Audio Interface: Universal Audio Arrow

Audio Interfaces von Universal Audio waren bislang nur im mittleren und gehobenen Preissegment zu finden. Das Modell Arrow fällt deutlich günstiger aus, spart aber nicht an der Klangqualität.

Universal Audio platziert das Audio Interface Arrow in einem ungewohnt günstigen Preisbereich. Es kommt als kompaktes, aber sauber und robust verarbeitetes Desktop-Gerät mit je zwei Ein- und Ausgängen sowie unabhängig routbarem, kräftigem Kopfhörerverstärker.

Ausstattung des Audio Interface Arrow

Rückwärtig stehen über symmetrische Kombibuchsen Mikro- und Linepegel-Eingänge bereit, während frontseitig ein alternativer Hi-Z-Eingang vorhanden ist. Die Ausgänge sind als symmetrische Klinken ausgeführt.

Somit ist die zwar die Schnittstellenzahl des Audio Interfaces klar beschränkt, nicht jedoch die Technik, die vollständig auf den teureren Apollo-Modellen basiert. So entsprechen die bewährten Unison-Vorstufen, die Software-gesteuert die unterschiedlichsten Klangcharaktere annehmen können, aber auch die 24-Bit / 192-kHz-fähigen AD-DA-Wandler und der Aufbau der unterstützenden Elektronik der aktuellen Apollo-Generation. Auf digitale Audio-Schnittstellen und MIDI verzichtet Arrow hingegen gänzlich.

Als Schnittstelle zum Rechner kommt eine Thunderbolt-3-Verbindung zum Einsatz, weshalb Arrow auch komplett ohne externe Stromversorgung auskommt (aber eben auf Version 3 dieses Standards angewiesen ist).

Treiberseitig werden Windows 10 (64 Bit) und macOS ab 10.12 unterstützt. Für ein passendes Thunderbolt-3-Anschlusskabel muss der Anwender allerdings selbst sorgen.

Die Oberseite des Audio Interfaces Arrow bietet fünfstellige LED-Ketten für die Ein- und Ausgänge, einen umschaltbaren Lautstärke- und Eingangspegelregler sowie acht Funktionstaster. Letztere dienen der Konfiguration der Vorstufen und können per Recall-Plug-In in der DAW gespeichert werden.

Zur Verfügung stehen

  • Umschalter für die Kanäle und Eingangstypen
  • Hochpassfilter
  • Phantomspannung
  • Pad-Pegelabsenkung
  • Phasendrehung
  • Linkfunktion

Mehrwert des Audio Interface Arrow

Natürlich fehlt der obligatorische Signalprozessor nicht. Verbaut wurde ein SHARC 21469, der vorrangig der Nutzung latenzfreier Effekte bei der Aufnahme dient und unabhängig von der DAW-Puffergröße ist. Gleichzeitig ist dieser aber auch Teil des gesamten UAD-DSP-Systems und für die Mischung nutzbar.

Zum Lieferumfang gehört das Plug-In-Bundle Realtime Analog Classics. Es umfasst 14 Effekte, die sich allesamt auf dem DSP nutzen lassen. Namentlich umfasst die Ausstattung:

  • UA 610-B Tube Preamp und Equalizer
  • Marshall Plexi Classic
  • Teletronix LA-2A
  • 1176SE /1176LN
  • Pultec EQP-1A
  • Pultec MEQ-5
  • Precision Channel Strip
  • Precision Reflection Engine
  • Precision Delay Mod
  • Delay Mod L
  • Raw Distortion
  • Softube Bass Amp Room
  • RealVerb Pro

Bei vielen Plug-Ins handelt es sich um die bewährten, etwas betagten Legacy-Versionen, die betont effizient arbeiten, um bei der Nutzung mit dem Audio Interface Arrow kombiniert werden zu können. Gleichzeitig kann der Signalprozessor aber auch jedes bislang entwickelte UAD-Plug-In ausführen. Bei der Anzahl gleichzeitig nutzbarer Effekte stößt man jedoch schnell an Grenzen. Hier liegt neben der Schnittstelle zum Rechner und dem Fortfall des Netzteils der wesentliche Unterschied zu den Apollo-Twin-Modellen.

Messungen des Audio Interfaces

Eine knackfreie Wiedergabe bei unbeladenem DSP erreichte ich unter Windows (Win 10 / 64 Bit), mit einem Testarrangement (Live 10.0.1, 44,1 kHz) bei der minimalen Puffergröße von 32 Samples.

Das schwächere Macbook Pro 2016 (macOS 10.13.3, i5 / 2,9 GHz) erforderte hier eine Puffergröße von 64 Samples und 30 % Last. Auch dort betrug die kleinstmögliche Puffergröße 32 Samples. Die nächsthöheren Abstufungen erfolgen jeweils etwas grob in Form von Verdopplungen.

Audio Interface Universal Audio Arrow in der Praxis

Neben der hohen Klangqualität ist vor allem der mögliche nahezu latenzfreie Einsatz der zahlreichen UAD-Plug-Ins beim Aufnahmeprozess interessant. Ein Merkmal, das in dieser Preisklasse kein Mitbewerber bietet.

So kann man seine Gitarre über die mitgelieferte Marshall Plexi Classic-Simulation spielen oder den kostenpflichtigen Friedman BE-100. Dabei kann man sich grundsätzlich entscheiden, die Effekte mit aufzuzeichnen oder nur über den Monitorweg zu hören.

Mikrofonsignale kann man durch Unisono-Plug-Ins mit Färbung versehen, aber auch nach Bedarf verdichten, entzerren oder mit Nachhall ergänzen. Ebenso können Linesignale von Plug-Ins profitieren, etwa zur Sättigung oder über spezielle Equalizer. Dank der flexiblen Monitor-Console kann man die Plug-Ins nach Bedarf über die Eingänge, Ausgänge oder durch die DAW routen. So lässt sich Arrow auch als leistungsstarkes Backend für einen Live-DJ konfigurieren, etwa mit hochwertigem Limiter hinter dem Summenausgang. Mit einem Signalprozessor ist die Leistung natürlich begrenzt. Immerhin: Marshall Plexi Classic und Engl Savage 120 passen gleichzeitig auf den DSP (und erfordern eine DI-Box für den zweiten Eingang), als zusätzlicher Hall läuft dann aber nur noch die Reflection Engine.

Klang des Universal Audio Arrow

Über die Qualität der Wandler und Mikrofonvorstufen gibt es nur Gutes zu berichten: Die Preamps arbeiten rauscharm und ausgewogen über das gesamte Spektrum. Dazu liefern sie ein offenes und im Bassbereich straffes Klangbild. Die Unison-Technik des Audio Interfaces ermöglicht auf dieser Basis eine Überprägung der Vorstufen, um diese in Richtung Vintage oder markantem Eigenklang zu führen. Auch die Wandler zeichnen sich durch Transparenz und mustergültige Detailauflösung aus. Mit dieser Leistung steht das Universal Audio Arrow nicht nur in der Preisklasse bis 600 bestens da.

Fazit zum Audio Interface Arrow

Mit Arrow hat Universal Audio ein preislich attraktives und hervorragend klingendes Audio-Interface im Angebot, dass sich an Besitzer aktueller Rechner mit Thunderbolt 3 wendet. Dank des integrierten Signalprozessors kommt man erstmals in dieser Preisklasse in den Genuß der gleichermaßen variablen, hochwertigen Unison-Vorstufen und kann kompatible Plug-Ins direkt bei der Aufnahme quasi latenzfrei nutzen.

Technische Daten: Universal Audio Arrow

System: Win, macOS Thunderbolt 3

Anschlüsse: 2x Mic, 2x Line,

MIDI: Nein

Strom: 48V Phantomspeisung

Maße: 179 x 46 x 121 mm (B x H x T)

Gewicht: 2 kg

Bewertung des Audio Interfaces auf einen Blick

  • Hervorragende Vorstufen und Wandler
  • Integrierter Signalprozessor mit variablen Plug-Ins
  • Attraktiver Preis
  • Geringe Laststabilität der Treiber 

Mehr interessante Testberichte, wie zum Beispiel zu Plug-Ins von Prime Studio findet ihr hier.