge), mit der Maßgabe, dass alle anderen Parameter vom Zugriff durch das Gerät ausgeschlossen sind, um Fehlbedienungen zu vereiteln.

Allen & Heath bietet über die Personal-Monitoring-App (QU-You für Android und iOS) und die App „Qu-Pad“ für den FoH-Engineer (iOS, also iPad mit Zugriff auf alles) auch eine iOS-App namens „Qu-Control“ an. Diese ist auf eine Zonen-Lautstärkeregelung reduziert, um beispielsweise dem Tresenpersonal den Zugriff auf die Wiedergabelautstärke des Konzertsaal-Programms auf die Kneipe zu ermöglichen. Diese Apps sind naturgemäß nur mit der Qu-Serie von Allen & Heath kompatibel. Aber fast jeder Hersteller bietet seine Apps für lau an – im Gegensatz zu den vermehrt auftretenden Drittanbietern, die sich an Verbesserungen der Features versuchen dürfen.

Die Bedeutung externer Steuersoftware für Laptop-Betriebssysteme (Windows, Linux, MacOs) scheint eher abzunehmen. Mit der Multi-Touch-Funktionalität des iPads ist nämlich die Möglichkeit gegeben, mehrere virtuelle Fader auf dem Bildschirm gleichzeitig „anzufassen“ und zu ziehen.

Das muss ein (aufgeklappter!) Laptop erst einmal toppen, auch mit Touch-Screen. Computer-Apps sind aber wunderbar zur Vorbereitung von Routings und Einstellungen, auch ohne dass das digitale Mischpult greifbar ist. Engineers, die für Verleih- und Touring-Betriebe mit sehr teuren Mischpulten arbeiten, können so Installationen vorbereiten, während das digitale Mischpult noch bei einer ganz anderen Show an einem anderen Ort im Einsatz ist. 

Digitale Mischpulte verfügen über separate Netzwerk-Anschlüsse (Ethernet), die mit den USB-Schnittstellen (für Firmware-Updates, Aufnahme- und Wiedergabe von Audio-Dateien) und gegebenenfalls weiteren USB-Schnittstellen für Harddiskrecording mit externem Computer (und dessen DAW) oder ohne (direkt auf Harddisk) nichts zu tun haben.

Die Ethernet-Buchse ist nur für das steuernde Netzwerk da, also für den Anschluss des WLAN-Routers. Dieser kann und darf mit dem Internet verbunden werden – muss aber nicht. In der Konzertpraxis wird man auf das Kabel zur „Telefon“-Dose eher verzichten – und kann dann auf dem iPad, das als Fernbedienung dient, keine E-Mails empfangen, solange man auf dem Mischpult-WLAN eingeloggt ist. Bei Festinstallationen ist mitunter eine Standard-Verbindung zum Internet gegeben, die auch Sicherheits- und Stabilitäts-Probleme mit sich bringen kann.

Der einfachste Fall, der uns als tourende Musiker mit eigenem digitalen Mischpult interessieren sollte, ist ein selbst mitgebrachter, am Show-Tag nicht ans Internet angeschlossener Router. 

Welchen Router für das digitale Mischpult verwenden?

Folgt man den Empfehlungen aus dem Kasten „Mix mit WLAN“, muss man bei der Auswahl des Routers nicht viel bedenken. Sinnvoll ist, dass dieser Router bei den meisten professionellen digitalen Mischpulten nicht eingebaut ist, damit man ihn einfach tauschen kann, was nach Region oder möglicherweise nach Änderung der Funkverhältnisse zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich sein kann.

Gebrauchte Router fallen im persönlichen Umfeld von Zeit zu Zeit an – etwa nach Provider-Wechsel. Wenn SOUNDCHECK einen Tipp zum Geld sparen geben kann, tut sie es gern: Mucker, solche Router müsst Ihr abstauben! Sie funktionieren nämlich und sind meistens schnell genug für so ein digitales Mischpult und zuverlässig genug für den Betrieb in einem Saal und einer Bühne oder mitten auf einem Marktplatz beim Stadtfest. 

Wenn man die Wahl hat, nimmt man einen Router, der parallel auf 2,4 GHz und auf 5 GHz funken kann und auf beiden Frequenzen den Kontakt zu entsprechend kompatiblen Geräten findet. Das iPad (ab iPad 2) findet 5 GHz, neuere iPhones auch. Trotz der halbierten Wellenlänge ist bei 5 GHz die Reichweite nicht geringer, denn moderne Router arbeiten mit so genanntem „Beamforming“. Dabei werden die verschiedenen Antennen minimal zeitlich so zueinander gestaffelt, dass eine bevorzugte räumliche Sende-Richtung zum Empfänger automatisch gesucht wird. Das passiert im Hintergrund vollautomatisch, auf Basis von Test-Datenpaketen, die zwischen Router und Mobilgerät ausgetauscht werden. Verblüffend, aber wahr. 

Wer einen Router extra für den Mischpult-Einsatz einkauft, kann diesen Empfehlungen von Allen & Heath als Lastenheft folgen:

  • Kompatibilität zu den Standards 802.11n und 802.11ac mit Beamforming auf 2,4 GHz und 5 GHz
  • Auto Channel Select
  • Abnehmbare Antennen zwecks Neuausrichtung
  • WPA-Verschlüsselung

Wenn mehr als eine Handvoll Mobilgeräte mit dem digitalen Mischpult verbunden werden soll, empfiehlt Allen & Heath einen „Aironet Wireless Access Point“ von Cisco. Dies kann der Fall sein, wenn in einem Orchestergraben tatsächlich eine Vielzahl von Musikern/Musikerinnen das Personal Monitoring konsequent mit dem eigenen Smartphone fernbedient. Diese Empfehlung dürfte herstellerübergreifend gültig sein.

Ein Netzwerk für mehrere Audio-Systeme

Die IP-Adressen der einzelnen Geräte werden typischerweise automatisch vergeben, über das DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol). Eine manuelle Zuordnung kann in Betracht kommen. Das heißt dann „statisches DHCP“ und bedeutet, dass die IP-Adressen der Geräte ihren MAC-Adressen („Ethernet-ID“, „Airport-ID“) fest zugeordnet werden. Dies wird in der Praxis aber erst dann spruchreif, wenn mehrere Hardware-Geräte per Netzwerk-Kabel (Ethernet) gemeinsam an einem Router hängen.

In Beschallungsanlagen könnte das zum Beispiel ein Netzwerk für das Controlling von Endstufen, PA-Controllers und professionellen Funkmikrofonsystemen sein. Es kann nämlich für den Audio-Engineer wünschenswert sein, an seinem iPad die App für das digitale Mischpult zu verlassen und Controller-Apps für die PA Anlage oder das Funksystem-Rack zu öffnen – ohne das WLAN zu wechseln!

Jetzt geht es weiter mit den sieben goldenen Regeln. Dort geben wir euch sieben hilfreiche Hinweise, wie ihr euch die Vorteile der digitalen Mixer möglichst effektiv zu Nutze machen könnt. 

Die sieben goldenen Regeln für die Fernsteuerung digitaler Mischpulte

1.  «Weiht die Musiker-Kollegen ein.»

Da die Sicherheit immer Vorrang hat, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass eine Fehlbedienung eines digitalen Mischpults dramatische Konsequenzen haben kann. Wir müssen dem vorbeugen, dass ein Fehler wie das volle Aufreißen von Fadern – mit der Konsequenz eines bösen Rückkopplungs-Pfiffs – und eine mögliche Unterbrechung der Fernbedienung durch einen Funkabriss des iPads zum WLAN genau in diesem dummen Moment die dramatische Konsequenz haben kann, dass der Pfiff nicht mehr aufhört, bevor nicht alle Anwesenden taub und alle Lautsprecher zerstört sind. 

Wenn also das digitale Mischpult, ganz ohne Bedienungselemente auf der Bühne steht, daneben Musiker arbeiten, aber du machst dich auf den Weg in den Publikumsbereich, instruiere die Musiker in der Nähe des Systems, was im Alarmfall zu tun ist.

Steht da ein Endstufenrack? Weise für diesen Fall auf die Netzschalter der Endstufen hin. Sind da Master-Fader, die in jeder Betriebsart zugänglich sind? Weise auf diese Master-Fader hin, und dass diese zur Not heruntergezogen werden können. Alternativ kann man auch die XLRs aus den Ausgängen ziehen, wenn man weiß, um welche es sich handelt. Wahrscheinlich ist ein Bassist oder Keyboarder anwesend, der diese Hinweise gerne zur Kenntnis nimmt, während ihr euch vom digitalen Mischpult entfernt und euch dem iPad und dem Funktionieren des Netzwerks ausliefert.

2. «Testet die Verbindung und schreite die Zonen ab.»

Vor pegelkritischen Maßnahmen wie dem Einpfeifen schreitet ihr den Publikumsbereich mit dem iPad ab und prüft am Beispiel harmloser Parameter, ob die Verbindung zum WLAN zuverlässig ist. Fernbedientes Einpfeifen ist nicht zu empfehlen. Diesen Prozess solltet ihr lieber mit dem Finger am Hardware-Fader durchführen.

3. «Überlasst das Personal-Monitoring nur Musikern mit Ahnung.»

Personal-Monitoring sollte nur denjenigen Musikern zugestanden werden, die wissen, wie Rückkopplungen zustande kommen. Und die wissen, dass es nicht nur Parameter zum Lauter-Drehen gibt, sondern auch welche zum Leiser-Drehen. Ein erstes Angebot für den Monitor sollte von euch als FoH-Engineer stammen, die Musiker können das vorhandene Angebot weiter bearbeiten.

4. «Behaltet die wichtigsten Parameter im Blick.»

Die Fernsteuerung kann dazu verleiten, sich in der Vielfalt der angebotenen Parameter zu verlieren. So bedeutend das Detail ist, das A und O beim Sound-Engineering sind:

  • die Mikrofonierung
  • die Positionierung der Lautsprecher
  • das richtige Einpegeln mit dem Gain-Parameter

Bei letzterem helfen zunehmend Digitalassistenten, die so genannten Wizards. Die EQ-Kurven in den Haupt-Gesangsmikrofonen (dort insbesondere die durchstimmbaren Hochpässe und die Shelving-Filter für die Höhen) sowie die EQs in den Front- und Monitorwegen entscheiden über Wohl und Wehe – auch bei ferngesteuerten digitalen Mischpulten.

Real Time Analyzer (RTA), deren Bilder sich hier direkt in die EQ-Kurve einblenden lassen, mit minimalem Delay auch in das Bild der App, erweisen sich als extrem hilfreich, weil man an den zappelnden Spitzen der Darstellung hochpräzise erkennen kann, wo das Zentrum einer Absenkung zum liegen kommen muss. 

Die Thresholds und Ratios der Gesänge und des Basses lassen sich in den iPad-Apps live begutachten. Man sieht, wo die Thresholds liegen, wie sie im Rhythmus des Sig­nals überschritten werden und Gain Reductions hervorrufen. Das solltet ihr im Auge behalten, damit die musikalische Dynamik erhalten bleibt. Damit die leisen Töne gut gehört werden, ohne dass das Fortissimo das Gehör sprengt.

5. «Gatet die Drums sorgfältig.»

Praktisch alle digitalen Mischpulte verfügen über Dynamics in den Eingangskanalzügen, und zwar zusätzlich zum Kompressor auch ein Gate und/oder Downward-Expander.

Was nicht alle bieten sind Key Filter in der Side Chain, die es erlauben, die Gates auf spezifische Frequenzbereiche reagieren zu lassen. Dies wird zur Unterscheidung von Kick und Snare, aber auch zur Unterscheidung der verschiedenen Toms benötigt.

Achtet auf dieses versteckte Detail beim Mischpult-Kauf! Mitunter muss man nur deshalb, weil ein solches Key Filter fehlt, doch mit externen Prozessoren arbeiten. Beim Umhergehen mit dem iPad empfiehlt es sich zu prüfen, ob die Gates wirklich dafür sorgen, dass die Drum-Mikrofonkanäle Ruhe geben, solange die Trommel nicht klingt. Das ist für die Sauberkeit des Mixes essenziell, denn der Sound aus überflüssig offenen Drum-Mikrofonen ruiniert jeden Mix.

6.  «Bereitet die Scene vor.»

Bereitet einen Mix vor, bevor ihr zur Venue fahrt. Digitale Mischpulte erlauben eine komplette Vorbereitung mit Routing und Monitorpegeln nach Erfahrungswerten, mit den richtigen Phantomspeisungen und Basis-Einstellungen für die einzelnen Kanalzüge.

Für diese Basis-Einstellungen bieten viele digitalen Mischpulte Wizards oder Presets für Standard-Signale. Oft kann ein Setting im Probenraum mit den Musikern entwickelt oder ganz theoretisch vorbereitet werden.

So ist zum Beispiel bekannt oder berechenbar, dass der Drummer den gleichen Mix wie die Front braucht – aber bestimmte Abweichungen, etwa relativ 6 dB mehr Bass und die eigene Kick. Die Kanalzug-Namen oder - bei manchen digitalen Mischpulten - Farben und Symbole lassen sich vergeben.

Die Vorbereitung kann teils sehr weit gehen, mit Namen für die Ausspielwege, korrekt vorbereiteten Hochpässen in fast allen Kanälen, Ausspielwegen und so weiter. Wenn man diese Vorbereitung vor dem Show-Tag vornimmt, ist man mental gut vorbereitet und spart bei der Installation und beim Soundcheck viel Zeit.

7. «Aktualisiere alle Komponenten rechtzeitig vor der Show und sorge für Datenschutz.»

Das digitale Mischpult hat eine Firmware, der Router auch. Die Tablets und Smartphones haben Betriebssysteme, und die Apps Versionsnummern. Alles soll immer auf dem neuesten Stand sein. Beim digitalen Mischpult kann das bedeuten, Firmware-Updates per USB-Stick installieren zu müssen.

Dazu wird mit einem Computer die Firmware von der Website des Herstellers geladen, auf den USB-Stick kopiert und mit einem bestimmten Tastaturbefehl – zuweilen während des Hochfahrens (Einschaltens) - abgerufen. Der Router wird upgedatet, indem er selbst mit dem Internet verbunden wird. Smartphone und Apps melden sich selbst, wenn sie aktualisiert werden wollen. Wenn man nicht alles parallel updatet, läuft man Gefahr, dass das eine nicht mehr zum anderen passt. Das sollte aber in Ruhe geschehen, nicht am Show-Tag, an dem ein Update auch Inkompatibilitäten nach sich ziehen kann. 

Wenn ihr mit dem SSID des Routers das WLAN am Veranstaltungsort „Sound System Control“ nennt, ruft ihr unter 1.000 Gästen auch einen Komiker auf den Plan, der versuchen wird, sich mit seinem Smartphone in das digitale Mischpult einzuloggen. „Disable SSID Broadcast“ und eine aktivierte PA-Verschlüsselung halten ungebetene Gäste aus dem Netzwerk fern.

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