DAW: Sieben Goldene Regeln

In modernen DAWs laufen mehrere Entwicklungsstränge zusammen. Verschiedenes Studio-Equipment wird im Rechner vereinigt und unterschiedlichste Aufgaben inner­halb einer Software abgearbeitet. Das birgt Chancen, aber auch das Risiko für Fehler. Wer diese sieben goldenen DAW-Regeln beherzigt, kann schonmal einige vermeiden.

1. «Wähle deine DAW sorgfältig aus»

Eine DAW begleitet euch unter Umständen viele Jahre. Da lohnt es sich, wählerisch zu sein. Schreibt zu Beginn auf einen Zettel, was eure Anforderungen sind. Seid ihr Songwriter im Projektstudio? Produziert ihr Film,- oder Werbemusik? Nehmt ihr Bands in eurem Mietstudio auf oder produziert ihr Podcasts? Die unterschiedlichen Programme unterscheiden sich im Funktionsumfang für das Tagesgeschäft gar nicht so wesentlich. Viel unterschiedlicher sind der Workflow und die Bedienphilosophie.

Schaut euch aber auch  DAW Tutorial-Videos auf YouTube oder der Hersteller an. In den meisten Fällen gibt es sogar kostenlose Testversionen. Zieht euch Demos auf die Festplatte und experimentiert damit, um ein Gefühl für die DAW zu bekommen. Vielleicht muss es nicht immer die Vollversion für mehrere Hundert Euro sein. Für den Einsteiger reicht auch erstmal eine Lite-Version. Günstigere Varianten schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Nerven, da man nicht von überflüssigen oder komplexen Features abgelenkt wird. Ihr habt eine flachere Lernkurve und bei Bedarf kann man günstig auf die „Großen“ upgraden.

Berücksichtigt bei der Auswahl die Erweiterungsmöglichkeiten. Fast alle Hersteller bieten Soundpacks, Plugins oder Loop-Librarys als kostenpflichtige Erweiterung an. Möglicherweise findet ihr da einen Hersteller besonders attraktiv.
Was nutzen eure Freunde und Bandkollegen? Es ist hilfreich, wenn man Leute aus dem Umfeld fragen oder Projektdateien einfach austauschen kann.
Natürlich sollte der Preis ebenfalls in die Überlegungen einfließen. Was ist euch lieber: Ein einmaliger Kaufpreis oder ein Abo-Modell mit monatlichen Kosten? Welche Update-Häufigkeit ist euch wichtig? Manchmal kann man günstig an eine DAW kommen, wenn ihr sie im Bundle mit Hardware erwerbt. Einsteigerversionen von DAWs liegen oft bei Digitalpulten oder Audiointerfaces bei.

2. «Macht eine saubere Installation»

Früher war nicht alles besser. Die Installation einer DAW ist leichter geworden. So galt vor einigen Jahren die Regel: Einen Computer extra nur für die DAW und ein Zweiter nur fürs Büro und Internet. Das würde ich heute nicht mehr so drastisch sehen. Trotzdem lohnt eine saubere Installation. Mehrere Festplatten – eine für das Betriebssystem, eine für Sound-Librarys und eine für Audiospuren – machen immer noch Sinn. Die ersten beiden Platten dürfen gerne SSDs sein. So teuer sind diese nämlich gar nicht mehr. Seid ihr auf dem Laptop unterwegs, könnt ihr möglicherweise nicht einfach zusätzliche Festplatten einbauen. Hier besteht halt weiterhin ein Vorteil von Desktop-Rechnern.

3. «Halte deinen Plugin- Ordner sauber»

Kennt ihr diese Spezies? Der Plugin-Sammler: Er hat 200 Kompressoren und 300 EQs auf dem Rechner installiert und kennt jeden Freeware-Entwickler persönlich mit Namen und Lieblingsfarbe. Natürlich ist es schön, wenn man in der Produktion aus einer breiten Palette aus Tools auswählen kann. Aber ganz ehrlich, wie viele verschiedene Kompressoren braucht ihr tatsächlich für einen druckvollen Mix? Mir reichen drei bis vier, die ich dafür aber richtig gut kenne. Das spart Geld, Zeit und Festplattenspeicher. Aber auch die DAW-internen Plugins haben inzwischen ein Qualitätsniveau erreicht, mit dem man weit kommt. Beschäftigt euch erst einmal damit und kauft dann ganz gezielt nach, was ihr noch vermisst.

4. «Lege dir ein Ordnungs-System für die DAW zu»

Gut, der Plugin-Ordner ist sauber. Dann gewöhne dir am besten auch Ordnung in der Session selbst an. Ich empfehle eine Konstanz in der Session-Organisation. Benenne Spuren eindeutig. Nicht mal „Bassdrum“, mal „Kick“, mal „Reverb“, mal „Hall“ und verwende ein klares Farbschema. Bei mir sind aufgenommene Tracks zum Beispiel immer grau, Fehler immer rosa, korrigierte Abschnitte immer grün. Bei MIDI-Tracks färbe ich Streicher immer rot und Drums blau. Arbeitest du im Team, dann nutzt alle das gleiche Ordnungs-System.

5. «Passe deinen Workflow deiner Arbeitsumgebung an und umgekehrt»

Ich ziehe es vor, zügig mit der DAW arbeiten zu können. Ich nutze deshalb alle Hilfsmittel, die mir zur Verfügung stehen. Am Studio-Rechner­ betreibe ich ein Multi-Monitor-Setup mit vier Computer-Monitoren. So habe ich Arrangement, Mixer, Editor und Plugins immer in Sichtweite. Müssen es denn gleich vier Monitore sein? Nein, natürlich nicht. Aber zumindest ein zweiter Bildschirm kann eine große Erleichterung darstellen und da man einen 24-Zoll-Monitor schon für rund 120 Euro bekommen kann, würde ich es zumindest ausprobieren.

Gleiches gilt für Controller. Egal ob ein exklusiv für eure DAW entwickelter Controller, ein generischer Controller oder die Fernsteuerung via Tablet oder Smartphone. All dies kann euren Workflow beschleunigen. Verstärkt im Kommen ist die Integration von Touch-Monitoren.
Vielleicht wollt ihr aber lieber ortsunabhängig mit einem Laptop produzieren. Dann schafft euch ein kompaktes Reise-­Setup und optional einen Mini-Controller an.
Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Wenn ihr regelmäßig mit einer DAW arbeitet, lernt die wichtigsten Tastatur-Shortcuts! Das ist auch der Grund, warum ich ungern auf Laptops produziere. Diese verfügen nämlich üblicherweise nicht über einen Ziffernblock.

6. «Arbeite mit den Ohren»

Kennt ihr den wichtigsten Tipp für die Arbeit mit DAWs? Schließt die Augen und hört. Manche DAWs erlauben euch den Bildschirm via Tastaturkommando schwarz zu schalten.­ Häufig lässt man sich von der Informationsflut am Bildschirm ablenken. Einfach mal die Hand von der Maus nehmen, Augen zu und dem Mix lauschen. Danach könnt ihr gezielt Einstellungen verändern.

7. «Wähle Samplerate und Bit-Tiefe bewusst»

Moderne Audio Interfaces bieten euch normalerweise 24-Bit-Recording an. Der Qualitätssprung von 16 auf 24 Bit ist deutlich hörbar, also solltet ihr nur dann die Auflösung reduzieren, wenn Speicher oder Rechenleistung schon wirklich am Limit sind.

Intern arbeiten die DAWs sowie mit höheren Auflösungen (32-Bit oder 64-Bit Fließkomma). Headroom für den Mixdown habt ihr also reichlich. Bounct/exportiert ihr Tracks um sie anderen Musikern oder Studios zur Weiterverarbeitung zur Verfügung zu strellen, ist es sinnvoll diese auch als 24-Bit-fixed oder 32-Bit-Fließkomma-Datei zu rendern, selbst wenn später für die CD-Produktion die Summe auf 16 Bit gedithert „heruntergerechnet” wird.

Bei der Abtastrate / Samplerate besteht die Wahl zwischen 44,1 kHz (CD-Standard) und 48kHz (DVD / Filmstandard) sowie den jeweils doppelten Samplerates 88,2 kHz und 96 kHz. Hier gilt es einen Kompromiss zwischen Rechnerauslastung, Latenz und Klangqualität zu finden, wobei die Unterschiede deutlich feiner sind, als zwischen 16 und 24 Bit. Vermeiden sollte man ungerade Rundungen. Wenn ihr fürs CD-Format produziert, dann nehmt 44,1 kHz oder 88,2 kHz, aber nicht 48 kHz.

Noch mehr wertvolle Tipps, zum Beispiel, wie ihr euren Bandraum auf Vordermann bringt, findet ihr hier!