Audio Interface iZotope Spire Studio

Mit dem Spire Studio bietet iZotope eine All-in-one-Lösung für spontane Audioaufnahmen in professioneller Qualität. Was dieses kleine Kompaktstudio in der Praxis leistet, haben wir für euch getestet.

Seit der Gründung im Jahre 2001 hat sich das Unternehmen iZotope Inc. mit Sitz in Cambridge, Massachusetts im Bereich Software-Audio-Plug-ins weltweit einen sehr guten Namen gemacht. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die erste Hardware-Produktion von iZotope. Das Spire Studio ist die ideale Acht-Spur-Recorder-Erweiterung für iPhones, iPads oder die Samsung-Galaxy-Modelle. Trotz seiner kompakten und handlichen Bauweise mit nur wenigen Bedienungselementen liefert das Audio Interface sehr gute Ergebnisse in Studioqualität. Wie sich das Spire Studio in unserem Praxistest bewährt hat und mit welchen Features es aufwarten kann, verrät euch unser nachfolgender Testbericht.

Erster Eindruck: iZotope Spire Studio

Der Markt der mobilen Aufnahmegeräte ist inzwischen so groß und un­übersichtlich, dass man sich als Hersteller schon etwas einfallen lassen muss, um aus der Menge der Anbieter hervorzustechen. Um das Spire Studio richtig verstehen und bewerten zu können, muss man sich die Zielsetzung von iZotope vor Augen halten: iZotope will mit dem Spire Studio ein kabelloses mobiles Aufnahmesystem bieten, das intuitiv zu bedienen ist und musikalische Ideen ohne lange Vorbereitungszeit sofort in professioneller Qualität aufzeichnen und weiterleiten kann. Ob iZotope dieses hoch gesteckte Ziel erreicht hat, wird unser Test zeigen.

Das Spire Studio von iZotope präsentiert sich in einer ansprechend gestalteten zylindrischen Verpackung. Beim Abnehmen des Deckels sollte man darauf achten, dass das Unterteil einen festen Stand hat und man zum Transport wegen des relativ hohen Gewichts von 624 Gramm die untere Hälfte anfasst. Das zylindrische pultförmige Gehäuse mit einem Durchmesser von circa zwölf Zentimetern und einer durchschnittlichen Höhe von circa zehn Zentimetern hat eine stabile Seitenwand aus Metall.

Der LED-Touchscreen des Audio Interfaces, die fünf Tasten sowie das Anschluss-Panel auf der Rückseite sind aus Kunststoff gefertigt. Das gesamte Gerät ist sauber verarbeitet und macht einen wertigen und stabilen Eindruck. Obwohl im Lieferumfang ein Netzteil enthalten ist, kann das iZotope Spire Studio dank des eingebauten Lithium-Ionen-Akkus bei voller Ladung mindestens vier Stunden auch ohne Netzteil auskommen.

Damit man das Spire Studio problemlos überall hin mitnehmen kann, bietet iZotope als Zubehör ein sogenanntes Travel Bag an. Diese wasserabweisende Polstertasche mit bequemem Tragegurt bietet Platz für zwei Spire Studios. In einer außen angebrachten Tasche lässt sich ein Netzteil unterbringen.

Nimmt man nur ein Spire Studio mit, kann die zweite Hälfte zum Beispiel für einen Kopfhörer oder ähnliches Zubehör genutzt werden. Der Gedanke, mit dem iZotope Spire Studio jederzeit in Studioqualität Songideen ohne Kabel aufzeichnen zu können, ist wirklich reizvoll und spornt zu ungeahnter Kreativität an.

Mehr Funktionen durch iZotope App

Wenn es nur darum geht, schnell mal eine Songidee festzuhalten, lässt sich das iZotope Spire Studio auch mit den nur fünf Tasten am Gerät selber bedienen. Will man jedoch den vollen Leistungsumfang des Audio Interfaces ausschöpfen, sollte man unbedingt die kostenlose App „Spire Music Recorder“ downloaden und installieren, die für iOS und Android verfügbar ist.
Nach der Installation der App auf unserem iPhone schließen wir für unser Test-Setup das Spire Studio mit dem im Lieferumfang enthaltenen Netzteil an die Stromversorgung an und schalten es durch Drücken des Power-Tasters ein, der direkt über der Eingangsbuchse des Netzkabels zu finden ist.

Nach dem Start der Spire Studio App auf unserem iPhone führt uns die Anwendung durch die wenigen Schritte zum Aufbau der Wi-Fi-Verbindung zu unserem Spire Studio Recorder.
Überhaupt hat iZotope beim Konzept des Spire Studio darauf geachtet, dass eine intuitive Benutzerführung gewährleistet ist und man ohne Bedienungsanleitung auskommt. Dennoch empfehlen wir, die umfangreiche Online-Dokumentation im Support-Bereich durchzulesen. So entwickelt ihr ein Gefühl für die Bedienung des Spire Studio und lernt seinen beachtlichen Leistungsumfang kennen. Alternativ bietet iZotope im Support-Bereich der Website auch interessant gestaltete Video-Tutorials, mit denen man das Spire Studio bequem kennenlernen kann.

Das Audio Interface in der Praxis

Doch nun genug der grauen Theorie. Wir haben die „Spire Music Recorder“ App auf unserem iPhone installiert, das Spire Studio mit dem Netzteil an die Stromversorgung angeschlossen und am rückseitigen Power-Schalter eingeschaltet. Unseren Kopfhörer haben wir an der vorderen der beiden Kopfhörerbuchsen angeschlossen.

In den WLAN-Einstellungen unseres iPhones wählen wir nun das Audio Interface iZotope Spire Studio als Netzwerk aus. Wir bestätigen dies am Spire Studio durch gleichzeitiges Drücken der beiden äußeren blinkenden Tasten „New Song“ und „Volume“, um die Verbindung zwischen beiden herzustellen. Das ist schon alles, wir sind startklar für unsere erste Aufnahme.

Um ein neues Songprojekt zu starten, drücken wir am Spire Studio die linke Taste „New Song“ oder das große rote Pluszeichen der App auf unserem Handy. Nun müssen wir uns entscheiden, was und wie wir die erste von unseren maximal acht Spuren aufnehmen wollen.

Für unseren Test möchten wir eine akustische Gitarre und unsere Vocals gleichzeitig aufnehmen. Dies können wir entweder über das eingebaute studiotaugliche Mikrofon, das sich hinter der Lochblechblende versteckt, oder über maximal zwei externe Studiomikrofone bewerkstelligen. Für diese steht an den rückseitigen XLR-Anschlüssen sogar eine zuschaltbare 48-V-Phantomspeisung zur Verfügung. Verwenden wir das interne Mikrofon, werden Vocals und Gitarre zusammen auf eine Spur aufgenommen. Verwenden wir zwei externe Studiomikrofone an den beiden Anschlüssen auf der Rückseite, benötigen wir zur getrennten Aufzeichnung auch zwei Spuren, was übrigens schon die maximale Anzahl an gleichzeitig aufnehmbaren Spuren ist. Wichtig ist auch die Tatsache, dass ein in Eingang 1 eingestecktes Instrument oder Mikrofon das interne Mikrofon automatisch abschaltet. Wenn ihr also das interne Mikrofon für eine Stereoaufnahme nutzen wollt, muss das zweite Mikrofon in Eingang 2 gesteckt werden und Eingang 1 muss frei sein. Um die Qualität des internen Mikrofons besser beurteilen zu können, haben wir in Eingang 2 zur parallelen Aufnahme ein etwa 1000 Euro teures Neumann TLM103 angeschlossen.

iZotope Spire Studio: sechs Stunden in Studioqualität

Bevor wir unsere Aufnahme starten können, müssen wir noch die Pegel­einstellung vornehmen. Hierfür hat sich iZotope eine wirklich bequeme Lösung einfallen lassen: Man drückt einfach den mittleren Knopf „Soundcheck“ und hat dann acht Sekunden Zeit, die lauteste Stelle in dem aufzunehmenden Song zu spielen. Das Spire Studio nimmt die Pegeleinstellung automatisch vor. Durch einen Druck auf den Knopf „Volume“ auf dem beleuchteten LED-Kranz stellen wir mit dem Finger die angenehmste Lautstärke für den Kopfhörer ein. Jetzt sind wir startklar für unsere erste Aufnahme mit dem iZotope Audio Interface. Die Spurbelegung wird uns dabei auf dem Leuchtkranz angezeigt. Mit dem Druck auf die linke mittlere Taste starten wir nun unsere erste Aufnahme.

Haben wir die App im Einsatz, stehen uns zusätzlich ein einstellbares Metronom und viele interessante Effekte zur Verfügung, um unsere Aufnahmen zu veredeln. Ein kleiner Nachteil ist jedoch, dass wir uns vor der Aufnahme für die gewünschten Effekte entscheiden müssen und diese mit aufgenommen werden. Ein nachträgliches Bearbeiten der Spuren mit Effekten ist nicht möglich. Über einen visuellen Mixer, wie wir ihn von anderen iZotope-Produkten kennen, lassen sich nach der Aufnahme noch Lautstärke und Position im Stereopanorama einstellen. Das Speichern der Aufnahmen und Änderungen erfolgt beim Spire Studio automatisch nach jedem Bearbeitungsschritt.

So exportiert ihr die iZotope Spire Studio-Aufnahmen

Sind alle Spuren aufgenommen und abgemischt, bietet die iZotope App verschiedene Möglichkeiten zum Export beziehungsweise für die Nachbearbeitung an. Eine Option ist der Versand des Songs per E-Mail. Eine andere Option erlaubt die Übertragung an Social-Media-Speicherorte wie Dropbox, um etwa durch die Freigabe des entsprechenden Ordners andere Musiker einzuladen, die Aufnahme des Songs zu ergänzen. Eine weitere Option ist der Export der Einzelspuren in höchster digitaler Qualität inklusive der Spire-Projektdatei für eine Archivierung oder Weiterbearbeitung am Computer.

Fazit und Einsatzempfehlung des Audio Interfaces

Zusammenfassend können wir durch unseren tatsächlich sehr umfangreichen Test bestätigen, dass iZotope mit dem Spire Studio seinem Namen alle Ehre gemacht hat. Da jeder sein Handy sowieso dabeihat und für die Verbindung zum Spire Studio kein zusätzliches Kabel benötigt wird, ist man durch einfaches Einpacken des handlichen Studios allzeit bereit für mindestens vier Stunden Aufnahme in Studioqualität. Vorausgesetzt, der Akku ist voll geladen. Wie unser direkter Vergleich mit dem Neumann TLM103 gezeigt hat, liefert das integrierte Mikrofon tatsächlich studiotaugliche Aufnahmen.

Sollte man das Handy ausgeschaltet oder nicht dabeihaben, ist das Spire Studio auch alleine in kürzester Zeit aufnahmebereit. Schon durch die in der App enthaltenen Soundeffekte, das integrierte Metronom und den für die Aufgabe optimierten Workflow ist das Spire Studio von iZotope jedem neutralen Pocket-Recorder weit überlegen und wird sich daher schnell zum besten Freund jedes kreativen Musikers entwickeln.

iZotope Spire Studio: technische Daten und Überblick

  • Produkttyp: Audio Interface
  • Spuren: 8
  • Aufnahmespuren: Maximal 2 gleichzeitig
  • Speichermedium: Interner Speicher
  • XLR-Anschlüsse: 2
  • Klinken-Anschlüsse: 2
  • Abmessungen: 11,07 x 8,74 x 12,29 cm
  • Gewicht: 624 g

Bewertung des Audio Interfaces

  • Handlich und portabel +
  • Leicht +
  • Gute Klangqualität +
  • Zusammenarbeit mit Apps möglich +

Mehr Testberichte, Specials und Workshops rund ums Thema Musik-Equipment und Aufnahme findet ihr hier!