Workshop: Wie geht das ? Teil 32


Das Spektrum ist groß. Während der eine Musiker nur ganz grob die Akkorde braucht, um den Song auf der nächsten Party zu schmettern, will der andere vielleicht das Lieblingssolo seines Heroes lernen. Ihm sind nicht nur alle Noten, sondern auch alle feinen Nuancen extrem wichtig. Trotzdem ist die Strategie, um die Aufgabe zu bewältigen, erstaunlich ähnlich. Unterschiede gibt es eher in der Genauigkeit der Arbeit. Also Lauscher aufgesperrt, wir erweitern unser Repertoire.

Als Beispiel nehmen wir eine Situation aus dem Alltag, die der eine oder andere eventuell so ähnlich schon einmal erlebt hat. Donnerstag nachmittag klingelt das Telefon: Hey, hast du am Samstag Zeit? Wir sind mit unserer Band auf einem Straßenfest gebucht, leider hat unser Rhythmusgitarrist /Keyboarder / Bassist etc. die Grippe. Du spielst doch ähnliche Mucke, kannst du einspringen? Für die Songs, die du nicht kennst, schicken wir dir Youtube-Links, alles easy!

Nachdem man einen kurzen Blick auf die Setlist geworfen und festgestellt hat, das man wirklich zwei Drittel der Songs schon drauf hat, kann man zusagen. Doch innerhalb von drei Tagen heißt es, zwischen acht und zehn neue Songs lernen. Nicht zu 100 % perfekt, aber so, dass die Band nicht auseinander fällt. Die Soli müssen nicht eins zu eins kopiert werden, aber die Akkorde, die wichtigsten Riffs und Licks und die markantesten Rhythmen eines Songs sind unverzichtbar. Es gilt, keine Zeit zu verlieren, der Gig rückt schließlich immer näher. Wer jetzt mit System vorgeht, wird sein Ziel schneller und besser erreichen.

Besorgt so viele Infos wie möglich


Als erstes klärt ihr am besten genau ab, um welche Songs es wirklich geht. Dazu braucht ihr die vollständigen Songtitel am besten mit Interpret. So weißt du auch, welche Version die Band spielt. Unvergesslich bleibt mir ein Job, bei dem ich als Aushilfe einsprang und falsche Songs rausgehört hatte. Man teilte mir nur die Songtitel mit und ich hatte bei iTunes und Co. die entsprechenden Aufnahmen rausgesucht. Leider existieren zu bestimmten Songtiteln mehrere Songs. Zum Beispiel gibt es It´s my Life sowohl von Bon Jovi als auch von Dr. Alban. Miss you könnte aus dem Songbook der Rolling Stones oder von Aaliyah sein. Die Songs haben überhaupt nichts mit einander zu tun und lasst euch versichern, es klingt nicht gut, wenn die eine Hälfte der Band den einen und die andere Hälfte der Band den anderen Song spielt.Fragt also im Zweifel nach. Vielleicht hat die Band sogar eigene Live-Aufnahmen. So erhaltet ihr ergänzende Hinweise auf mögliche Livearrangements, die von der Studioversion abweichen (Intros, Endings, Sololängen). Notfalls auch in minderer Qualität, solange ihr nur erkennt, worum es geht und in welcher Tonart der Track ist. Grundsätzlich arbeite ich dann doch lieber erst einmal mit einer (Original-)Studioversion, bei der man Dank gutem Mix und Mastering die Feinheiten am besten hört. Ihr findet dann die richtigen Noten schneller, als bei einem Handymitschnitt aus dem Proberaum.