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Bose L1 Pro8 und Pro16: Pro-Qualität im Kompaktformat

Bose hat vor kurzem die Pro-Serie veröffentlicht, die unterschiedlich große Kompakt-PA-Systeme anbietet. Man setzt auf leichten Zusammenbau, geringes Gewicht und intuitive Bedienung inklusive App-Anbindung in gewohnter Bose-Soundqualität.

Die Bose L1 Produktfamilie

Zum Test stehen die L1 Pro8 und die L1 Pro16 zur Verfügung. Der maßgebliche Unterschied ist die Leistung und die daraus resultierende Bauform der Line-Arrays und des Subwoofers. Die Pro8 liegt preislich bei 1.299 Euro, wohingegen der größere Bruder Pro16 bei 1.999 Euro angesiedelt ist. In der L1 Pro-Serie gibt es außerdem die noch größere Pro32, die wiederum über externe Subwoofer mit Kabelanbindung verfügt und eine nochmals höhere Leistung liefert.

Lieferumfang und erster Eindruck

Verpackt sind die Säulen in einem schützenden Softbag, mit dem man den Transport zum Gig gut realisieren kann. Der Zusammenbau der Pro8 und Pro16 verläuft dank des modularen Stecksystems reibungslos. Der Subwoofer stellt das Basiselement dar, in das die Säulen gesteckt werden. Diese Säulen bestehen aus einem Distanzstück und dem Lautsprechersegment und zusammen mit dem Subwoofer werden Aufbauhöhen von knapp 2 Metern bei der Pro8 und Pro16 erreicht. Die Aufbauhöhe bei beiden System ist nahezu identisch, da bei der Pro16 das Distanzstück kürzer ist. Ein mitgeliefertes IEC-Netzkabel (Kaltgerätesteckerkabel) sorgt für die Stromversorgung. Durch die zweiteilige Säule kann man bei wenig Platz das Distanzstück einfach weglassen. Die Verbindung zwischen Säulen- und Basiselementen erfolgt über sechspolige Stecker. Man vermisst eine festere und hörbare Arretierung, sodass man genau wissen würde, ob die Säule richtig sitzt. Auch das Herausziehen der Säule ist hier und da etwas problematisch und bedarf festem Ziehen. Dennoch hält das Eigengewicht der Säule sie gut in der Basis. Insgesamt kommen alle Komponenten bei der Pro8 auf ein Gewicht von knapp 18 und bei der Pro16 auf knapp 23 Kilogramm. Beide Kompakt-PAs lassen sich mit zwei Händen vergleichsweise leicht mit einem Gang vom Auto zum Veranstaltungsort tragen.

Säulenform

Die Säule besteht aus einem C-förmigen Line-Array von acht Lautsprechern beziehungsweise Treibern, die abwechselnd im 40-Grad- Winkel nach links und rechts ausgerichtet sind. Diese Lautsprecher- anordnung ermöglicht eine gleichmäßige Schallverteilung im 180-Grad-Winkel nach vorne und wird als „Spatial Dispersion Lautsprechertechnologie“ bezeichnet. Der maximale Schalldruckpegel der Pro8 beträgt 118dB SPL und bei der Pro16 124dB SPL. Die Treiber sind sowohl bei der Pro8 als auch bei der Pro16 zwei Zoll große Neodymium-Treiber. Bei der Pro16 ist die Säule in einer J-Form und mit 16 Lautsprechern ausgestattet. Die Anordnung dieser Lautsprecher erfolgt ebenfalls im 40-Grad-Winkel nach links und rechts, doch die unteren Lautsprecher sind zudem nach unten ausgerichtet, sodass man im Vergleich zur Pro8 eine erhöhte vertikale Schallausbreitung hat. Die horizontale Schallausbreitung ist bei beiden Modellen im 180-Grad-Winkel identisch.

Der Subwoofer

Die Subwoofer verfügen über ein sogenanntes Race-Track-Treiberdesign, das eine platzsparende Bauform mit dennoch druckvollem Sub-Sound kombiniert. Dabei handelt es sich um einen ovalen Treiber mit einer besonderen Gestaltung der Oberfläche des Lautsprecherkonus. Bei der Pro8 ist ein 7 x 13‘‘-Subwoofer verbaut, der leistungstechnisch und klanglich mit einem herkömmlichen 12-Zoll-Sub-Lautsprecher zu vergleichen ist. Bei der Pro16 ist es ein 10 x 18“-High-Excursion-Neudymium-Woofer. Durch das praktische Treiberdesign bleibt der Sub schön schmal, was einerseits beim Tragen angenehmer und andererseits optisch schick ist. Bose liefert beide Systeme mit integrierten Subwoofern, die einen Tieftonbereich bis 45Hz (-3dB) bei der Pro8 und bis 42Hz (-3dB) bei der Pro16 reicht. Ein Kabelanschluss ist nicht notwendig.

Die Rückseite

Auf der Rückseite des Subwoofers befinden sich alle Anschlüsse und die Mixer-Einheit und sind bei der Pro8 und Pro16 identisch. Es liegen zwei separate Kanäle mit jeweils einer XLR-/Klinken-Kombinations-Buchse vor, bei denen man per Knopfdruck die Phantomspeisung einfach de-/aktiveren kann. Ein weiterer dritter Kanal stellt Bluetooth, und zwei Aux-Eingänge zur Verfügung – einmal mit Miniklinke und einmal mit großer Klinke. Die Bluetooth- Aktivierung verlief unproblematisch über den anliegenden Taster. Alle drei Kanäle können einfach per Knopfdruck gemutet werden. Drei Drehregler im oberen Bereich des Subs gehören zu jedem Kanal und lassen einfache Einstellungen für Volume, Reverb, Treble und Bass für jeden Kanal einzeln zu. Diese Regler sind gleichzeitig Taster, mit denen man die Funktion (Treble, Bass, Reverb, Volume) wechselt. Sehr gut gelungen ist der LED-Kranz mit 13-Segmenten um den Drehregler für die Parametereinstellungen. Kanal-ToneMatch-Tasten unterhalb der Mute-Taste optimieren den Kanal für Mikrofon oder Akustikgitarren (Mic, Inst, Off). Zudem gibt es die System-EQ-Taste, die Master-EQs wie Live, Musik oder Sprache anbietet, um den Gesamtklang der Kompakt-PA per Knopfdruck einfach zu optimieren. Eine mit Service beschriebene USB-C-Buchse ermöglicht Firmware-Updates. Im unteren Bereich befinden sich der Power-Schalter, sowie ein XLR-Male Line-Out und eine Ethernet-Buchse, die sich für den Anschluss externer Bose T4S- oder T8S-Mischpulte eignet für unter anderem mehr Inputs. Der Master-EQ bezieht sich nicht auf den XLR-Line-Ausgang.

App-Kontrolle

Bose hat eine eigene App entwickelt, mit der die Mixer-Einstellungen über das mobile Endgerät vorgenommen werden können. Ändert man Lautstärke- oder Toneinstellungen in der App, so bewegen sich die LED-Regler in Echtzeit mit. In der App steht die gesamte ToneMatch-Bibliothek mit benut-zerdefinierten EQ-Presets zur Verfügung. Hier gibt es unter anderem vielzählige Presets für diverse Akustikgitarrenmodelle (z.B. Ovation, Gibson, Takamine, Godin, uvm.), Pickups (z.B. Steel String w/piezo) als auch „Handheld Mic“-Einstellungen. Sogar die Phantom-Power als auch ein Low-Power-Standby-Modus lassen sich hier einfach de-/aktiveren.

Klang und Praxis

Die unterschiedlichen Größen und Gewichtstufen ließen schon auf die verschiedenen Anwendungsbereiche schließen. Wohingegen die Pro8 eher für kleine und mittelgroße Räume beziehungsweise Veranstaltungen gedacht ist, ist die Pro16 für mittelgroße und große Räume geeignet. Gerade durch die J-förmigen Line Arrays und den größeren Subwoofer kann man damit eben auch von einer größeren Bühne aus beschallen. Lässt man das Distanzrohr bei der Pro8 weg, so ist auch eine gute Beschallung von einer kleinen Bühne möglich. Optimale Anwendung finden die Boxen hinter dem Künstler, um gleichzeitig als Monitor und FOH-PA zu fungieren. Die Anlage ist relativ resistent gegenüber Feedback, sodass eine Mikrofonplatzierung im Bereich vor der Kompakt-PA auch bei höheren Lautstärken möglich ist.

Fazit

Die App-Anbindung funktioniert einwandfrei und intuitiv. Da sicherlich nicht nur Vollblutmusiker die Anlage bedienen werden, sondern auch Audio-Laien, sind die vielzähligen Presets ein Vorteil für die klangliche Optimierung der Kompakt-PA. Wer mehr Eingangskanäle braucht und das nötige Kleingeld besitzt kann einfach via Ethernetkabel die Bose-Mixer anschließen. Sowohl hochauflösende Höhen als auch fulminante Bässe heben den Sound der Pro8 und Pro16 auf ein wirkliches Profi-Level. Die Verstärkung der Stimme eines Redners oder einer Rednerin ist in wenigen Minuten vom Ausladen bis Mikrofonansteckung realisiert. Auch die klangliche Optimierung für die Akustikgitarre eines Singer-/Songwriters mit der App oder der Kanal-Tonematch-Taste bringt auf effiziente Weise optimale Klangergebnisse. Die Nutzung im Stereobetrieb beispielsweise über einen Stereo-Link ist nicht gewünscht und wäre nur umständlich über externe Mixer und Verkabelungen zu realisieren. Demnach sind die Testkandidaten ausschließlich für die punktuelle Abstrahlung einer einzelnen Schallquelle gedacht und beide Systeme machen diesen Job mit einer sehr weiten Schallausbreitungen hervorragend! Wer mehr will, muss dann zur großen Pro32 greifen.


Tobias Mertens

 

Auf einen Blick

Bose L1 Pro8 und L1 Pro16

Typ
Säulen-Line-Array-System mit integriertem Subwoofer
Line-Array
Pro8: C-Förmig mit 8 x 2‘‘-Treibern
Pro16: J-förmig mit 2 x 16‘‘-Treibern
Leistung
Class-D-Verstärker;
Pro8: Mitten/Höhen: 60 Watt
Bass 240 Watt
Pro16: Mitten/Höhen: 250 Watt
Bass 1.000 Watt
Subwoofer
Pro8: 7x13‘‘-Treiber
Pro16: 10x18‘‘-Treiber
Frequenzgang
Pro8: 45 Hz -
Pro16: 42 Hz -
Max. Schalldruckpegel
Pro8: 118dB SPL Pro16: 124dB SPL
Abstrahlwinkel
Pro8: 180° (horizontal) x 40°(vertikal)
Pro16: 180° (horizontal); -30° (vertikal)
Eingänge
2 x 6,35 mm XLR-Combo mit Phantomspeisung,
1 x 3,5 mm Aux und Bluetooth
Ausgang
1 x XLR Line Out
Features
Mixer mit beleuchteten Steuerelementen für System-EQ- und ToneMatch Presets, Lautstärke, Ton und Hall;
kabellose Kontrolle per Bluetooth mithilfe der L1 Mix App auf dem Smartphone oder Tablet;
ToneMatch Anschluss zur Integration eines Bose T4S- oder T8S-Mixers
Maße
Pro8: 200,5 x 31,8 x 44 cm
Pro16: 201,2 x 35,5 x 45,6 cm (HxBxT)
Gewicht
Pro8: 17,7 Kg
Pro16: 24,8 Kg
Lieferumfang
Mittel-/Hochton-Array und Erweiterung; Subwoofer/Standfuß; Tragetasche für Array/Erweiterung; Netzkabel
Info
www.bose.de
Preise (UVP)
Pro8: 1.299 Euro
Pro16: 1.999 Euro

Tags: Kompakt-PA, PA System, Beschallungsanlage

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