Audio Workstation XI-Machines Audio C1 Ultra

Alle paar Jahre muss ein neuer Rechner für die tägliche Arbeit ins Studio. Neben den
Grundentscheidungen – Mac oder PC, Tower oder Desktop – steht immer die Frage im Raum: Bringt es eine Workstation eines spezialisierten Herstellers wirklich?

Im Audiobereich stehen neben hoher Rechenleistung auch

  • möglichst hohe Geräuschdämmung
  • Last- und Langzeitstabilität
  • sichere Performance bei niedrigen Latenzen

im Fokus. XI-Machines aus Hamburg ist seit 2005 auf den Bau entsprechender Windows-Systeme spezialisiert und bedient neben dem Audiomarkt auch die Bereiche Video-Editing, 3D und VFX. Der Hersteller verfügt mit zahlreichen Referenz­installationen bis in den Industriebereich über einen guten Stand am Markt.
Unser Testgerät ist das Tower-Modell Audio C1 Ultra, das unter dem Begriff Einsteiger-Workstation fungiert. Es wird mit vorinstalliertem, auf das Einsatzgebiet optimiertem Betriebssystem (Win 10 Pro, 64 Bit) ausgeliefert. Grundsätzlich kann man sich bei der Bestellung dabei zwischen unterschiedlichen Prozessorvarianten entscheiden (basic, advanced, ultra) und wunschgemäß mit RAM bestücken lassen.

Innenleben der Workstation

Die Tower-Hardware ist funktional und hochwertig. Laut eigenen Angaben betreibt XI-Machines bei der Auswahl, Konfiguration und abschließenden Tests einen hohen Aufwand. Der große Tower mit zwei USB-Topanschlüssen wird mit Tastatur und Maus geliefert. Es beherbergt ein hochwertiges Asus-Motherboard, das auf Intels Chipsatz Z370 setzt. Es arbeitet mit einer Core-i7-8700K-CPU, die sechs Rechenkerne nebst Hyperthreading und eine Taktung von 3,7 GHz bietet. Die DDR4-RAM-Bestückung liegt bei 16 GB und kann bis auf 64 GB ausgebaut werden. Angetrieben wird das System der Workstation von einem hochwertigen 450-Watt-Netzteil.

Statt dedizierter Grafikkarte setzt der Audio C1 auf die Onboard-Grafiklösung Intel UHD Graphics 630 mit Display-Port 1.2, HDMI und DVI-Anschlüssen. Per Display-Port lassen sich dabei auch 4K-Bildschirme mit 60 Hz betreiben. Für die essenzielle Kühlung kommen ein beachtlicher CPU-Kühlkörper sowie vier Lüfter zum Einsatz. In unserem Fall war zudem das optionale Silent-Kit verbaut.
Tatsächlich ist das Betriebsgeräusch des Rechners sehr leise, wenn auch nicht völlig unhörbar. Beim Massenspeicher setzt XI-Machines für seine Workstation auf eine rasante M.2-Festplatte (256 GB) für das Betriebssystem, das in der Tat herrlich schnell startet.

Für Audiodaten wurde eine aufpreispflichtige Ein-GB-SSD-Festplatte (S-ATA) ergänzt, während man auf ein optisches Laufwerk verzichtet hat.

Ansonsten gibt es reichlich Platz für Erweiterungen:

  • 3 x PCle x16
  • 4 x PCIe x1
  • 2 x M.2
  • 6 x SATA
  • 4 x USB 3.1
  • 2 x USB 2.0 und GBit-LAN

Thunderbolt 3 ist bei Bedarf als günstige Tochterplatine nachrüstbar. Für Massenspeicher bietet das Gehäuse Platz für 3 x 5,25“-, 4 x 3,5“- und 1 x 2,5“-Laufwerke.

Recording Praxis

Abseits der hervorragend geringen Geräuschentwicklung interessiert uns vor allem die Performance des Rechners. Dabei ermittelten wir zunächst die allgemeine Rechenleistung mit Cinebench 15.03. Für die CPU ergab sich hier ein Wert von 1402 cb, während die Grafikleistung mit 65,10 fps eher moderat ausfällt. Das System verfügt eben (bewusst) über keine dedizierte Grafikkarte, die sich natürlich jederzeit nachrüsten lässt. Im Test mit hundert Prozent Last lief die angemessen gekühlte CPU ohne Throttling bei voller Taktrate. Die Messung der DPC- und ISR-Werte führte zu Ergebnissen zwischen 50 und 100 µs, die wir als gut bewerten und die auch im Einsatz mit geringen Puffergrößen von Audio-Interfaces unkritisch sind.

Interessanter ist natürlich der Praxisbetrieb der Workstation mit Audio-Software. Für diesen Zweck kam ein Focusrite Clarett 4 Asio Audio Interface über USB 2.0 zum Einsatz. Unter Cubase 9.5.03 nutzte ich den mitgelieferten Demosong mit 44,1 kHz bei minimalem Asio-Puffer von 16 Samples (in/out: je 2,04 ms). Die diversen Audio­spuren, Instrument- und Audioinstanzen ließen sich dabei völlig knackfrei reproduzieren und jederzeit um etliche Instanzen des Steinberg-Faltungshalls Reverence ergänzen.

Im zweiten Test betrieb ich Ableton Live 10.0.4 mit einer Abtastfrequenz von 192 kHz. Bei einer Asio-Puffergröße von 64 Samples (3,26 ms Gesamtlatenz) lief der Rechner auch hier anstandslos und knackfrei bis zu einer Live-Lastanzeige von 80 Prozent – sogar über Stunden. Das System blieb dabei für Eingaben flüssig ansprechbar. Schließlich ermittelte ich unter Live exemplarisch die mögliche Ausbeute an Plug-ins: Bei 44,1 kHz und 64 Samples Asio-Puffer konnte ich ungefähr 200 Live-Reverbs im HQ-Modus öffnen, ehe es bei einer Live-Lastanzeige von 70 Prozent zu knacken begann.

Dazu ein Hinweis: Entsprechende Knackgeräusche sind keinesfalls klar dem Rechner zuzuordnen, sondern können auch durch die Software und die Asio-Treiber verursacht werden. Bei einem anderen Audio-Interface kann sich der Wert und damit die Anzahl möglicher nutzbarer Plug-ins also durchaus ändern. Zusammenfassend liefert der Testrechner tatsächlich die erwünschte hohe Rechenleistung sowie alle anderen Eigenschaften, die man sich von einen Studiorechner erhofft. Dank der zahlreichen Schnittstellen ist das System zudem umfassend erweiterbar, etwa durch Audio-Interfaces oder DSP-Prozessorkarten, und dürfte so auch noch nach Jahren nutzbar sein.

Fazit Audio C1 Ultra

Wer eine performante, leise und erweiterbare Audio-Workstation auf Windows-Basis sucht, dürfte bei XI-Machines fündig werden. Hier investiert man in ein sinnvoll optimiertes, vorkonfiguriertes System und kann nach der Installation von Audio-MIDI-Interface und Produktions-Software direkt und sorgenfrei mit der Tonproduktion loslegen. Dass man hier etwas mehr Geld in die Hand nimmt als bei einer Bestellung von Einzelkomponenten im Internet, die man selbst zusammenbaut und abstimmen muss, liegt auf der Hand. Entsprechende Basteleien mag man mögen, bei XI-Machines entscheidet man sich hingegen für abgestimmte Arbeitswerkzeuge, die man sich natürlich leisten wollen und können muss – kompetenter Support inklusive. Dieser Aufpreis ist für das Herzstück des digitalen Studios meines Erachtens gut angelegt.

Workstation XI-Machines Audio C1 Ultra im Überblick

Bewertung

  • präzise arbeitende große Jogwheels +
  • 16 RGB-Pads +
  • Traktor Pro 3 im Lieferumfang enthalten +
  • preiswerte Komplettlösung +
  • mehrere EQ- und Filtertypen +
  • kurze Pitch-Fader -
  • noch nicht lauffähig unter iOS -

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